´Gastbeitrag über den Tag des Denkmals Eine Zukunft für unsere Vergangenheit

Denkmäler erzählen von interkulturellem Austausch und Vernetzung, von Migration und Integration über Jahrhunderte. Sie sind auch für die Zukunft unverzichtbar, schreibt Gastautor Georg Skalecki.
08.09.2018, 20:25
Lesedauer: 2 Min
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Von Georg Skalecki

Der Europäische Tag des offenen Denkmals wird seit 1993 auch in Deutschland erfolgreich begangen mit dem Ziel, die unverzichtbare Bedeutung der Denkmäler als unser kollektives Gedächtnis der Öffentlichkeit zu vermitteln. 2018 ist dieser Tag aber auch ein Beitrag zum Europäischen Kulturerbejahr mit dem Motto „Sharing Heritage“, geteiltes Erbe. Wir besitzen gemeinsame Wurzeln und haben uns stets durch Wanderungen, Migrationen, Neugier gegenüber Fremdem gegenseitig befruchtet.

Trotz der eigenständigen Kulturen der Regionen, die auch Staatsgrenzen überschreiten können, gibt es auch ein gemeinsames kulturelles Erbe, das geprägt wird von vielfältigen wechselseitigen Beein­flussungen. Die Kultur, mit der man sich primär identifiziert, ist, genau betrachtet, letztlich das Ergebnis eines kulturellen ­Austausches.

Gerade das weltoffene Bremen hat Einflüsse aus vielen Regionen erhalten, aber auch Impulse gegeben. Unser Ziel ist es, dies zu verdeutlichen und mit der Berufung auf die Geschichte gegen bornierte Bestrebungen nationalistischer Abgrenzung zu argumentieren. Unsere Denkmäler erzählen von interkulturellem Austausch und Vernetzung, von Migration und Integration im Laufe der Jahrhunderte. Als authentische Zeugnisse unserer Vergangenheit sind sie auch für die Zukunft unverzichtbar. Ihre Pflege und rücksichtsvolle Einbindung in die moderne Entwicklung gilt es zwingend einzufordern.

In Bremen ist die historische Stadtmitte um das Rathaus nicht nur von der Unesco geadeltes Kulturgut, sondern auch wichtiger Wirtschaftsfaktor. Der Kulturtourismus boomt, man besucht Bremen wegen seines historischen Stadtbildes mit den wertvollen Denkmälern. Ihren Erhalt, ihre visuelle Integrität und ihre rücksichtsvolle Einbindung in das sich verändernde Umfeld müssen wir sicherstellen.

Es lastet heute ein hoher Veränderungsdruck auf allen historischen Altstädten. Die Kulturpolitiker Europas haben diese Gefahr erkannt und mit der Erklärung von Davos im Januar einen Appell für die Pflege unserer Denkmäler ausgesprochen. Wir brauchen in unseren Altstädten keine zerstörerischen und alles übertrumpfenden Footprints, sondern Neubauten haben sich innerhalb des historischen Kontextes zu in­tegrieren und in Maßstab, Höhe und Materialität anzupassen. Diese zu schützende außerordentliche Qualität der Denkmäler und die bedeutende Geschichte unserer Stadt kann man am Tag des offenen Denkmals erkunden.

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Zur Person

Unser Gastautor

ist Landeskonservator von Bremen und Stellvertretender Vorsitzender der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in Deutschland sowie Mitglied in vielen nationalen Denkmalgremien.

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