31. Internationale Spieltage starten / Branche mit Millionenumsätzen / Ein Entwickler spricht über seine Arbeit

Erfolgreich gegen Bits und Bytes

Mit dem Siegeszug von Computern und Konsolen wurde der Spielebranche ein schleichender Tod vorausgesagt. Doch der Umsatz mit Brett- und Kartenspielen sowie Puzzles ist nach wie vor auf Rekordniveau. Ab heute trifft sich die Branche auf den 31. Internationalen Spieltagen in Essen, um die neusten Trends zu präsentieren. Mit dabei ist auch der Spieleerfinder Reinhard Staupe.
24.10.2013, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Erfolgreich gegen Bits und Bytes
Von Maren Beneke
Erfolgreich gegen Bits und Bytes

In seinem „Spielhaus“ bei Posthausen lagert Reinhard Staupe bis zu 600 Spiele.

Björn Hake

Mit dem Siegeszug von Computern und Konsolen wurde der Spielebranche ein schleichender Tod vorausgesagt. Doch der Umsatz mit Brett- und Kartenspielen sowie Puzzles ist nach wie vor auf Rekordniveau. Ab heute trifft sich die Branche auf den 31. Internationalen Spieltagen in Essen, um die neusten Trends zu präsentieren. Mit dabei ist auch der Spieleerfinder Reinhard Staupe.

Im Wohnzimmer von Reinhard Staupe weist kaum etwas darauf hin, dass hier ein Erfinder von Brett- und Kartenspielen lebt. In einem schlichten Holzregal stapeln sich Kinderspiele – so wie bei vielen anderen Eltern auch. Wer Reinhard Staupes Spieleleidenschaft begreifen will, der muss aus dem Wohnhaus hinaustreten, ein paar Schritte durch den Garten gehen: Hier steht ein kleines Fachwerkgebäude, von Staupe liebevoll „Spielhaus“ genannt. Zwischen 500 und 600 Brett- und Kartenspiele lagert er in diesem Refugium bei Posthausen – wie viele genau es sind, weiß er schon lange nicht mehr.

Reinhard Staupe ist einer der wenigen deutschen Spieleerfinder, die hauptberuflich von ihrem Hobby leben können. Und das, obwohl die Spielebranche boomt: Längst ist das Geschäft mit Brett- und Kartenspielen ein Millionenmarkt. Allein im vergangenen Jahr belief sich der Umsatz nach Angaben des Verbands Fachgruppe Spiel auf 350 Millionen Euro.

In keinem anderen Land wird so viel gespielt wie in Deutschland. Und auch im Ausland hat man die Qualität der deutschen Spiele erkannt: 2012 stiegen die Umsätze im Export im Branchendurchschnitt um fünf Prozent. Bei den Autoren der Spiele kommt von diesem Geld wenig an: Fünf Prozent vom Verkaufspreis eines Spieles seien es, sagt Reinhard Staupe, 40 Prozent gingen an den Verlag.

Drei Absagen von Großverlagen

Reinhard Staupe kann davon leben. „Wenn man ein paar Spiele hat, die sich lange halten, funktioniert es“, sagt er. „Speed“ ist solch ein Beispiel. Drei Großverlage hatten Staupes Kartenspiel abgelehnt, bevor es 1995 vom Kleinverleger Karsten Adlung auf den Markt gebracht wurde. Im Jahr darauf folgte die Nominierung zum „Spiel des Jahres“. Bis heute ist „Speed“ mehr als drei Millionen Mal über die Ladentische gegangen und sogar in den USA ein Bestseller.

