Ein Stadtteil der mit seinen fünf Ortsteilen noch immer regelmäßig unterschätzt wird

Engagement und Potenzial in Hemelingen

„Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt – ist es besser, viel besser, als man glaubt“, so sang es einst Herbert Grönemeyer in seiner legendären Liebeserklärung an seine Heimatstadt Bochum. Wäre Grönemeyer in Hemelingen aufgewachsen, dann bräuchte er seinen Liedtext wohl nur ein wenig umformulieren, um ebenfalls voll ins Schwarze zu treffen und wieder den Menschen aus dem Herzen zu sprechen.
05.07.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Lars Lenssen

„Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt – ist es besser, viel besser, als man glaubt“, so sang es einst Herbert Grönemeyer in seiner legendären Liebeserklärung an seine Heimatstadt Bochum. Wäre Grönemeyer in Hemelingen aufgewachsen, dann bräuchte er seinen Liedtext wohl nur ein wenig umformulieren, um ebenfalls voll ins Schwarze zu treffen und wieder den Menschen aus dem Herzen zu sprechen. Denn auch tief im Osten – von Bremen – ist es viel besser als man denkt. Vor allem viel besser als alle Nicht-Hemelinger glauben.

„Das ist wahr. Hemelingen ist ein unterschätzter Stadtteil“,

findet auch Stadtteilmanagerin Birgit Benke. Vor einem Jahr hat sie den Job übernommen Als „Zugezogene“ hatte sie bis zu diesem Zeitpunkt nicht viel mit Hemelingen zu tun gehabt. Ein Stadtteil, der gemessen an der Fläche und mit seinen 42 000 Einwohnern übrigens der zweitgrößte in Bremen ist und aus den fünf Ortsteilen

Hastedt, Hemelingen, Sebaldsbrück, Arbergen und Mahndorf besteht.

„Hemelingen ist so weitläufig und vielfältig“, schwärmt Benke von „ihrem“ Stadtteil, der mit Hastedt bereits hinter der Erdbeerbrücke und Georg-Bitter-Straße beginnt und von dort flussaufwärts die ersten Highlights zu bieten hat. Eingebettet in einem grünen Band finden sich Sport- und Freizeiteinrichtungen. Außerdem mit dem neuen Weserwehr und dem ebenfalls neuen Weserkraftwerk noch beeindruckende Bauwerke. Für Gewerbe- und Industriebetriebe ist Hemelingen von jeher ein gern gesuchter Standort. Traditionsreiche Namen wie die Lloyd Dynamo Werke, die Borgward, beziehungsweise Goliath Werke oder heuteMercedes Benz, Rheinmetall Defence Electronics, Atlas Elektronik (Sebaldsbrück) haben dem Stadtteil ihren Stempel aufgedrückt. Im 110 Hektar großen Gewerbegebiet des Hemelinger Hafens haben sich zudem fast 70 Unternehmen niedergelassen.

„Du bist keine Schönheit, vor Arbeit ganz grau“, könnte man noch einmal Grönemeyer bemühen bezüglich eines Stadtteils, dessen Image nicht besonders gut ist und in den manche Bremer lediglich hinfahren, weil sie einen Abend in der legendären Diskothek Aladin verbringen möchten.

Doch der Stadtteil hat auch eine ganz andere – eine ruhige und idyllische Seite. Schöne Wohngebiete, ausgedehnte Kleingartenbereiche und Parkanlagen. So wie der Sebaldsbrücker Schlosspark mit Herrenhaus und dem angrenzenden Schlossparkbad. Gerade im Sommer ein absolutes Highlight, da hier neben dem Hallenbad auch ein wunderschönes und hervorragend ausgebautes Freibad liegt. Die malerische Freizeitstätte Arberger Sommerbad und der Mahndorfer See mit DLRG-Station laden ebenfalls zu einem Sprung ins kühle Nass ein.

Auch für einen Besuch im Schulmuseum oder Straßenbahn Museum lohnt sich ein Abstecher nach Hemelingen. Ebenfalls einen Ausflug wert sind die Hemelinger, Arberger und Mahndorfer Marsch. Nach wie vor dörflichen Charakter hat Arbergen, wo das Ensemble von Sankt Johannis Kirche und Arberger Mühle das traditionelle Zentrum bilden.

„Die Vielfalt macht‘s“ ist dann auch der Slogan, mit dem Hemelingen für sich wirbt und unter dem Logo des roten Hahns, der angelehnt ist an den geografischen Grundriss des Stadtteils, selbst zur Marke geworden ist. Inzwischen gibt es sogar eigene Hemelinger Briefmarken und Marmelade. Die Hemelinger Vielfalt: ein Rhabarber-Orangen-Minze-Gelee.

„Man merkt eine Aufbruchstimmung“, sagt Benke, die sich selbst vor allem als Netzwerkaktivistin sieht. Den Verein Stadtteilmarketing Hemelingen e. V. hat sie innerhalb des vergangenen Jahres von 43 auf 110 Mitglieder ausgebaut. „Wenn man was bewegen will, muss man energisch und erfinderisch sein“, ist das Motto der kreativen Frau, die zuvor fünf Jahre lang für das Schlachte-Marketing mitverantwortlich war.

Die neue Gewerbeschau war mit 83 Ständen ein großer Erfolg und zum Bürgerbrunch, der wechselweise in einem der Ortsteile stattfindet, kommen regelmäßig 600 bis 800 Teilnehmer. Zuletzt organisierte Benke unter dem Titel „Hemelingen goes Golden City“ eine maritime Erlebnistour bei der

120 Leute teilnahmen.

So habe es auch mit der Überseestadt angefangen, merkte einer der Teilnehmer an, berichtet Benke und sieht das als Zeichen der Wertschätzung ihres Engagements und des Potenzials, das in Hemelingen schlummert. Einem Stadtteil, der sich auch durch großes soziales Engagement und viele soziale Einrichtungen auszeichnet.

Und so wie Grönemeyer sein Bochum liebevoll als die „Blume im Revier“ betitelt, so wartet vielleicht auch für Hemelingen ein Happy End in der öffentlichen Wahrnehmung. Viele Menschen, die hier leben, braucht man ohnehin nicht mehr von Hemelingen zu überzeugen. Sie wissen ja schon längst, was sie in und an ihrem Stadtteil haben.

Weitere Informationen über

Hemelingen gibt es im Internet unter www.hemelingen-marketing.de.

LAR

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+