Hoch oder runter? Erfolgsfaktor Hosenbund

Vier Tore eines Fußballers in einem Spiel werfen die Frage auf, ob Erfolg vom Hosenbund abhängt. Ob hoch oder runter: Alles nur eine Frage der Mode - oder doch der Persönlichkeit?
11.11.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Erfolgsfaktor Hosenbund
Von Jan Oppel

Lennart Thy war glücklich. Nach seinen vier Toren bei St. Paulis Sieg gegen Fortuna Düsseldorf stellte sich der ehemalige Werder-Profi den Fragen der Journalisten. Mitverantwortlich für den Gala-Auftritt des Fußballers am Hamburger Millerntor sei seine Hose gewesen: „Die hatte ich immer so tief hängen“, sagte er. Sein Fitness-Trainer habe ihm vor dem Spiel geraten, sie ein bisschen höher zu ziehen, um sein athletisches Potenzial voll zu entfalten.

Da zieht sich einer seine Hose hoch und schießt vier Tore gegen Düsseldorf – Wahnsinn! Lässt sich Erfolg etwa durch die Hosenhöhe beeinflussen? „Nein“, sagt Reyhan Sahin, die einst als Skandal-Rapperin „Lady Bitch Ray“ Schlagzeilen machte. „Hochgezogene Hosen sind ein Zeichen der Engstirnigkeit, Tradition und sexueller Gehemmtheit.“ Die Frau muss es wissen. Sie hat in Kleidungssemiotik promoviert. Mit der Bedeutung von Hosen ist sie also vertraut. Früher seien die Beinkleider ausschließlich von Männern getragen worden. Bis heute stünden Hosen für Männlichkeit, Macht und Machotum.

Die Bundhöhe, findet Sahin, ist ein Spiegel der Persönlichkeit: „Je höher eine Hose sitzt, desto spießiger ist die Person“. Im Gegensatz dazu seien hängende Hosen Symbole der Freiheit, Lässigkeit und Coolness. „Wie eine Hose sitzt, zeigt auch, ob die Person ihre Kleidung selbst aussucht“, sagt Sahin. Bei Männern lasse sich sogar erkennen, ob die Mutter, Freundin oder der Träger selbst die Hose ausgewählt haben.

Reyhan Sahins Hosenformel ist simpel: Hoher Bund gleich langweilig und spießig. Tiefer Bund gleich lässig und entspannt. Kann das stimmen? James Dean, Marlon Brando, Mick Jagger – alles engstirnige Spießer mit Buxe über dem Bauchnabel?

Bequem, aber aus der Mode

Nein. Mode ändert sich. Und damit auch die Hosenhöhe. Malte Breford ist Inhaber des Bremer Labels „Disko-Streetwear“ und hat sich auf der jüngsten Fashion-Week in Berlin umgesehen. Die von Reyhan Sahin als lässig beschriebenen hängenden Hosen sind nach Breford zwar bequem, aber längst aus der Mode. Derzeit seien bei Männern weiterhin enge Skinny- und Röhrenjeans angesagt. Lennart Thy liegt mit seiner hochgezogenen Hose also durchaus im Trend.

Und modische Männer gelten als erfolgreich. Das suggerieren zumindest zahllose Mode- und Lifestyle-Magazine. Kleider machen Leute. Das findet auch Joachim Schirrmacher. Der ehemalige Chefredakteur der Zeitschrift „Style in Progress“ verantwortet den European Fashion Award FASH. „Die Leibhöhe“, wie Schirrmacher die Bundhöhe bezeichnet, sei längst nicht mehr wechselnden Trends unterworfen.

„Mode ist kein Statussymbol mehr“, sagt Schirrmacher. Im Fokus stehe mittlerweile ein durchtrainierter Körper. Aus diesem Grund seien enge Hosen gefragt. Trends, sagt Schirrmacher, seien nicht mehr entscheidend: „Gut angezogen ist man heute, wenn man diese Prognosen nicht mehr verfolgt.“ Modische Menschen unterwürfen sich keinem Trend, sondern kleideten sich ihrem Körper und ihrer Persönlichkeit entsprechend individuell.

Die Bundhöhe taugt also nicht als Erfolgsgarant. Lennart Thy hat mit seiner hochgezogenen Hose trotzdem vier Tore in einem Spiel geschossen. Ob es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Hose und Erfolg gibt, zeigt sich am kommenden Sonnabend. Dann spielt St. Pauli bei 1860 München.

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