Doch auch Staupe musste zu Beginn seiner Laufbahn – wie so oft üblich – viele Rückschläge einstecken. Sein erstes Spiel entwickelte er bereits 1989: ein dreidimensionales Denkspiel für Erwachsene. Seinen Prototypen schickte der damalige Abiturient an den Ravensburger Verlag – und bekam prompt eine Absage. „Zu Recht“, wie Staupe heute sagt. Zu komplex, zu abstrakt sei das Spiel gewesen. Heute weiß er es besser: „Ich versuche, nur noch Spiele zu machen, die einfach und in zwei Minuten erklärt sind.“

Die Zeit ohne durchschlagenden Erfolg dauerte für Reinhard Staupe noch eine Weile an: Der Erfinder schickte seine Ideen an die unterschiedlichsten Verlage, es folgte Absage auf Absage. „Es war so frustrierend“, erinnert sich Staupe, der damals ein Grundschulpädagogik-Studium begann, „man hat ständig auf den Briefträger gewartet.“

An jenen Sonnabend im Mai 1993 erinnert er sich dafür noch ganz genau. Absender: F. X. Schmid, kein Paket mit Prototyp-Rücksendung, sondern ein einfacher Brief. Darin enthalten: zwei Verträge für seine beiden Kinderspiele „Kunterbunt“ und „Blütenhupfer-Farbentupfer“. „Dieses Gefühl, das war bombastisch. Das kann man nur einmal erleben“, erinnert sich Reinhard Staupe heute. Nachdem er auch sein Spiel „Solche Strolche“ an einen Verlag hatte verkaufen können, entschied er sich, sein Studium aufzugeben und sich in der Spielebranche selbstständig zu machen.

Danach folgten diverse Karriereschritte: 1995 gründete Staupe zusammen mit seinem Bruder einen eigenen Verlag, ab 1996 betreute er zunächst das Autorenprogramm des Verlags Berliner Spielkarten und später das der Amigo Spiel + Freizeit GmbH. Plötzlich war er es, der entschied, welche Spiele für den Markt produziert werden – und welche eben nicht. In dieser Zeit entstand zudem ein weiterer kommerzieller Erfolg Staupes: das Fragespiel „Privacy“. 2005 entschied der Spieleentwickler dann, nur noch als externer Mitarbeiter für Amigo tätig zu sein – „ich wollte nicht mehr nur im Büro sitzen“ –, sieben Jahre später stieg er als verantwortlicher Redakteur bei den Nürnberger Spielkarten ein.

20 Titel in der „Gelben Reihe“

Besonders stolz ist Reinhard Staupe rückblickend auf die „Gelbe Reihe“, eine Serie von Kinderspielen, in die er viel Zeit und Herzblut investiert hat. Insgesamt 20 Titel sind bereits unter dem Label bei Amigo erschienen, mit „Der Plumpsack geht um“ wurde eines von ihnen sogar für das „Kinderspiel des Jahres“ nominiert.

Insgesamt sechs Mal durfte Staupe bisher auf die begehrte Auszeichnung hoffen, erst im vergangenen Jahr für „Qwixx“, das Staupe für die Nürnberger Spielkarten auf den Markt gebracht hatte. Doch auch wenn er sich als Verlagsredakteur ein zweites Standbein aufgebaut hat, ist für ihn das Leben als Spieleerfinder nicht immer einfach: Es gebe zu viel Konkurrenz, es sei schwer, sich durchzusetzen – auch für Etablierte, sagt er.

Das zeigen nicht zuletzt die 31. Internationalen Spieltage „Spiel ’13“, die heute in Essen starten: 827 Aussteller aus 37 Nationen haben sich für die Messe angemeldet. Die Ausstellungsfläche ist mit 48000 Quadratmetern so groß wie nie zuvor. Erwartet werden bis zu 150000 Besucher, die dort mehr als 800 Neuheiten und Weltpremieren ausprobieren können.

Auch Reinhard Staupe ist mit einem eigenen kleinen Stand in Essen dabei: zum einen, um die Nürnberger Spielkarten, aber ebenso um seinen eigenen Verlag

zu präsentieren. Für ihn gehe es dort um die Kontaktpflege, um die Treffen mit Autoren und ausländischen Verlagen. Und natürlich um das Feedback, das direkt vom Publikum kommt. „Denn was kann es Schöneres geben, als wenn ein vierjähriger Junge und eine 70-jährige Oma an einem Tisch zusammenkommen und deine Spiele spielen?“

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