Ostern für die Sinne Abwechslung ist angesagt: Die Film-Highlights im Osterprogramm (Fr., 06., bis Mo., 09.04.)

Das macht Spaß: Das TV-Programm zu Ostern hat diesmal mehr in petto als Kinderfilme, Historienschinken und Kriegsepen. Eine bunte Übersicht.
09.03.2012, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Jasmin Herzog

Das macht Spaß: Das TV-Programm zu Ostern hat diesmal mehr in petto als Kinderfilme, Historienschinken und Kriegsepen. Eine bunte Übersicht.

Bei der Erholung von kräftezehrender Eiersuche oder Verwandtschaftsmarathon steht das Fernsehen hilfreich zur Seite. Und wer sich an den Osterfeiertagen ein bisschen verführen oder entführen lassen möchte, muss sich nicht einmal vom heimischen Sofa wegbewegen. Vom obligatorischen Blockbuster über den Klassiker bis hin zum leisen Independent-Film reicht die Auswahl diesmal. Dabei finden sich neben Augenschmaus und Hörgenuss sogar Schmankerl, die etwas Hirnschmalz erfordern. Die Privaten warten mit zwei großen Free-TV-Premieren zur Primetime auf, aber mitunter lohnt es auch, einen Blick ins Nachmittags- und Nachtprogramm der Sender zu werfen. Wir haben die sinnlichsten Highlights zusammengestellt.

... für die Augen:

Den von bunten Eiern auf leuchtgrünem Kunstgras gebeutelten Sehsinn beruhigt das optische Sahnestück "Sin City" (2005) mit einem Farbschema, das seit "The Artist" wieder en vogue zu sein scheint. Am Karfreitag, um 23.00 Uhr, wiederholt ProSieben die Comicverfilmung, die bis auf wenige Farbkleckse in Schwarz-Weiß gedreht wurde, in der "Recut & Extended"-Version. Das visuell einzigartige Spektakel mit Jessica Alba und Bruce Willis wurde nach einer Vorlage des Autors Frank Miller ("300", "The Spirit") umgesetzt und ist definitiv sehenswert.

Als optisches Spektakel lässt sich auch "Avatar" (2009) durchaus bezeichnen. Klar, die Geschichte ist konventionell, die Charaktere sind grobe Skizzen, und die Handlung ist vorhersehbar. Trotzdem bietet das SciFi-Märchen zweieinhalb Stunden voller Pathos, Kitsch, Action, Romantik und vor allem: Fantasie. RTL zeigt den mit Abstand erfolgreichsten Kinofilm aller Zeiten (2,7 Milliarden US-Dollar Einspielergebnis weltweit) am Ostersonntag, um 20.15 Uhr, in einer Free-TV-Premiere. Der 3D-Hit des Jahres 2009 funktioniert auch in 2D gut.

Tom Hanks und Audrey Tautou als Entdecker prekärer Geheimnisse der Kirchengeschichte? Dabei denkt man zunächst nicht an visuell Höhenflüge, aber das Louvre als Tatort eines Mordes bietet sich geradezu an, in Bildern zu schwelgen. Und das tun die ersten beiden Teile der Dan-Brown-Reihe (Teil drei liegt aktuell auf Eis), "The Da Vinci Code - Sakrileg" (2006) und "Illuminati" (2009), zur Genüge. SAT.1 wiederholt beide Filme am Ostermontag, ab 17.15 Uhr, direkt hintereinander. Ausgangspunkt der Handlung ist der Mord am Museumsdirektor des Louvre, der in den Minuten seines Sterbens sein Ableben auf besondere Weise inszeniert.

... fürs Herz:

Zeit für ein bisschen Herzschmerz und Weltflucht muss an Ostern natürlich auch sein. Und wie ließe sich beides besser verbinden, als mit zwei hinreißenden, jungen Schauspielern vor exotischer Kulisse? In "Jenseits von Afrika" (1985) zeigen Robert Redford und Oscar-Abräumerin Meryl Streep, wie sexy Haarewaschen sein kann und wie man sich vor seufzer-schönen Sonnenuntergängen in die Arme fällt. Das ZDF zeigt den romantischen schwülstigen Klassiker von Regisseur Sidney Pollack am Karfreitag, 14.50 Uhr (Wiederholung um 00.50 Uhr).

