Guido Regenhard gibt ein Ständchen bei einem Laden in der Georg-Gröning-Straße Elvoice lebt für den Rock’n’Roll

Nanu, das ist doch der typische Elvis-Sound! So wunderten sich Nachbarn und Passanten nahe dem Tante-Emma-Laden „Just“ in der Georg-Gröning-Straße. Der Auftritt des Elvis-Imitators Elvoice ließ sie aufhorchen.
22.09.2013, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Sandy Bradtke

Nanu, das ist doch der typische Elvis-Sound! So wunderten sich Nachbarn und Passanten nahe dem Tante-Emma-Laden „Just“ in der Georg-Gröning-Straße. Der Auftritt des Elvis-Imitators Elvoice ließ sie aufhorchen.

Wer ihn damals 1958 bei seiner Ankunft in Bremerhaven nicht sehen konnte, weil er entweder nicht vor Ort oder noch nicht geboren war, hatte jetzt eine erneute Gelegenheit ihn live zu erleben – also fast. Denn Elvis Presley verstarb bereits 1977. Vor dem Tante-Emma-Laden „Just“ erweckte der Elvis-Imitator Guido Regenhard alias Elvoice den „King of Rock‘n’ Roll“ zu neuem Leben.

Ein leichter Nieselregen tröpfelt vom grauen, bewölkten Himmel. Dennoch bleiben einige Passanten neugierig vor dem Haus an der Ecke Georg-Gröning-/ und Lortzingstraße stehen. Vor dem Gebäude steht ein Mann mit Mikrofon in der Hand: Schwarze Jacke, schwarzes Hemd, schwarze Schlaghose und schwarze Schuhe – alles passend zu seiner Haarfarbe. Sein markanter und emotionsgeladener Gesangsstil ist unverkennbar: Elvis Presley. Doch hier singt nicht der US-amerikanische Sänger, Musiker und Schauspieler, der als einer der wichtigsten Vertreter der Rock- und Popkultur des 20. Jahrhunderts gilt. Guido Regenhard ist seit seinem vierten Lebensjahr Elvis-Fan. Der heute 46-Jährige ist von Presleys Optik, der Stimme und seinem Talent, andere Menschen zu unterhalten und zu begeistern, von Anfang an fasziniert gewesen.

Musik reißt Zuhörer mit

Es sei tragisch, dass das Erste, woran viele bei Elvis denken, sein Medizinschrank sei, findet Regenhard: „Immerhin hat er vor seinem Tod mit 42 Jahren eine mehr als 30-jährige Karriere hingelegt.“ Als hauptberuflicher Elvis-Imitator hält Regenhard die Legende am Leben. Wenn er das Mikrofon in der Hand hat, ist er nicht mehr Guido Regenhard, sondern Elvoice. Auf Perücken und eine zu übertriebene Aufmachung verzichtet er. Manche Fußgänger bleiben stehen und schauen sich den Auftritt erst aus sicherer Entfernung an, bis sie sich entscheiden näher zu kommen. Dann bewegen sich schon die ersten leicht zur Musik mit. Bei schnelleren Stücken bleibt es nicht beim Hin-und-Herwippen, und es wird ordentlich mitgetanzt.

Mehr als drei Stunden wird Elvoice an diesem Tag die Lieder aus einer Jahrzehnte andauernden Karriere vor dem Tante-Emma-Laden singen und performen. Währenddessen gibt es Butterkuchen und Getränke. Mit der eher spontanen Aktion unterstützt der Sänger den kleinen Laden an der Ecke. „Das ist eine tolle Sache. Wenn Not am Mann ist, kann ich mir hier schnell etwas rausholen“, sagt Regenhard, der eine Straße weiter wohnt. Seit genau zwei Jahren betreibt Jutta Steeg das Geschäft, das auf einer Fläche von 43 Quadratmetern viele Dinge für den täglichen Gebrauch anbietet. Mit dem Tante-Emma-Laden schafft die Betreiberin eine Verbindung zu früheren Zeiten, in denen die kleinen Lädchen noch üblich waren, und der Gegenwart mit ihren unzähligen großen Supermarkt-Ketten. „Das ist hier mehr als normales Einkaufen und etwas sehr Persönliches“, betont Jutta Steeg. Ihre Kunden würden vor allem das Ausgefallene in ihrem Laden schätzen, wie den alten Wohnzimmerschrank, in dem die Waren stehen, statt den üblichen Verkaufsregalen. Oder die Schultafel, auf der das Kaffeesortiment angepriesen wird. „Diese ganzen nostalgischen Dinge schließen aber Geräte, wie das Fax, den Kopierer und die moderne Kaffeemaschine für meine Kunden nicht aus“, so Jutta Steeg. Zwei Frauen aus der Nachbarschaft waren als ausgesprochene Elvis-Fans besonders gespannt auf den Auftritt von Elvoice. „Ich habe damals in Kiel gewohnt, als Elvis in Bremerhaven war“, erinnert sich eine von ihnen: „Für den Zug hatte ich kein Geld, aber meine Eltern hätten das ohnehin nicht erlaubt.“

Der Auftritt von Elvoice sei gut angekommen, zieht Jutta Steeg ein Resümee: „Viele waren begeistert und erzählten mir, dass sie die Ecke hier als einen idealen Treffpunkt für den einen oder anderen Plausch sehen.“

Jutta Steeg kann sich vorstellen, die Veranstaltung mit Elvoice zu wiederholen. „Dann aber mit etwas mehr Planung und nicht ganz so kurzfristig“, sagt die Tante-Emma-Laden-Betreiberin.

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