Jan Albert Haake und seine Mutter Iris bewirtschaften eine Straußenfarm in Werder/Die Vögel haben sich an das norddeutsche Klima gewöhnt

Eine Vorliebe für Silbernes und Glitzerndes

Familie Haake führt den Betrieb, auf dem mittlerweile 54 Tiere leben, seit 2009. Der Hofladen ist das ganze Jahr über geöffnet. Neben Fleischspezialitäten sind dort auch Dekoartikel, Lederwaren und Kosmetik erhältlich.
20.10.2013, 00:00
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Von Elisabeth Hintze

Familie Haake führt den Betrieb, auf dem mittlerweile 54 Tiere leben, seit 2009. Der Hofladen ist das ganze Jahr über geöffnet. Neben Fleischspezialitäten sind dort auch Dekoartikel, Lederwaren und Kosmetik erhältlich.

Vorsichtig tapsen die kleinen Straußenküken durch den „Kindergarten“, im Hintergrund läuft klassische Musik. Plüschtiere liegen zum Spielen überall verstreut, Futter ist in einer Schale ausreichend vorhanden, die Wärmelampen spenden wohliges Licht. Doch die Aufmerksamkeit der Jungtiere – gerade mal zwei Wochen alt – ist auf ein anderes Objekt ausgerichtet: Ein silberner Teelöffel hat es ihnen angetan. Spielerisch balgen sie sich um das glänzende Besteckteil, verschleppen es mal hierhin, mal dorthin.

„Nach silbernen und glitzernden Sachen sind Strauße ganz verrückt“, erzählt Jan Albert Haake amüsiert. „Wenn sie Schmuck sehen, dann wollen sie ihn auch haben.“ Warum das so ist, kann der 24-Jährige nicht erklären. Aber alle anderen Fragen zu den gefiederten Tieren beantwortet er aus dem Effeff. Haake bewirtschaftet gemeinsam mit seiner Mutter Iris Haake seit 2009 eine Straußenfarm in Thedinghausen-Werder.

Eine Straußenfarm in Norddeutschland: Geht denn das überhaupt, ist es hier nicht zu kalt für die an Wärme gewöhnten Tiere? „In Deutschland gibt es rund 100 Farmen, auf denen Strauße gezüchtet werden“, sagt Jan Albert Haake. „Zwar handelt es sich bei unseren um afrikanische Blauhalsstrauße, aber die können durchaus bis zu 30 Grad minus aushalten.“

Der Winter sei demnach nicht problematisch für die Vögel, „nur das mit der Glätte, das verstehen sie nicht“. Dann müssten er und seine Mutter aufpassen, dass sich die Vögel nicht verletzen. Auch bei Regen sei es besser, die Strauße in den Stall zu bringen. Zwar lebten sie in Werder in einer offenen Stallhaltung, „aber gerade die Jungtiere merken nicht, dass Regen auch Kälte mit sich bringt“.

Strauße können ansonsten sehr gut auf sich selbst achtgeben, erzählt der Jungfarmer weiter. Der Tritt eines ausgewachsenen 2,30 Meter großen und 160 Kilo schweren Tieres kann tödlich sein. Er selbst sei bisher nur einmal getreten worden, zum Glück „nur“ von einem Junghahn. „Das Schnappen tut hingegen nicht weh“, sagt Haake. Wie zum Beweis streckt er seine Hand Rambo entgegen, dem neun Jahre alten Zuchthahn. Der kommt sofort an den Gehegezaun gestürmt und schlägt wild mit den Flügeln. „Das ist eine Warnung, sozusagen die geballte Faust. Straußenhähne verteidigen ihr Revier kämpferisch.“ Und ihre Frauen. Drei Hennen nennt Rambo sein eigen, aus denen er sich eine Haupthenne herausgepickt hat – Agathe.

Neben Rambo gibt es noch Hercules, den drei Jahre alten Zuchthahn, mit seinen vier Hennen. Die beiden Zuchtfamilien sind für die Produktion der Eier verantwortlich, wie Iris Haake erzählt. Sobald die Hennen ihre Eier in die vom Hahn ausgesuchten Nester gelegt haben, „klauen“ Iris und Jan Albert diese und legen sie in den Brutschrank. Vom Embryo bis zum fertigen Küken dauert es zwischen 39 und 42 Tage.

Anderthalb bis zwei Kilo kann ein Straußenei wiegen. „Genau kann man das schlecht schätzen“, so Jan Albert Haake, „grob sagt man, in einem Straußenei hätten 30 Hühnereier Platz“. Cirka 54 Tiere leben insgesamt auf der Straußenfarm. Wenn die Zuchttiere ein gutes Jahr alt sind und zwischen 110 und 130 Kilo wiegen, dann treten sie den Weg zum Schlachter an. Das zu verarbeitende Fleisch stammt zu 70 Prozent aus der Oberkeule, so Jan Albert Haake. Aus Rücken und Bauch würden aber auch Filets und Steaks hergestellt. „Straußenfleisch hat den Vorteil, dass es sehr mager ist“, ergänzt Mutter Iris.

„Es hat fast kein Fett und ist für Leute, die Probleme mit dem Cholesterin haben, deshalb sehr gut geeignet.“ Sie und ihr Sohn gönnen sich hin und wieder auch gerne ein Steak, „aber nicht zu häufig, dafür ist es doch zu teuer“. Die Nachfrage nach Straußenfleisch sei groß, berichtet der Jungfarmer weiter. „Uns wird die Ware praktisch aus den Händen gerissen.“

Sein Wunsch wäre es, die Farm in Bälde zu vergrößern und irgendwann auch Gastronomiebetriebe beliefern zu können. „Derzeit können wir keine Liefergarantie abgeben, aber mit mehr Tieren wird sich das hoffentlich ändern.“ Im Hofladen auf Werder’s Straußenfarm sind neben Braten, Leberwurst, Salami und Steaks außerdem Dekoartikel – Lampen aus Straußeneiern etwa – Staubwedel aus Federn, Leder-Geldbörsen und Kosmetik erhältlich.

Mutter und Sohn Haake bieten außerdem Führungen über die Farm an – allerdings ist derzeit Winterpause. Der Hofladen ist ganzjährig geöffnet. Öffnungszeiten und weitere Infos gibt es im Internet unter www.werders-straussenfarm.de.

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