Reeder Heinrich Friedrich Bischoff lässt 1886 eine repräsentative Gründerzeitvilla in Vegesack erbauen Eine Villa zeigt Vegesacker Geschichte

Vegesack. Repräsentativ, fast unnahbar wirkt die Fassade der reichlich mit Zierelementen geschmückten Villa an der Weserstraße 84 in Vegesack. Der Reeder Heinrich Friedrich Bischoff ließ den prachtvollen Wohnsitz im Zeitraum 1886/87 erbauen.
24.07.2016, 00:00
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Von Marina Köglin

Vegesack. Repräsentativ, fast unnahbar wirkt die Fassade der reichlich mit Zierelementen geschmückten Villa an der Weserstraße 84 in Vegesack. Der Reeder Heinrich Friedrich Bischoff ließ den prachtvollen Wohnsitz im Zeitraum 1886/87 erbauen. Mit seinen Gesimsen, den Ornamenten und dem wappengeschmückten Eingangsportal ist die Villa ein typisches Beispiel der Gründerzeitarchitektur. Außer dem Anwesen von Carl W. A. Fritze, in dem lange Jahre das Vegesacker Ortsamt residierte, sind fast alle prägenden Bauten dieser Straße verschwunden.

Der 1861 geborene Heinrich Friedrich Bischoff wuchs in der Vegesacker Havenstraße auf. Von dort aus lenkte ein Vater Johann Diedrich eine Trampschifferei. Nicht zufällig fiel der Bau der Villa mit der Heirat des Sohnes Heinrich Friedrich Bischoff mit Marie Danziger zusammen. Liebe oder Kalkül, vielleicht beides: Bischoffs Schwiegervater Hermann Danziger war Teilhaber der wohlhabenden Firma Schröder und Co, die mit allen Gebrauchsgütern, vor allem aber mit Schiffsausrüstung, Farben und Genever handelte. Die Firma besaß am Wasser an der heutigen Fährrampe zwei fünfstöckige Lagerhäuser. Der ohnehin angesehene Friedrich Bischoff gelangte durch seine Heirat in den oberste Kreis der Vegesacker Honoratioren. Dem neuen Heim war das anzumerken. Repräsentation nicht nur an der Fassade; im Haus gab es ein 50 Quadratmeter großes Esszimmer mit wertvoller Holzverkleidung und Stuckdecken. Prunkstück des Hauses war das „Argozimmer“. Künstlerische Schnitzereien aus der Argonautensage schmückten diesen Raum.

Nach dem Tod seines Vaters übernahm Friedrich die florierende Reederei. Wie stark er an der Entwicklung der Vegesacker Industriegeschichte beteiligt war, zeigt seine Teilnahme am Gremium zur Gründung der „Schiffbau und Maschinenfabrik Bremer Vulkan“ im Jahr 1893. Zu den Gründungsmitgliedern zählten neben Heinrich Friedrich Bischoff auch der Schiffbauer Victor Nawatzki, der Bremer Kaufmann Franz Schütte, der Bankier Bernhard Loose und die Reederei Wätjen. Ebenfalls beteiligte er sich am Aufbau der Vegesacker Heringsfischerei, ein weltweit führendes Unternehmen seiner Art.

Unter seiner Führung wurde im Jahr 1896 die Argo-Dampfschifffahrts-AG gegründet, der er seine gesamte Flotte verkaufte und deren erster Direktor Friedrich Bischoff war. Im Jahr 1914 gehörte die Argo mit dem goldenen Stern auf grünem Grund mit 30 Schiffseinheiten zur viertgrößten Bremer Reederei. Mut, Erfahrung, logistische Können und ein Gespür für die Marktsituation begründeten den Erfolg dieser aufstrebenden Reederei. Manches Schiff ging verloren. Neue und größere wurden erbaut. 1898 und 1899 liefen auf der Vulkanwerft allein fünf Fracht- und Passagierschiffe für die Argo vom Stapel.

Von einem ärgerlichen Verlust berichtet die „Wochenzeitung für Vegesack und Umgebung“ am 9. November 1872: Der unter der Vegesacker Reederei Bischoff fahrende Dreimaster „Lanai“ erhielt den Auftrag, in Madagaskar Zucker für Australien zu laden. Die nötigen Gelder zum Ankauf der Ladung, etwa 75000 Francs, befanden sich in Napoleon-Goldmünzen. Im Kanal von Mocambique, so die Zeitung, wurde das Schiff leck und sank so plötzlich, dass die Besatzung nur mit dem Nötigsten ausgestattet, „in drei Böten von Bord kam“.

Das Geld und die Schiffspapiere, gingen mit in die Tiefe. Schon beim ersten Verhör verwickelte sich der Captain in Widersprüche. Schließlich gestand er, dass er von dem ihm anvertrauten Geld 8000 Francs in seinem Koffer habe. Offensichtlich war das Schiff derart angebohrt worden, dass es schnell unter Wassere geriet und keine Rettung zur Aufdeckung der Tat möglich war.

Im Jahr 1910 verkaufte Friedrich Bischoff schließlich sein Haus in der Weserstraße an Elisabeth Lange, eine Enkelin des Schiffbauers Lange. Er selbst wohnte fortan in der „Villa Windeck“ in Grohn, die er von den Erben des Reeders Tidemann erworben hatte. Friedrich Bischoff starb 1920 in Bad Oeynhausen.

Für die Ausgabe DIE WOCHE · MEIN VEREIN schreibt Ulf Fiedler regelmäßig Texte über Wissenswertes aus der Historie der Region. Lob, Anregungen und Kritik senden Sie bitte an ulffiedler@yahoo.de.

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