Film Film über Krawalle in Rostock-Lichtenhagen geplant

Berlin. Der Regisseur Burhan Qurbani (29), bekannt durch den Berlinale-Beitrag «Shahada», will einen Spielfilm über die Krawalle von Rostock 1992 drehen.
25.09.2010, 14:00
Lesedauer: 1 Min
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Berlin. Der Regisseur Burhan Qurbani (29), bekannt durch den Berlinale-Beitrag «Shahada», will einen Spielfilm über die Krawalle von Rostock 1992 drehen.

Die Brandnacht hat sich ihm sehr eingeprägt: «Es ist ein Thema, das mich unglaublich wurmt und mich sehr lange beschäftigt hat», sagte Qurbani der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. Er hat demnach ein Jahr in Rostock-Lichtenhagen recherchiert, mit Augenzeugen, Betroffenen und Vertretern aus Polizei und Politik gesprochen.

Ende August 1992 griffen hasserfüllte Jugendliche und Rechtsradikale eine Aufnahmestelle für Asylbewerber an. Die Polizei bekam die Lage erst nach Tagen in den Griff. Die im schließlich brennenden Haus lebenden Vietnamesen flüchteten in Todesangst aufs Dach. Für Entsetzen sorgte, dass so viele Schaulustige die Täter anfeuerten. Die Bilder von den Krawallen am Sonnenblumenhaus gingen um die Welt.

Qurbani, der als Sohn afghanischer Flüchtlinge in Deutschland aufwuchs, war damals zwölf Jahre alt - und fühlte sich zum ersten Mal als Ausländer, wie er sagt. Ursachenforschung betreiben oder Schuld zuweisen - das wollen der Regisseur und sein Autorenkollege Martin Behnke mit dem Film nicht. «Aber wir können ein Sittenbild malen.»

Die Ereignisse in Rostock sind für den Filmemacher stark an die Zeit nach der Wiedervereinigung gebunden, als sich Ernüchterung breitmachte. «Insofern wird es auch ein Wendefilm», so Qurbani. An den Originalschauplätzen könne der Film nicht entstehen, denn Rostock, «eine wirklich hübsche Stadt», sei von Grund auf saniert. Qurbani hofft, dass die Dreharbeiten 2011 beginnen. Der Arbeitstitel: «Wir sind jung, wir sind stark.»

Auch mit Afghanistan, dem Land seiner Eltern, will sich Qurbani befassen. Am Donnerstag läuft aber erst einmal sein Film «Shahada» im Kino an. In der Episodengeschichte geht es um junge Muslime in Berlin. Qurbani hatte es mit seinem Debüt in den Wettbewerb der Berlinale geschafft.

Durch die Debatte um Integration und Thilo Sarrazins umstrittenes Buch ist der Film aktuell geworden. Persönlich getroffen habe ihn die Diskussion nicht, sagte Qurbani, der ein gläubiger Muslim ist. Er findet es schade, wie die Debatte geführt worden sei. Es sei aber wichtig, dass es sie gebe. (dpa)

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