Begeisterung für die Wundertüte ARD und ZDF stellen ihr Programm zur Fußball-WM in Südafrika vor

ARD und ZDF stellen Personal und Pläne für die Fußball-WM 2010 in Südafrika vor der Presse in Hamburg vor.
23.04.2010, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Eric Leimann

ARD und ZDF stellen Personal und Pläne für die Fußball-WM 2010 in Südafrika vor der Presse in Hamburg vor.

Lange suchte das öffentlich-rechtliche Fernsehen nach einem Saal in Hamburg, der groß genug war, all jene zu fassen, die kommen wollten. Sie landeten schließlich im Frühachtziger-Retro-Ballsaal des Hotel Grand Elysée - passenderweise zum vorübergehenden Flugverbot in der Nähe eines Fernbahnhofs gelegen. Jene Hundertschaften von Journalisten, all die Programmverantwortlichen und Experten von ARD und ZDF, die sich mit 550 Mitarbeitern demnächst nach Südafrika in Bewegung setzen. Die Begeisterung für die erste WM auf afrikanischem Kontinent ist gewaltig. Zu groß, um nur als der übliche PR-Wind abgetan zu werden. Doch warum steht den Fernsehmachern das Abenteuer geradezu safarigleich ins Gesicht geschrieben? Zum einen, weil das schöne und widersprüchliche Land jene, die dort waren, hellauf begeisterte - und auch ein wenig ängstigte. Zum anderen, weil keiner so recht weiß, was von der deutschen Mannschaft zu halten ist. Selten gab es so viel babylonische Vielstimmigkeit, was den kommenden Weltmeister betrifft.

Endspiel-Kommentator Béla Réthy glaubt an ein Finale England gegen Brasilien. Natürlich hört man öfter den Namen Spanien, während andere Experten ihre Angst vor den unberechenbaren Argentiniern unter Maradona sowie humorloser italienischer Effizienz formulieren. Nur ein Titan im Ruhestand denkt an uns. "Ich glaube, dass Deutschland eine gute Chance hat, Weltmeister zu werden," sagt der seit dem Karriereende tiefenentspannte Oliver Kahn auf dem Podium und spendet dem gesamten Auditorium eine Art stille Kraft.

Ohnehin setzt man beim ZDF viel auf Oliver Kahn und Partnerin Katrin Müller-Hohenstein. Vier Trailermotive mit den beiden Primetime-Gallionsfiguren auf Safaritour und ähnlichen landestypischen Momenten wird man demnächst im Mainzer Fernsehprogramm sehen können - ob das nach den ersten Auftritten ein wenig harmlos wirkende Duo an die fachlich-unterhaltende Klasse von Kerner-Klopp-Meier anknüpfen kann, wird sich zeigen.

"Der Fokus wird diesmal mehr auf dem Fußball liegen", prophezeit ARD-Kommentator Gerhard Delling und spielt damit auf die im Vorfeld viel diskutierte Sicherheitslage in Südafrika an. ARD und ZDF beschäftigen eine eigene Security. Ein großes Sendezentrum mit Public Viewing, wie es das ZDF seit 1996 in England regelmäßig errichten ließ, fehlt im Angebot. Das tobende Publikum am Potsdamer Platz oder an der Seebühne in Bregenz - diesmal kommen die Moderationen vom International Braodcasting Center (IBC) aus Johannesburg. Hier nutzen ARD und ZDF komplett eine gemeinsame Technik, was den Gebührenzahler entlasten soll. 55 von 64 Spielen sind zwischen der Eröffnungspartie Südafrika gegen Mexiko am 11. Juni und dem Endspiel am 11. Juli in ARD und ZDF zu sehen. Die restlichen neun Partien sicherte sich der Privatsender RTL.

Was das Personal betrifft, gab es wenig Überraschendes zu verkünden. Die ARD bringt dem Zuschauer seine Spiele aus dem Munde von Chefkommentator Tom Bartels sowie Steffen Simon und Gerd Gottlob nahe. Vor der Kamera verabschiedet sich nach 13 Jahren zuletzt etwas routiniert abgespulter Grantelei das Duo Netzer-Delling, um von den Nachfolgern Beckmann oder Delling und Mehmet Scholl bereits vor Ort ergänzt und später abgelöst zu werden. "Waldis WM-Club" soll jeden Sendetag mit einer 30-Minuten-Sendung beschließen, für Reportagen abseits des Fußballs sind Franziska van Almsick sowie Südafrikaexpertin und Profitänzerin "Motsi" Mabuse ("Let's Dance") im Lande unterwegs.

Das ZDF setzt am Mikrofon auf die erfahrene Kraft von Béla Réthy, auf Thomas Wark, Wolf-Dieter Poschmann und - immerhin - "Neuling" Oliver Schmidt, erst seit 2007 im Länderspieleinsatz. Rudi Cerne wird ebenfalls Spiele moderieren, Michael Steinbrecher vor allem aus dem deutschen Lager berichten. Während Urs Meier als Regelexperte Pfeife bei Fuß steht, bauen die Mainzer als Landesexpertin auf Jo-Ann Strauss - Model, TV-Moderatorin und ehemalige Miss Südafrika.

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