Wie der Profiler Axel Petermann und die Kriminalschriftstellerin Petra Mattfeldt zusammenarbeiten

Fahnder mit Gespür für Tat und Motiv

Für ihren Kriminalroman „Sekundentod“ hat die Autorin Petra Mattfeldt ungestraft Bremens Vorzeige-Profiler Axel Petermann benutzt – als Vorbild für den Ermittler Falko Cornelsen. Axel Petermann war ihr überdies behilflich, als er Einblicke in kriminalistische Randgebiete gewährte. Aus dieser Form der Zusammenarbeit ist das Projekt entstanden, einen gemeinsamen Krimi zu verfassen.
31.01.2014, 00:00
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Von Arne Bode
Fahnder mit Gespür für Tat und Motiv

In der Rechtsmedizin belehrt der auf Tatortanalyse spezialisierte Axel Petermann die Thriller-Debütantin Petra Mattfeldt.

Frank Thomas Koch

Für ihren Kriminalroman „Sekundentod“ hat die Autorin Petra Mattfeldt ungestraft Bremens Vorzeige-Profiler Axel Petermann benutzt – als Vorbild für den Ermittler Falko Cornelsen. Axel Petermann war ihr überdies behilflich, als er Einblicke in kriminalistische Randgebiete gewährte. Aus dieser Form der Zusammenarbeit ist das Projekt entstanden, einen gemeinsamen Krimi zu verfassen.

Man kennt und schätzt sich schon eine ganze Weile. Der Profiler und Kriminalkommissar Axel Petermann war vor gut sieben Jahren für einen Mordfall zuständig, bei dem er Petra Mattfeldt kennenlernte. Sie betreute damals die Angehörigen des Opfers in der Anwaltskanzlei ihres Mannes. Über die Jahre hinweg blieben sie in Kontakt, und als sich Mattfeldt entschied, einen Kriminalroman zu schreiben, wandte sie sich an Petermann.

Petra Mattfeldts erster Krimi liest sich passagenweise wie eine Charakterstudie Petermanns – und das ist auch so gewollt. „Mein Profiler im Krimi hat ganz viel von Axel“, sagt Mattfeldt in belobigender Absicht. „Vor allem das Wesen. Die Besonnenheit mag ich an ihm. Und seine Art, nicht zu werten, sich rein inhaltlich für die Aufklärung eines Falles einzusetzen, ohne zu urteilen. Das finde ich faszinierend.“ Petermann, der Sachbuchautor im Bereich der Tatortanalyse ist, sagt über seine Arbeit: „Wenn ich eine Tat verstehen möchte, muss ich, weil sich mein Berufsleben um Mord und Totschlag dreht, auch wissen, wie das Sterben aussieht und was danach passiert.“ Diese Wissbegierde sollte Mattfeldts Ermittler Falko Cornelsen ebenfalls haben. Ursprünglich habe sie sogar in Erwägung gezogen, die Figur Axel Petermann zu nennen, sagt Mattfeldt amüsiert. „Daraufhin habe ich erst einmal eine Krise bekommen“, gibt Petermann belustigt zurück. Der Plan wurde verworfen.

Autodidakt in Sachen Tatortanalyse

Petermann ist eine Koryphäe auf dem Gebiet des Profiling in Deutschland. Jahrelang war er Berater für die in Frankfurt am Main entstandenen Folgen des ARD-Krimi-Formats „Tatort“. Wegen seiner Erfahrungen konnte er dem Produktionsteam einzigartige Einblicke in die Arbeit eines Ermittlers am Ort des Mordsgeschehens geben.

Petermann hat nicht etwa Kriminalistik studiert, sondern sich die meisten Methoden selbst beigebracht oder sie erweitert. Das gilt nicht nur für das Profiling, sondern auch für weitere Randgebiete der Kriminalistik. In Hamburg hat er zu Beginn seiner Karriere in den 80er-Jahren in der Rechtsmedizin hospitiert. Davon erzählt er Mattfeldt mit gebotener Drastik. „Ich habe auch selbst obduziert. Ich war dann morgens um sechs Uhr in der Pathologie und habe mit dem Präparator geschnitten. Als später die Ärzte kamen, haben wir die Leichen wieder zusammengenäht.“

Diese sehr privilegierten Einblicke und Sichtweisen eines Fahnders, dem weder Menschliches noch Unmenschliches fremd ist, versuchte Petra Mattfeldt in dem Krimi „Sekundentod“ einzufangen. Wie Petermann stellt sich ihr Ermittler nachgerade meditativ auf die Tat ein. Auch Cornelsen analysiert Spuren auf sehr sachliche Art und Weise. Bei der Fallanalyse versuchen beide Ermittler – der echte wie auch der fiktive –, ein Gespür für Tat und Motiv zu bekommen. Wie Petermann baut Cornelsen die Tatorte nach, um den Tathergang bis ins Detail zu rekonstruieren.

Zudem hat sich Mattfeldt wissenschaftliche Fakten von Kommissar Petermann geben lassen, beispielsweise zur Madenbildung bei Leichen. „Maden entwickeln sich nur dann, wenn in irgendeiner Form Licht einfällt“, weiß Petermann. Ein Detail, das Mattfeldt trotz intensiver Recherche sonst womöglich nicht gefunden hätte.

Axel Petermann hatte diesen Fakt zuvor selbst recherchiert und sich überdies seit dem Jahr 2000 mit forensischer Entomologie generell beschäftigt. Dabei geht es um die Leichenbesiedlung durch Insekten, die der Feststellung des Todeszeitpunktes dient. Im Zuge seiner Studien baute er im Bremer Bürgerpark auf einem abgesperrten Polizeiübungsgelände eine sogenannte Bodyfarm auf. Er hatte sich zuvor zwei tote Schweine vom Schlachthof besorgt und ließ sie dann verrotten. Er beobachtete den Verfall der Schweine und deren Bevölkerung durch Insekten. So konnte er Rückschlüsse für eigene Fälle ziehen. Wie auch Mattfeldt – für ihren auch dank des Mentors facettenreichen Krimi „Sekundentod“.

Nun arbeiten Petermann und Mattfeldt an einem gemeinsamen Krimi, von dem freilich erst Grundzüge feststehen. Für den Sachbuchautor Petermann ist das publizistisches Neuland. In der Gemeinschaftsarbeit wird ein Ermittler-Duo mit Ritualmorden konfrontiert. Die Figur der Ermittlerin, die Mattfeldt verantwortet, ist dem Vernehmen nach impulsiv. Die von Petermann skizzierte Figur dagegen mag viel von ihm selbst haben, aber auch von Ernst Gennat (1880-1939), den man den „Buddha der Kriminalisten“ nannte und – wegen seiner Körperfülle – „den vollen Ernst“. Mit Gennat, diesem Pionier der Tatortanalyse, hätte Petermann gern zusammengearbeitet.

Petra Mattfeldt: Sekundentod. Knaur,

München. 368 Seiten, 9,99 .

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