Feine Striche, liebevolle Details

Im Holzhafen weihnachtet es – Nikoläuse warten auf die Geschenke, die sie ausliefern müssen, hier und da ist eine Tanne zu sehen, die Heiligen drei Könige sind auch unterwegs. Die Bremer Grafikdesignerin und Künsterlin Isa Fischer hat das Bild zum Fest gestaltet.
24.12.2013, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Feine Striche, liebevolle Details
Von Iris Hetscher

Im Holzhafen weihnachtet es – Nikoläuse warten auf die Geschenke, die sie ausliefern müssen, hier und da ist eine Tanne zu sehen, die Heiligen drei Könige sind auch unterwegs. Die Bremer Grafikdesignerin und Künsterlin Isa Fischer hat das Bild zum Fest gestaltet.

Firma J. Müller Weser, Silo eins: „Coffee-Terminal“, über enge steile Treppen hinauf in den fünften Stock. Der Balkon besteht aus Gitterrosten, ein Schild informiert über „1500 Kg Tragfähigkeit“. Der Blick ist atemberaubend und schweift automatisch über einen Großteil des Holzhafens, bis er am Bremer Stahlwerk hängen bleibt. Auf diesem Balkon hat Isa Fischer es sich gemütlich gemacht, hat sich im Schneidersitz auf ihre rote Tasche gesetzt und Papier, Feder und Tuschkasten ausgepackt.

Vier Stunden lang arbeitet die Bremer Grafikdesignerin und Künstlerin an dem Entwurf des Bildes, das Sie, liebe Leserinnen und Leser, heute auf unserer Titelseite sehen. „Ich bevorzuge mittlerweile wieder das echte Zeichnen mit Stift und Block“, sagt Fischer, und sie meint damit auch: Computer aus und raus aus dem Büro, ran ans Objekt. Die Tuschfeder gleitet über das Papier, zunächst gewinnt der orangene große Kran an Konturen, dann die braune Hafenkante. Bald darauf schlängelt sich die Weser als blaues Band übers weiße Papier – Isa Fischers Bild gewinnt nach und nach an Struktur. Feine, exakte Linien und eine hohe Wiedererkennbarkeit sind das Markenzeichen der Bremerin. Kurz überlegt sie, ob sie das „Kaffee-Hag“-Gebäude auch noch zeichnet, verwirft den Gedanken dann aber: „Das wäre zuviel.“ Jetzt geht es daran, das Bild mit Details auszugestalten. Das ist kein Problem, viel Betrieb ist da unten, es hupt und rattert: Ständig fahren Spezialwagen Container hin und her, verladen sie auf Lastwagen.

Wie bunte Bauklötze wirken die Container vom Balkon im fünften Stock aus, die Arbeiter in den neongelben Westen daneben winzig. Manchmal fährt ein Schiff vorbei, und warum sollten da nicht auch Tannenbäume ihren Platz finden oder Nikoläuse auf die Anlieferung ihrer Fracht warten? Die Heiligen drei Könige hätten aus dem Bremer Hafen nicht unbedingt Gold, Weihrauch und Myrrhe mitnehmen können, aber beispielsweise ein freundliches Winken der Arbeiter. Oder der Nikoäuse.

Für diese Idee eines leicht verwunschen anmutenden weihnachtlichen Bremer Holzhafens ist Isa Fischer von ihrer sonstigen Arbeitsweise ein wenig abgerückt. Eigentlich ist Fischer für ihren Realismus bekannt. Dieses Jahr hat sie ihrer Heimatstadt mit dem Buch „100 Bremer Häuser“ ein ganz eigenes Denkmal gesetzt. Wer darin blättert, erfreut sich auch an den fein beobachteten Details.

Entdeckungsreise

Dieser Liebe zum Kleinteiligen, Maßgeblichen ist sie bei unserem Titelbild treu geblieben. Nicht zu viele Gimmicks hat sie eingestreut, schließlich ist das kein Adventskalender, sondern trotzdem noch eine Ansicht des Bremer Holzhafens. Deshalb sieht man einige Weihnachtsüberraschungen sofort, für andere muss man die Augen auf Entdeckungsreise schicken.

Isa Fischer hat übrigens auch das Titelblatt unserer Silvesterausgabe gestaltet – lassen Sie sich in der kommenden Woche überraschen.

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