Alize Zandwijk arbeitet ab der kommenden Spielzeit als leitende Regisseurin am Theater Bremen / Heute Abend Premiere

„Es gibt viel Fantasie und Lust hier am Haus“

Alize Zandwijk ist ab der der kommenden Spielzeit leitende Regisseurin am Theater Bremen, am heutigen Donnerstag hat ihre Inszenierung „Mädchen und Jungen“ Premiere. Zuvor hat Zandwijk bereits mit „Das Leben auf der Praça Roosevelt“ von Dea Loher und „Der Kirschgarten“ von Anton Tschechow für frischen Wind im Schauspiel gesorgt.
23.04.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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„Es gibt viel Fantasie und Lust hier am Haus“
Von Iris Hetscher

Alize Zandwijk ist ab der der kommenden Spielzeit leitende Regisseurin am Theater Bremen, am heutigen Donnerstag hat ihre Inszenierung „Mädchen und Jungen“ Premiere. Zuvor hat Zandwijk bereits mit „Das Leben auf der Praça Roosevelt“ von Dea Loher und „Der Kirschgarten“ von Anton Tschechow für frischen Wind im Schauspiel gesorgt. Iris Hetscher hat mit Alize Zandwijk über ihre neue Aufgabe, ihre Art zu inszenieren und den Umgang mit Schauspielern gesprochen.

Frau Zandwijk, ab der kommenden Spielzeit sind Sie leitende Regisseurin am Theater Bremen. Was muss man sich darunter vorstellen?

Alize Zandwijk:

Oh, das weiß ich nicht so genau . . . nein, im Ernst, ich war ja 17 Jahre in Rotterdam und habe da inszeniert, habe aber auch viel verantwortet und organisiert – war dort also de facto Intendantin. Michael Börgerding (Intendant des Theaters Bremen, Anm. d. Red.) kenne ich schon sehr, sehr lange – und er hat immer gesagt: Wenn ich in Bremen Intendant werde, dann musst Du unbedingt eine große Vorstellung pro Jahr machen. Das fand ich ganz toll, und das hat ja auch geklappt. Im vergangenen Jahr stand dann die Entscheidung an: Will ich in Rotterdam noch einmal verlängern oder will ich etwas Neues starten? Und da hat Michael Börgerding mir vorgeschlagen, leitende Regisseurin zu werden. . .

. . . und wie werden Sie diese Aufgabe interpretieren?

Ich werde mich natürlich um das Ensemble kümmern, werde gemeinsam mit der Dramaturgie die Stücke aussuchen und mich damit beschäftigen, welche Regisseure hier am Haus arbeiten. Außerdem werde ich auf jeden Fall zwei Mal pro Jahr selbst inszenieren.

Sie können sich also voll und ganz auf den kreativen Prozess konzentrieren.

Ja, ich bin froh, nicht mehr die Verantwortung einer Intendantin schultern zu müssen – das habe ich in Rotterdam neben der künstlerischen Arbeit gemacht. Das gemischte Bremer Ensemble gefällt mir außerdem sehr.

Was meinen Sie damit?

Das Ensemble besteht aus ganz unterschiedlichen Charakteren, es ist sehr bunt.

Das macht die Arbeit sehr spannend.

Warum? Wäre es nicht einfacher, mit einer homogenen Gruppe zu arbeiten?

Gar nicht, weil man dann nicht so viel lernen kann. Das geht nur, wenn Unterschiede da sind, wenn man miteinander ist, sich aber auch aneinander reiben kann.

Da muss man dann auch Widersprüche aushalten können.

So ist es, aber das trägt immer dazu bei, etwas Neues zu entwickeln. Überhaupt sind alle sehr neugierig hier und haben Spaß daran, mit vielen unterschiedlichen Regisseuren zu arbeiten. Es gibt viel Fantasie und viel Lust hier am Haus.

Sie stehen für den Begriff Ensemble-Theater, was heißt das?

Ich arbeite gerne mit einem starken Ensemble zusammen, das sich einbringt; ich gebe nicht einfach eine Idee vor, die dann umgesetzt wird. Man muss gemeinsam eine Sprache für ein Stück hinbekommen, ich arbeite nicht mit Standards.

Können Sie das näher erklären?

In meinen Inszenierungen gibt es keine fest abgesteckten Grenzen, wann eine Szene anfängt oder zu Ende ist, mit klaren Auftritten und Abgängen. Ich finde es schöner, wenn man sozusagen wie ein Orchester miteinander Musik macht, wenn die Figuren aufeinander reagieren und ständig viel los ist auf der Bühne. Ich arbeite immer sehr körperbetont, das ist für mich mindestens genauso wichtig wie die Vermittlung des Textes.

Das heißt, Sie verarbeiten Einflüsse aus dem Tanz, aus Varieté und Zirkus.

Das ist so, auf jeden Fall. Das ist im holländischen Theater oft der Fall, und da komme ich ja her. Es geht darum, Theater zu erleben, der Kopf spielt eine geringere Rolle als der Bauch.

Im Gegensatz zu Ihren beiden ersten Arbeiten, „Praça Roosevelt“ und „Kirschgarten“, haben Sie „Mädchen und Jungen“ schon einmal in Holland inszeniert. War es leicht oder schwierig für Sie, das Stück erneut umzusetzen?

Das ist zehn Jahre her, und ich hatte das damals mit dem Ro Theater und dem Autor des Stücks, Arne Sierens, in Rotterdam regelrecht gebaut. Deshalb war es eine echte Herausforderung, hier erneut ein Klima zu schaffen, in dem die Schauspieler sich mitgenommen fühlten, obwohl schon vieles vorgegeben ist.

Mädchen und Jungen, Premiere am heutigen Donnerstag, 19.30 Uhr,

Theater Bremen.

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