Zum 75. Geburtstag des Rock'n'Roll-Stars Elvis Presley: Für immer der "King"

Bremen. Der vielleicht größte Rockstar aller Zeiten wäre heute 75. Jahre alt geworden. Am 16. August 1977 wurde Elvis Presley tot in seinem Badezimmer aufgefunden, doch lebt der "King" für seine Fans ohnehin weiter.
08.01.2010, 07:35
Lesedauer: 4 Min
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Von Christian Emigholz

Bremen. Als Elvis Presley am 1. Oktober 1958 in Bremerhaven lächelnd mit geschultertem Seesack von Bord des Truppentransporters "General G.M. Randall" ging, um seinen Militärdienst in Deutschland anzutreten, war er dreiundzwanzig Jahre alt, und hatte damit, was er natürlich nicht wusste, mehr als die Hälfte seines Lebens hinter sich. Vor allen Dingen aber war er längst ein großer Star.

Das bewiesen nicht nur die an der Columbuskaje versammelten Fans, die von der Militärpolizei kaum zurückgehalten werden konnten, das unterstrich vielmehr sein Vermögensstand: Den ersten Cadillac in Pink hatte er schon drei Jahr früher für seine Mama gekauft, konnte sich selbst inzwischen goldene Cadillacs leisten und hatte 1957 sein 24-Zimmer-Anwesen Graceland erworben. Der Aufstieg war rasend schnell gegangen, denn 1953 nahm er seinen ersten Song in den Sun Studios von Sam Phillips in Memphis auf. Angeblich übrigens zum Geburtstag seiner Mutter (diverse Pophistoriker bezweifeln das allerdings), was ideal das Bild eines Rebellen mit Familiensinn zeichnete und Elvis insgesamt in ein schönes romantisches Licht setzte. Das war auch werbestrategisch bitter nötig, denn so sehr Elvis mit seinem melancholischen Augenaufschlag und dem sinnlichen Mund auch ein smarter Bursche war, so sehr gab er auf der Bühne den bösen Buben mit dem berüchtigten sexuell anzüglichen Hüftschwung, der ihm den Namen "Elvis the pelvis" einbrachte.

Und dieser "Elvis, das Becken" sang sich auf der Bühne zu hartem Rock'n'Roll die Seele aus dem Leib, und gebärdete sich weitaus wilder als Bill Haley und die anderen weißen Rock'n'Roller - eher wie seine schwarzen Vorbilder, nämlich Bluesmusiker wie Big Boy Cruddup oder Big Bill Broonzy. Dieser wilde Kerl war zu dieser Zeit, als der Rock'n'Roll Teenager so außer Rand und Band brachte, dass gelegentlich ganze Säle zu Kleinholz zerlegt wurden, alles andere als der ideale Schwiegersohn, zwar berühmt, aber eben auch berüchtigt.

Aber genau diese Zeit, also die von "Hound Dog", von "Heartbreak Hotel", von "Don't Be Cruel" und "Love Me Tender" war die entscheidende - trotz späterer noch weit größerer Erfolge, als er nicht mehr den jugendlichen Rebellen gab, sondern längst zum smarten Entertainer geworden war. Diese Zeit machte ihn zum King of Rock'n'Roll, zur Lichtgestalt der Rockmusik, sodass der Beatle John Lennon neidlos anerkannte: "Elvis erweckte die Jugend und war so etwas wie eine Ein-Mann-Revolution. Ohne Elvis hätte es uns nicht gegeben." So sehr die eigentliche Entdeckung von Elvis Presley durch mancherlei Zufälle gefördert worden sein mag - worauf Charlie Gillett, der akribische Biograf der Rockmusik, nachdrücklich hinweist - so wenig war seine schnell anwachsende Popularität bei den Teenagern ein Zufall. Denn auf Elvis Presley passte nur wenige Jahre nach dem 2. Weltkrieg das Bild eines aufbegehrenden jugendlichen Helden, der nicht genau weiß, gegen was er rebelliert: James Deans vorletzter Film "Rebel without a cause" (auf deutsch heißt er weniger überzeugend "…denn sie wissen nicht was sie tun") steht exemplarisch für diese Haltung. Es ist sicher kein Zufall, dass James Dean einen ähnliche Typ verkörperte und der Trompeter Chet Baker eben in dieser Zeit zu einem James Dean des Jazz aufgebaut wurde. Überdies waren diese drei in ähnlichem Alter (Dean vier Jahre älter als Presley, Baker sechs Jahre). James Dean starb allerdings 1955 bei einem Verkehrsunfall.

Mit Elvis Presley war ein neues Idol vorhanden, das zudem von seinem Manager Colonel Tom Parker sehr gekonnt vermarktet wurde, sodass auch die anfangs erwähnte Militärzeit kaum zu einem nennenswerten Bruch in der Karriere führte. Begonnen hatte Elvis Presley anfänglich mit einer kruden Mischung aus Country-Rock mit leichten Blues- und Gospel-Bezügen. Da nannte er sich noch The Hillbilly Kid und auch The King of Western Pop, interpretierte dabei Bluesklassiker wie Robert Johnsons "Milkcow Blues". Spätestens mit "Heartbreak Hotel" aus dem Jahr 1955 war er endgültig beim Rock'n'Roll angelangt - und auch, dank Colonel Parker, bei einer großen Plattenfirma unter Vertrag, die ihm ein gesichertes Einkommen garantierte.

Nach seiner Entlassung aus der Armee 1960 setzte er seine Karriere nahtlos fort, verlor aber zusehends das Interesse am Konzertbetrieb, wollte lieber in Hollywood als Filmstar reüssieren. Also erklärte er 1961 seinen Rücktritt von der Bühne. Tatsächlich drehte er rund 30 Filme, deren Reiz allerdings überwiegend in den darin enthaltenen Songs besteht. 1968 kam es zum famos inszenierten Comeback mit einem Live-Auftritt in einer Fernsehshow, der zum kapitalen Medienereignis wurde. Dass es noch größer ging, wurde 1973 deutlich, als die Show "Aloha from Hawaii" live via Satellit übertragen wurde und vermutlich ein Drittel der Weltbevölkerung zusah. Aber genau zu dieser Zeit begann die Kraft des nicht einmal 40-Jährigen zu schwinden, immer seltener stand er Bühnenshows durch, oft sagte er ab, lebte von der Öffentlichkeit abgeschirmt, wog zwischenzeitlich 250 Pfund. Am 16. August 1977 wurde Presley tot in seinem Badezimmer aufgefunden. Mit dem Tod setzt ein unfassbarer Elvis-Boom ein: Seine Platten erzielten noch einmal hohe Verkaufszahlen, und es wurde Jagd auf Elvis-Souvenirs gemacht, die ihren Höhepunkt erreichte, als der geschäftstüchtige Colonel Parker Objekte aus dem Privatbesitz von Elvis versteigern ließ.

Für seine Fans lebt der King of Rock'n'Roll ohnehin weiter. Für wie bedeutend er von Kollegen gehalten wurde und wird, mag die Tatsache belegen, dass Michael Jackson viel Wert darauf legte, quasi in der Nachfolge als King of Pop bezeichnet zu werden. Dem hat der Rockkritiker Nik Cohn in gewisser Weise schon vor langer Zeit widersprochen, als er feststellte: "Elvis ist Anfang und Ende der Popmusik. Er ist das große Original und das große Idol, neben dem alle anderen verblassen. Er ist der Boss." Heute wäre Elvis Presley, der am 8. Januar 1935 in East Tupelo, Mississippi, geboren wurde, 75 Jahre alt geworden - Cohns Sätze gelten immer noch!

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