Hurricane 2014 Friedlich und ausgelassen

Scheeßel. Tag Zwei beim Hurricane ist der Tag der Kontraste: Harter Rock in verschiedenen Ausführungen von Kraftclub, Broilers oder Volbeat konkurriert mit Singer/Songwritern wie Tom Odell, Bosse, Lykke Li oder den wunderbaren Belle & Sebastian, die die kürzeste Nacht des Jahres versüßen. Dazwischen gibt es die musikalische Reise zurück in die 80er-Jahre mit Interpol, Pixies und The Wombats.
23.06.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Lars Fischer

Tag Zwei beim Hurricane ist der Tag der Kontraste: Harter Rock in verschiedenen Ausführungen von Kraftclub, Broilers oder Volbeat konkurriert mit Singer/Songwritern wie Tom Odell, Bosse, Lykke Li oder den wunderbaren Belle & Sebastian, die die kürzeste Nacht des Jahres versüßen. Dazwischen gibt es die musikalische Reise zurück in die Achtzigerjahre mit Interpol, Pixies und The Wombats. Oder einfach nur Pop bei Lily Allen.

Kraftclub haben im Jahr 2012 auf der kleineren Red Stage sämtliche Dimensionen gesprengt. Innerhalb von 24 Monaten sind sie aufgestiegen zu einer Band, die in diesem Jahr die Hauptbühne zur Primetime am Sonnabend bespielt. Mitgebracht dahin haben die jungen Männer aus Chemnitz, das sie immer noch als Karl-Marx-Stadt besingen, reichlich Selbstvertrauen. Das Hurricane wollen sie ihren Ansagen nach in Randale versetzen – das gelingt: friedlich und ausgelassen.

Mit ihrem deutlich vom Punk infizierten Rock liegen sie voll im Trend, der am zweiten Tag auf der Green Stage vorherrscht. Egal ob klassische Straßenrocker wie die Donots, die ihr 20-jähriges Bühnenjubiläum zünftig zelebrieren, die vom Rockabilly geküssten Broilers oder die Irish Folk-Rabauken Dropkick Murphys – hier spielen die Bands, die die ruppige Gangart bevorzugen. Dass diese gekoppelt mit folkloristischen Einschlag gut ankommt, haben schon Flogging Molly am Vortag an selber Stelle bewiesen. Dropkick Murphys, ebenso amerikanischer Herkunft, gehen deutlich heftiger zur Sache. Mit „The rover“ haben sie aber auch ein Volkslied im Gepäck, das man nahe der Nordseeküste zwar mit anderem Text, aber nicht minder lauthals mitsingt. Noch einen drauf setzen danach Volbeat, die mit ihrem kompromisslosen Garagenrock die optimale Festivalband am späteren Abend sind.

Die Funktion, ein wenig neuere Musikhistorie nahe zu bringen, die am Vorabend noch Bad Religion innehatte, nehmen am zweiten Tag die Pixies in die Hand. Die Band ohne die es Nirvana nie gegeben hätte, wie Kurt Cobain mehrfach betonte, macht indes eine nicht mehr überzeugenden Eindruck. Zwar hat man sich vom Dauerproblem Kim Deal befreit und ein neues Album eingespielt, aber nur noch wenig kann ihre alte Klasse als Inspirationsquelle einer ganzen Generation von Grungebands erinnern. Alles, was die Pixies einst ausmachte, ist zwar irgendwie noch da, aber die Magie, die aus den Teilchen mehr als nur ihre Summe werden lässt, ist den Vorreitern irgendwo abhanden gekommen. Auch das Zuschauerinteresse ist eher mäßig, damit haben allerdings auch die nachfolgenden Interpol zu kämpfen. Ob es an ihnen, dem zeitgleich stattfindenden Fußballspiel oder an Kraftclub auf der Hauptbühne liegt, sei dahingestellt.

Interpols Auftritt jedenfalls hätte deutlich mehr Zuspruch verdient. Auf ihren ebenfalls von den 80er-Jahre-geprägten Wurzeln, die im Waverock von Bands wie The Chameleons liegen dürften, gedeihen frische Früchte. Mit herausragend aufeinander eingestellter doppelter Leadgitarre und unaufdringlicher Elektronik schaffen sie detaillierte und doch kraftvolle Klanggebilde.

Wer auf schrillen Pop inklusive Tänzerinnen und großer Showbühne bei Lily Allen verzichtet, findet bei Belle & Sebastian dann einen gefühlvolleren Weg, die Mittsommernacht ausklingen zu lassen. Die Schotten, mit einem Art Mini-Orchester angereist, zelebrieren ihren kammermusikalischen Pop-Leckerbissen mit feinster Melancholie bis in den frühen Sonntagmorgen hinein.

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