Patt an der Spitze

ARD, ZDF und RTL liegen in der Jahresquotenbilanz fast gleich auf

Ohne sportliche Großereignisse büßen ARD und ZDF Jahresmarktanteile ein. RTL zeigt sich wiedererstarkt und punktet vor allem mit einem zurückgekehrten Boxhelden.
01.01.2010, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Jens Szameit

Ohne sportliche Großereignisse büßen ARD und ZDF Jahresmarktanteile ein. RTL zeigt sich wiedererstarkt und punktet vor allem mit einem zurückgekehrten Boxhelden.

Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika, Olympische Winterspiele in Vancouver, Schumi zurück in der Formel 1: Das kommende Jahr steckt voller Quotenpotenzial - aber eben erst das kommende. Jahre ohne sportliche Großereignisse wie 2009 bedeuten vor allem fürs öffentlich-rechtliche Fernsehen oft Saure-Gurken-Zeit. Da verwundert es nicht, dass ARD und ZDF in der Jahresquotenbilanz ihren komfortablen Vorsprung vor der Speerspitze der privaten Konkurrenz fast vollständig eingebüßt haben. ARD, ZDF und RTL liegen mit ihren Jahresmarktanteilen 2009 fast gleich auf. Die herausragenden Quotenhits: natürlich Sportübertragungen.

Auf nur noch 12,7 Prozent Jahresmarktanteil brachte es das Erste Deutsche Fernsehen in den zurückliegenden zwölf Monaten (berechnet wurde ein vorläufiger Zeitraum bis einschließlich 27.12.) - ein sattes Minus von 0,7 Prozent. Das ZDF verschlechterte sich von 13,1 auf 12,5 Prozent Marktanteil und belegt im Jahresranking mit RTL den gemeinsamen zweiten Platz. Die Kölner zeigten sich nach dem Krisenjahr 2008 wiedererstarkt und erreichten das identische Niveau von 2007.

Sowohl RTL als auch das ZDF trafen mit Sportübertragungen auf die größte Resonanz. Das Fußball-WM-Qualifikationsspiel zwischen Russland und Deutschland am 10. Oktober schalteten im Zweiten 12,46 Millionen Zuschauer ein. Mit einem Marktanteil von 55,6 Prozent führt die Live-Übertragung die Liste der meistgesehenen Sendungen im Jahr 2009 an. RTL belegt mit zwei Vitali-Klitschko-Boxkämpfen - gegen Kevin Johnson (11,18 Millionen Zuschauer) sowie gegen Juan Carlos Gomez (10,86 Millionen Zuschauer) - die Ränge drei und vier.

Die zweiterfolgreichste Sendung 2009 war die erste "Wetten, dass ..?"-Ausgabe nach der Sommerpause am 3. Oktober mit 11,31 Millionen Zuschauern. Nur ein einziger Spielfilm schaffte es in die Top 100 des abgelaufenen Jahres: 7,88 Millionen Menschen sahen zum Jahresbeginn "Harry Potter und der Feuerkelch" - ebenfalls im Zweiten. Das Erste punktete vor allem mit der "Tatort"-Reihe. Quotenkönig war hier die Münster-Episode "Tempelräuber" vom 25. Oktober, die mit 9,86 Millionen Zusehern denkbar knapp an der magischen Zehn-Millionen-Marke scheiterte.

Abgeschlagen hinter den großen drei rangiert SAT.1 in der Jahresbilanz auf dem vierten Platz. Trotz spektakulärer Personalien (Johannes B. Kerner, Oliver Pocher) verschlechterte sich der nach München umgezogene Sender leicht auf 10,3 Prozent Jahresmarktanteil. ProSieben (6,6 Prozent) und vox (5,4 Prozent) bestätigten die Ergebnisse vom Vorjahr. kabel eins verbesserte sich vor allem dank seines erfolgreichen Nachmittagsprogramms auf respektable 3,9 Prozent Marktanteil und liegt nun auf Augenhöhe mit der nur leicht erstarkten Konkurrenz von RTL II.

Verlierer des Fernsehjahres waren die Dritten Programme der ARD, die zusammengerechnet 1,7 Prozent Marktanteil einbüßten und bei insgesamt 13,5 Prozent im Jahresdurchschnitt liegen. Dagegen verzeichnete der öffentlich-rechtliche Dokumentationskanal Phoenix mit 1,0 Prozent Marktanteil ein neues Rekordergebnis. Auch die private Nachrichtenkonkurrenz N24 blickt auf erfreuliche Zahlen. Mit 1,4 Prozent kann das Spartenprogramm der ProSiebenSat.1-Gruppe in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen auf seine Marktführerschaft verweisen und liefert so gute Gründe gegen den von der Konzernspitze angedachten Nachrichtenkahlschlag.

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