Hurricane-Festival

Von Gitarrenriffs und Geheimtipps

So sieht das musikalische Programm der 22. Auflage des Hurricane-Festivals in Scheeßel aus.
21.06.2018, 13:09
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Von Gitarrenriffs und Geheimtipps
Von Pascal Faltermann
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Biffy Clyro mit Sänger Simon Neil treten am Samstag auf der Green Stage beim Hurricane-Festival auf.

Pascal Faltermann

Nur um geschickte Gitarrenriffs, bedeutende Bassläufe und schnelles Schlagwerk geht es bei Festivals schon lange nicht mehr. Nein, wer sich die Künstler und Bands bei der 22. Auflage des Hurricane-Festivals in Scheeßel anschaut, sieht nicht mehr nur die klassischen Rock-Formationen auf den Bühnenbrettern. Das Line-up ist reichhaltiger aufgestellt. Mehr als 100 Bands und Solo-Musiker treten auf vier Bühnen auf. Von der Ska-Combo bis zum Elektro-DJ, vom Hip-Hopper bis zur Techno-Marching-Band ist die Vielfalt groß.

The Prodigy, Billy Talent, Arctic Monkeys und Arcade Fire stehen als Headliner ganz oben auf den Plakaten, Flyern und Programmübersichten. Doch das sind nicht die kraftvollen Zugpferde – die ganz großen Namen fehlen auf dem Eichenring. Das Line-up des Hurricane-Festivals besticht vielmehr durch seine Dichte, durch seine Breite und die treuen, stets wiederkehrenden Bands.

Starke Nummern und Senkrechtstarter

„Wir haben starke Namen und neue Senkrechtstarter aus Rock, Alternative, Hip-Hop und Elektro auf unseren Bühnen. Wir sind sehr zufrieden mit dem Line-up“, sagte Hurricane-Chef Folkert Koopmans im WESER-KURIER-Interview. Er leitet mit FKP Scorpio nach eigenen Angaben den größten Festivalveranstalter Europas.

Die Donots mit Guido Knollmann spielen am Freitag beim Hurricane-Festival.

Die Donots mit Guido Knollmann spielen am Freitag beim Hurricane-Festival.

Foto: Pascal Faltermann

Ein Blick auf die drei Tage Festival: Der Freitag ist mit Bands wie den Donots, Feine Sahne Fischfilet, The Offspring oder Billy Talent fast schon traditionell etwas für die härtere Gangart – eben punkig bis rockig. Es sind die typischen Abriss-Alarm-Dauerbrenner, die aufs Tempo drücken, die Spaß machen, die Vollgas geben. Die Festivalbesucher sind schließlich noch ausgeruht und kraftvoll. Nicht nur die Donots versprechen staubige oder matschige Moshpits, schwitzende Massen und eine Meute außer Rand und Band. Früh geht es zum Start mit den rauen, tempogetriebenen Herren von Red City Radio los. So geht es bis nach Mitternacht, wenn die US-amerikanische Melodic-Hardcore-Band Pennywise auf der Bühne steht und mal wieder zu iher Hymne – die „Bro Hymn“ – die Punkrocker die Fäuste in die Höhe recken lässt. Zwischendurch gibt es am ersten Festivaltag aber auch so introvertierte Bands wie London Grammar. Die Band hat bereits vor vier Jahren beim Hurricane bewiesen, dass dies ebenfalls funktioniert.

Hip-Hop am Samstag

Viel Hip-Hop steht am Samstag auf dem Plan: "Was los Digga ahnma" - Jan „Eizi Eiz“ Eißfeldt (aka Jan Delay, Foto), Dennis „Den­yo“ Lisk und DJ Mad haben als Beginner den Rap mehrfach geprägt. Früher waren es Songs wie „Füchse“, „Hammerhart“ oder „Geht was“, die die deutsche Rapwelt veränderten. 2016 packten sie mit dem Album „Advanced Chemistry“ Hamburg wieder auf die Hip-Hop-Karte. Dendemann, Prinz Pi, Bonez MC & RAF Camora oder SXTN bedienen die Rap-Hörer ebenfalls. Auf der Hauptbühne steht am Abend mit Biffy Clyro wohl eine der besten Live-Bands derzeit: Mit aufwühlender Energie, brachialen, unvorhersehbaren Gitarrenriffs aber auch mit herrlichen Melodien überfahren die Schotten ihr Publikum.

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Sicher kann man am Sonntag schon ein bisschen eher nach Hause fahren, in der Hoffnung, den Stau zu umgehen. Aber man läuft Gefahr, eine grandiose Show zu verpassen. Die Arctic Monkeys setzen den Schlusspunkt unter das diesjährige Festival. Ihr gerade veröffentlichtes Album „Tranquility Base Hotel & Casino“ ist ein extrem mutiges und vielschichtiges Werk – beste Voraussetzungen also, dass die Band das Hurricane stilecht zu Ende bringt.

Rock'n'Roll und Melancholie

Die Chemnitzer von Kraftklub sind sicherlich kein Geheimtipp mehr. Denn die Band steht für einen sprichwörtlichen Abriss erster Güte. Und wenn die Festivalbesucher mal ehrlich sind, darum geht es doch auf einem Festival. Ekstase ist mit den Wienern von Wanda angesagt. Mitunter zeigen sie eine groteske Rock’n’Roll-Show, die wie gemacht ist, fürs massenhafte Durchdrehen. Wer sich inhaltlich vorzugsweise mit Schnaps, Sex und Amore beschäftigt, kann so falsch nicht liegen. Aber es geht auch anders. Und zwar melancholisch. Wenn Benjamin Clementine am Klavier sitzt und mit seiner kraftvollen Stimme singt, dann macht das was mit den Zuhörern und lässt sie runterkommen und träumen. Zum Abschluss des Spektakels in Scheeßel spielen zudem James Bay, Wanda und Arcade Fire.

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