Eins zu null für die Gelassenheit

Ein Jahr lang habe ich mich auf das Wochenende gemeinsam mit meinen Frauen im Harz gefreut. Ein Jahr lang.
20.03.2016, 00:00
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Eins zu null für die Gelassenheit

FAMILIENTAG_STUERMANN

Ein Jahr lang habe ich mich auf das Wochenende gemeinsam mit meinen Frauen im Harz gefreut. Ein Jahr lang. Als ich zurückkomme, ist nichts mehr, wie es war. Der Papa trägt eine goldene, mit dicken Edelsteinen besetzte Krone aus Papier und im Büro hängt ein überdimensional großes Bild mit einem bunten Herzen darauf. Darüber steht: für Papa von Enja. Wie hat er das nur geschafft? Ein einziges Wochenende reicht und mein Mann hat bei den Kindern zwei fette Steine im Brett. Ich kaufe laufend T-Shirts mit bunten Tigerköpfen, fange Wollmäuse und übe mitten im Wahnsinn des Alltags mit meinem Sohn Gitarre. Ich nähe nachts Kinder-Monster-Hosen, verzichte zugunsten des Ferienhauses mit Pool aufs Haarefärben beim Friseur. Der Nachschub an Indianer-Übungsheften ist schon da, ehe unser Sohn den letzten Strich im alten Übungsheft gemacht hat. Während ich beim Aquafitness wie wild im Wasser rudere, verabrede ich die Kinder mit ihren besten Freunden und bringe sie nachmittags auch noch mit dem Auto hin. Für jedes Kind organisiert Mama eine ausgewogene Förderung aus Sport, Musik und kreativer Betätigung. Abends lese ich trotz Kopfschmerz und Ohrenpiepen Ritter-Trenk-Geschichten mit hörspieltauglicher Intonation vor. Im Schrank liegt jederzeit frische Wäsche, im Kühlschrank steht der aktuelle Lieblingsjoghurt, Wünsche fürs nächste Frühstück werden sofort notiert und realisiert. Meine Kinder leben wie in einem Fünf-Sterne-Hotel. Obendrein versuche ich, eine entspannte, interessierte und nachsichtige Mutter zu sein. Kaum aber bin ich um die Ecke, setzt der Papa neue Maßstäbe – und hat damit Erfolg. Er sammelt für jede seiner Aktionen mit erschreckend wenig Aufwand die doppelte Punktzahl: Abendbrot, zum Beispiel, gibt es in der Fettscheune, also im Bistro um die Ecke. Pommes rot-weiß, wahlweise einen Burger. Für Papa eine Currywurst. Vormittags liegt der Vater unserer Kinder den halben Tag auf dem Fußboden und spielt mit ihnen Mensch-ärgere-dich-nicht. Wo er sich schon mal in der Waagerechten befindet, streckt er in der Spielpause die Beine in die Luft und ist ein „lebender“ Kletterbaum. Nachmittags fährt er zum Fußballgucken und auf ein Bier zum Kumpel, während die Kumpel-Kinder miteinander toben. Die Wollmäuse bleiben dick und ruhig in der Ecke liegen. Tja, eins zu null für die Gelassenheit.

Tipp: Mit den Kindern aus guten Zutaten „Leckere Tartar Burger“ bauen (Rezepte unter www.chefkoch.de) oder mit einem „Burger vom Grill“ die Grillsaison eröffnen.

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