Deutscher Karikaturenpreis in Dresden

Erdogan-Zeichnung mit Karikaturenpreis ausgezeichnet

Mit einer Zeichnung, die den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zeigt, hat Frank Hoppmann den Deutschen Karikaturenpreis gewonnen. Dem Zeichner und Illustrator aus Münster wurde in Dresden der "Geflügelte Bleistift in Gold" überreicht.
12.11.2017, 14:51
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Von Nadine Franke
Erdogan-Zeichnung mit Karikaturenpreis ausgezeichnet

Frank Hoppmann, Gewinner des geflügelten Bleistifts in Gold für die beste Einzelkarikatur.

dpa

Über den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan wurden schon nahezu alle Witze gemacht, manches Mal löste es sogar, wie bei Böhmermann, ganze Debatten aus. Umso erfrischender ist die subtile, aber äußerst treffende Karikatur von Frank Hoppmann. Zumindest subtiler als Böhmermanns Satire. Jedoch genauso wenig schmeichelhaft. Hoppmann schält in seinen Porträts erbarmungslos die Typen hinter den Dargestellten heraus.

Für die dämonische Fratze Erdogans ist ihm am Sonntagvormittag im Dresdner Schauspielhaus der Geflügelte Bleistift in Gold verliehen worden, die höchste Auszeichnung beim diesjährigen Deutschen ­Karikaturenpreis. Aus Sicht der Jury war diese Zeichnung, die in unserer heutigen Ausgabe ihren Platz auf der Titelseite bekommen hat, die beste Antwort auf das Motto, unter dem die Veranstaltung 2017 stand: „Menschen sind auch keine Lösung“. Zum 18. Mal fand die gemeinsam von der „Sächsischen Zeitung“ und dem WESER-KURIER veranstaltete Preisverleihung statt.

Preisträger fordert mehr Wertschätzung

Frank Hoppmanns Karikaturen sind unverkennbar: Menschen, Tiere, Satire und Fliegen. Die überzeichneten Porträts stehen meist für sich, so auch seine Zeichnung von Erdogan. Besonderes Augenmerk gilt dem roten Eimer auf dem Kopf des wenig schmeichelhaft abgebildeten Präsidenten. Der Eimer regt nicht nur zum Lachen an, sondern ist auch als Fes-Ersatz für die Rückständigkeit bezeichnend.

Deutscher Karikaturenpreis 2017

Ein Besucher betrachtet in Dresden die Werke des ausgezeichneten Karikaturisten Frank Hoppmann, "Erdogan" (l.) und "Trump".

Foto: dpa

Als Hoppmann den Preis in Empfang nahm, landete die Trophäe erst einmal neben dem Mikrofonständer auf dem Boden. Dass er diesen Preis erhielt, müsse er erst einmal sacken lassen, sagte derKarikaturist. „Es kam überraschend. Das ist ein wichtiger Preis.“ Genauso wie diese Preisverleihung an sich, denn zu Hoppmanns Bedauern ist die Karikatur noch immer ein Nischenprodukt.

Sie werde nicht genug wertgeschätzt. „Das muss sich ändern. Karikaturen lassen vielleicht schmunzeln, aber sie sind ernst und wichtig.“ Dass Karikaturen auch ein Mittel zur Gegenwehr sein können, hat der 42-Jährige bereits in der Schule begriffen. „Ich habe immer ungerechte Lehrer gezeichnet.“ Die Reaktionen sprachen für sich, also machte er weiter.

2018 mit in der Jury

Dann studierte der gebürtige Emsländer Design in Münster. Und womit bekam er sein Diplom? Er zeichnete 250 Betrunkene. Heute überzeugt er in Zeitungen mit seinen Porträts, die die dämonischen Seiten der Politiker hervorkehren. Hoppmann ist in diesem Jahr der 18. Preisträger und wird dafür 2018 mit in der Jury sitzen, wenn der Preis wieder in Bremen verliehen wird.

Diese Neuigkeit schien ihn auf der Bühne ein wenig zu überraschen. Aber er ist nicht der Einzige, der bei der Veranstaltung, an der über 70 Karikaturisten teilnehmen, überrascht wird. Auch Newcomer-Preisträger Kai Flemming zeigte sich sehr geehrt. Er erhielt den Preis für seine Supermarkt-Karikatur „Rettungskasse“.

Newcomer-Preis für „Rettungskasse“

Erstmalig wurden in diesem Jahr zwei Geflügelte Bleistifte in Silber übergeben. Für die beste Gesamtleistung ausgezeichnet wurde Gymmick alias Tobias Hacker, der als Comic-Autor, Liedermacher und Schauspieler arbeitet. Der zweite Silberne Bleistift ging an Dagmar Gosejacob alias Stroisel. Sie erhält den Sonderpreis derJury für ihren außergewöhnlichen und reduzierten Stil.

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Ebenso geehrt wurde Martin Erl, der auch für den WESER-KURIER zeichnet und mit seinen Karikaturen regelmäßig auf derKommentarseite vertreten ist. Schon am Sonnabend bekam er in einer gemütlichen Kollegenrunde den Publikumspreis für eine Zeichnung des Vorjahres verliehen.

Die Bremer Tageszeitungen AG war in Dresden vertreten mit dem Vorstand Eric Dauphin, dem Leiter Märkte David Koopmann und WESER-KURIER-Chefredakteur Moritz Döbler. Zur Jury gehört Iris Hetscher, die das Kulturressort des WESER-KURIER leitet. DerDeutsche Karikaturenpreis wird 2018 wieder in Bremen verliehen.

Der Katalog zum Wettbewerb ist zum Preis von 17,90 Euro ab diesem Montag in den Pressehäusern des WESER-KURIER, im Onlineshop unter weser-kurier.de/shop sowie im Buchhandel erhältlich.

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