Staubig war gestern ARTE stellt seine Pläne für das Jahr 2011 vor

Der deutsch-französische Kultursender ARTE setzt immer mehr auf eine junge Aufbereitung seines anspruchsvollen Themenkatalogs - im Fernsehprogramm und verstärkt bei seinen Internetaktivitäten.
12.11.2010, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Eric Leimann

Der deutsch-französische Kultursender ARTE setzt immer mehr auf eine junge Aufbereitung seines anspruchsvollen Themenkatalogs - im Fernsehprogramm und verstärkt bei seinen Internetaktivitäten.

Das deutsch-französische Kulturprogramm ARTE arbeitet wie kein anderer öffentlich-rechtlicher Sender an der Zukunft des Fernsehens. Die findet bekanntlich im Netz statt. Immer mehr als interaktives Projekt zwischen User und Programm-Macher. Die im Februar 2011 startende Kunstplattform "Arte Creative" ist nur ein Beispiel dafür. Auch beim traditionellen Fernsehen denken die Straßburger oft kreativer als die "staatstragenden" und dennoch in ihrer Zuschauer-Struktur immer älter werdenden Sender ARD und ZDF.

Hamburg, 8. November 2010. Wer als Journalist in eine Programmpräsentation von ARTE gerät, hat seit einigen Jahren nicht mehr das Gefühl, einem politisch steifen Projekt der Völkerverständigung beizuwohnen. Nein, jene Trailer, die das Programm der ersten Jahreshälfte 2011 ins rechte Licht rücken sollen, beginnen mit schroffen Rock'n'Roll-Gitarren, die eine Dokumentation über Kate Moss anfeuern ("Kate! - Vom Model zur Ikone", Ausstrahlung: Februar oder März). Es folgen eine Anthologie über die Kulturgeschichte des Busens ("Kult um den Busen", Do., 10.02., 21.55 Uhr), ein Dokumentarfilm über den globalen Siegeszug des HipHop ("HipHop - The World Is Yours", Do., 10.03., 22.00 Uhr) und die spektakulären Bilder einer Naturdokumentation über das furchtlose Tauchen mit Weißen Haien.

Selbst ein vermeintlich trockenes Thema wie der 200. Todestag des Dichters Heinrich von Kleist schafft es in den Trailer. In "Die Akte Kleist" (Mo., 28.03., 21.55 Uhr) wird der Selbstmord des damals 34-Jährigen als mysteriöses Krimi-Dokuspiel inszeniert, das die Geschichte des Kults um Kleist aufklären helfen soll. Klar ist: ARTE sucht nach anderen Wegen, anspruchsvolles Programm unter die Leute zu bringen als ARD und ZDF. Die senden Originelles gern ab 23 Uhr oder gleich über einen eigenen Digitalkanal. Mit Ideen wie den popkulturell aufgeladenen "Summer of ..."-Sendestrecken findet Musik und junge Zeitgeschichte bei ARTE hingegen zur Primetime statt. Nach den 60-ern, 70-ern und 80-ern folgt im Juli und August 2011 "Summer Of Girls", eine spezifisch weibliche Betrachtung der Popgeschichte.

Auch wenn das Programm weit von Straßenfegerquoten entfernt ist, mit einem Primetime-Marktanteil von 0,94 Prozent im letzten Jahr freute sich ARTE über den besten Wert in der Geschichte des Senders. Der sieht seine Zukunft verstärkt im Internet und bei jenen Hybridsystemen zwischen Fernseher und Computer, denen irgendwann die Zukunft gehören soll. Bereits jetzt sind viele neidisch auf das Webangebot von ARTE. Dienstleistungen wie "ARTE + 7", die das Programm zu großen Teilen sieben Tage lang im Netz zur Verfügung stellen, erfreuen sich steigender Beliebtheit. "Waren es vor einem Jahr noch 1,8 Millionen Nutzer pro Monat", rechnete Programmdirektor Christoph Hauser vor, "wollen mittlerweile schon 2,4 Millionen das ARTE-Angebot im Netz sehen".

Mit der neuen Plattform ARTE-Creative will der Sender ab Februar ein besonders ambitioniertes Web-Projekt starten. In Zusammenarbeit mit vielen renommierten Museen und Kunsthochschulen soll die Seite zum wichtigsten europäischen Treffpunkt für visuelle Kunst im Internet werden. Im Gegensatz zu Youtube und Co. gibt es hier allerdings redaktionell geleitetes Mitmach-Kunst-Internet für Profis, Amateure und Fans, die sich selbstverständlich alle multimedial miteinander austauschen sollen.

Fernsehen gibt es bei ARTE aber auch weiterhin. So zum Beispiel einige der bei Koproduktionen üblichen Free-TV-Premieren bedeutender Fernseh- oder Kinofilme. Eine der ersten des Jahres dürfte "Das Fremde in mir" am Freitag, 14.01., 20.15 Uhr, sein. Das vielfach ausgezeichnete Drama mit Johann von Bülow und Susanne Wolf in den Hauptrollen erzählt von einer jungen Mutter, die sich nicht wie erwartet über die Geburt ihres Babys freuen kann. Die Dokumentation über das Tabuthema Wochenbett-Depression schließt sich an. Ebenfalls zuerst bei ARTE zu sehen: Der nostalgische Fußball-Fan-Film "66/67 - Fairplay war gestern" mit Hinnerk Schönemann über die einzige deutsche Meisterschaft von Eintracht Braunschweig 1967 (Sa., 29.01, 22 Uhr), neue Folgen von Kenneth Branaghs Wallander-Version (freitags, 04. bis 18.02., 20.15 Uhr) oder auch der Lars Becker-Thriller "Amigo - Bei Anruf Tod" (Fr., 11.03., 20.15 Uhr) mit David Fitz und Jürgen Prochnow. Auch das mit zwei Silbernen Berlinale-Bären bedachte grandiose Beziehungs-Drama "Alle Anderen" kann man zum ersten Mal bei ARTE begutachten - am Donnerstag, 31.03., um 20.15 Uhr.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+