Hurra, es gibt auch Heiteres am Karfreitag: SAT.1 zeigt Til Schweigers Komödienfortsetzung "Zweiohrküken" (2009) um 20.15 Uhr. Kindergärtnerin Anna (Nora Tschirner) und der ehemalige Boulevardreporter Ludo (Til Schweiger) führen vor, was passiert, wenn der Alltag in die Beziehung einkehrt. Ein Thema, das selten so charmant, so humorvoll und vor allem so deutsch umgesetzt wurde wie hier.

So gar nicht deutsch, sondern vielmehr "très français" ist "Die Frau des Leuchtturmwärters" (2004), eine kleine Filmperle, die 3sat am Ostermontag, um 18.35 Uhr, wiederholt. Schauplatz ist die Île d'Ouessant, eine winzige Insel vor der bretonischen Küste. Dort findet Camille (Anne Consigny) ein Buch, das sie mitten hineinzieht in ihre eigene Familiengeschichte und mitten ins Jahr 1963. Ein sehr charmanter, verhaltener Film, für den es sich durchaus lohnt, schon am Vorabend einzuschalten.

... für die Ohren:

Sie sind schon etwas vernachlässigt vom Medium des Films: die Ohren. Versöhnlich stimmt das österliche TV-Programm mit zwei Lauschangriffen der äußerst angenehmen Sorte. Das Erste zeigt am Karsamstag, 12.03 Uhr, das berührend nostalgische Drama "Die Kinder des Monsieur Matthieu" (2004), in dem der arbeitslose Musiker Clément Mathieu (Gérard Jugnot) als neuer Erzieher in ein Jungen-Internat kommt und einen Chor etabliert. Regisseur Christophe Barratier erzählt hier von einer einmaligen Zeit im Leben: der Kindheit. Bemerkenswert ist der oktavenstarke Soundtrack, der sich millionenfach verkaufte.

Auch mit "La vie en rose" (2007) bleibt es hörbar französisch. Die wunderbar emotionale Huldigung an Edith Piaf läuft am Ostermontag, um 20.15 Uhr, bei 3sat. Kurz, turbulent und exzessiv war das Leben der Jahrhundertchanteuse, aber sie bereute nichts, und der Chanson, den sie zum Ende ihrer Karriere sang, ist mehr ein Statement als eine Zusammenfassung oder gar eine Entschuldigung. Es ist ein monumentaler Film, den Olivier Dahan aus dem Leben des "Spatzen von Paris" gemacht hat, mit großen Bildern, schwelgerischen Kamerafahrten und großer Detailverliebtheit.

... für den Kopf:

So schön leichtfüßige Unterhaltung - gerade an den Feiertagen - auch ist, manchmal macht es ja auch Spaß, die grauen Zellen ein bisschen zu bemühen. Das geht zum Beispiel mit dem Anti-Kriegsfilm-Klassiker "Full Metal Jacket" (1987) von Regisseur Stanley Kubrick, den RTL II am Ostersonntag, um 00.30 Uhr, wiederholt. Zugegeben: Leichte Kost ist das nicht gerade, was uns der Meister vor 25 Jahren vorgelegt hat. Trotzdem lohnt sich dieser filmische Vorschlaghammer auf jeden Fall, zeigt er doch ein ungeschminktes Bild von der Zerstörung der Menschen, die als Killermaschinen in den Krieg geworfen werden und als seelische Krüppel heimkehren.

Eine Zeitreise unternimmt dagegen das ZDF am späten Ostersonntag, um 00.30 Uhr. Mit "Elizabeth - Das goldene Königreich" (2007) schlug der britisch-indische Regisseur Shekhar Kapur neun Jahre nach "Elizabeth - Die jungfräuliche Königin" das zweite Kapitel der filmischen Biografie auf. Und auch hier heißt es: Hirn einschalten, denn ohne ein paar Überreste aus dem Geschichtsunterricht lässt sich dieses historische Epos nicht voll und ganz genießen. Wie Cate Blanchett den inneren Kampf der starken Frau mit sich und ihren Gefühlen darstellt, ist auch im zweiten Teil von außergewöhnlicher Überzeugungskraft.

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