Vorläufer 1928 offiziell eingeweiht / Beirat bekräftigt Forderung nach Sanierung: Einrichtung „unverzichtbar“ Engagement für das Westbad hat Geschichte

Das Westbad in Walle: Obwohl viel geliebt und begeistert genutzt, bereitet es dem Stadtteil seit geraumer Zeit Sorgen. Die Schwimmhalle ist in die Jahre gekommen und muss dringend saniert werden.
30.01.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Anke Velten

Das Westbad in Walle: Obwohl viel geliebt und begeistert genutzt, bereitet es dem Stadtteil seit geraumer Zeit Sorgen. Die Schwimmhalle ist in die Jahre gekommen und muss dringend saniert werden. Zur Debatte stehen dabei nicht nur Schönheitsreparaturen, denn es geht an die Substanz.

Es wäre ein mehrere Millionen Euro kostendes Projekt, die Freizeitstätte in die Zukunft zu retten. Dies aber wäre sinnvoll angelegtes Geld, findet der Waller Beirat. Erst jüngst hat das Gremium einstimmig die gemeinsame Forderung der Stadtteilbeiräte Gröpelingen und Walle bekräftigt, dass das „unverzichtbare“ Bad in absehbarer Zeit zu sanieren sei. Bis dahin müsse es durch die Behebung akuter Mängel in einem zufriedenstellenden Zustand erhalten werden.

Die entsprechenden Hoffnungen hatten die Waller beinahe schon aufgegeben. Doch nach der Entscheidung von Bremens Innen- und Sportsenator Ulrich Mäurer, von der zunächst als vorrangig betrachteten Sanierung des Unibads Abstand zu nehmen, macht sich in Walle wieder Zuversicht breit. Darauf, dass sich innerhalb eines durchdachten und schlüssigen Bäderkonzepts das Westbad in seiner Bedeutung für den Bremer Westen und darüber hinaus erhalten lässt.

Gebadet und entspannt wurde an diesem Ort schon zu den Zeiten, als Walle noch ein Dorf war. Dafür habe sich die Natur an

dieser Stelle geradezu angeboten, sagt die Waller Lokalhistorikerin und Stadtteilpolitikerin Cecilie Eckler-von Gleich. Eine historische Postkarte aus dem Archiv des Waller Geschichtskontors Brodelpott beweist: Im Jahr 1900 vergnügten sich die Stadtmenschen gern im fast mondän wirkenden Strandbad am Wallersee.

Später entschloss man sich, die natürliche Anlage zum festen Freibad umzugestalten. Die offizielle Eröffnung des Waller Seebades stellte im Jahr 1928 ein spektakuläres Großereignis dar: Tausende Menschen säumten das riesige Becken mit seinen modernen Sprungbrettern und dem abgegrenzten Nichtschwimmerbereich. Sommertags war dann am Sprungturm viel los, und der Bademeister auf dem Steinsteg oder im Ruderboot hatte „oftmals ein Wörtchen mitzureden“, erzählen die Chronisten aus dem Kulturhaus in Walle.

Mitte der 1960er Jahre beschäftigte sich die städtische Deputation für Leibesübungen ernsthaft mit der Idee, das Waller Freibad mit einer Schwimmhalle zum Kombibad auszubauen. Es waren andere Zeiten: Die damalige Bremer Senatorin für Wohlfahrt und Jugend, Annemarie Mevissen, konnte stolz verkünden, dass die Hansestadt im Bereich der Sportförderung eine bundesweite Spitzenposition einnehme.

Nun mit Saunalandschaft

Das Hallenbad West wurde Anfang der 1970er Jahre gebaut und seither mehrfach verändert. 1994 wurde es nach 14-monatiger Bauzeit als moderne Erholungs- und Kulturstätte wieder in Betrieb genommen – nun mit Saunalandschaft und Solebad. Die benachbarte Eissporthalle Paradice wurde der Öffentlichkeit erstmals im Frühjahr 1998 präsentiert. Kurz nach der Jahrtausendwende wurden das ehemalige Hallenbad West und das Freibad zum Kombibad Westbad zusammengeschlossen.

Grenze in der Mitte

Knapp 30 Jahre lang hat Hans- Peter Mester die Geschichte des Westbads vom Ortsamt West aus begleitet – und das Sorgenkind an seine Nachfolgerin Ulrike Pala vererbt. Während seiner Amtszeit habe das Bad wiederholt gegen Schließungspläne verteidigt werden müssen, erinnert sich der ehemalige Ortsamtsleiter.

Mester weiß auch um eine Kuriosität: Demnach verläuft die Stadtteilgrenze zwischen Walle und Gröpelingen quer über das Gelände. Der Wunsch nach dem Erhalt dürfte die Menschen beiderseits der geografischen Markierungslinien verbinden. Mester sagt denn auch: „Das Bad gehört einfach zur Grundausstattung des Bremer Westens.“

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