Weil's Spaß macht Das Team der "Rosenheim-Cops" ist auch nach 250 Folgen wie eine große Familie

Gute Stimmung am Set der "Rosenheim-Cops": Die Hauptdarsteller der ZDF-Serie gehen gern zur Arbeit - und das merkt man.
11.05.2012, 00:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Teresa Groß

Gute Stimmung am Set der "Rosenheim-Cops": Die Hauptdarsteller der ZDF-Serie gehen gern zur Arbeit - und das merkt man.

"Hier rüber!", "Mehr nach links!", "Und jetzt ein bisserl eindrehen!" - Die hungrige Fotografen-Meute beim ZDF-Pressetermin ist angespannt. Zu hell strahlt die Sonne an diesem herrlichen Frühlingstag am Ammersee bei München. Den Fotos droht die Überbelichtung. Für eine Jubiläumsaktion der ZDF-Serie "Rosenheim-Cops" (dienstags, 19.25 Uhr) haben sich die Hauptdarsteller zwischen unzähligen weißen und blauen Luftballons platziert, die sie mit Enthusiasmus in die Lüfte steigen lassen. Was zwischen den Blitzlicht-Intervallen passiert, ist charakteristisch für die erfolgreiche Vorabend-Serie: Es wird gekabbelt, geflachst, mit Passanten geplaudert und viel gelacht. Ist die gute Chemie am Set bloße PR-Strategie oder steckt mehr dahinter?

Max Müller, der den stets pflichtbewussten Polizist Michael "Michi" Mohr spielt, kann sich im Durcheinander der Fotografen-Kommandos eine schnippische Bemerkung nicht verkneifen: "Mei, seids ihr g'scheit", spottet der gebürtige Wiener gespielt enerviert. Bei dem schallenden Lachen, mit dem er seinen Einwurf entschärft, würde man ihm aber noch ganz andere Spitzen verzeihen. Der Erfolg der Serie liegt für den 47-Jährigen in meheren Dingen begründet: "Die schöne Landschaft, die bayerische Lebensart, wunderbare Schauspieler und Regisseure, die dieses Stück Vorabendunterhaltung sehr ernstnehmen." Aber auch das Stichwort "Entschleunigung" findet er passend: "Wir geben allen, die das wollen, etwas Verlässliches, ein Stück zu Hause, ein wenig Identität."

Anlässlich der 250. Folge "Rosenheim-Cops", die voraussichtlich im Herbst ausgestrahlt wird, startete das ZDF an diesem Tag eine ganz besondere Aktion für die Fans der Krimiserie: 250 weiße und blaue Luftballons mit Gewinnpostkarten gehen auf die Reise. Dem Finder des Ballons, der den weitesten Luftweg zurückgelegt hat, winkt eine Statistenrolle bei den "Rosenehim-Cops".

Für die Schauspieler vor Ort bedeutet das vor allem eines: Stress. In einer Drehpause posieren die Fünf, geben schnelle Interviews im Stehen und rufen sich zwischendurch Ansagen zu ("Wir fahr'n gleich alle z'amm heim!"). Einzig Igor Jeftic gesteht: "Fotos machen liegt mir nicht besonders, das ist mir zu statisch. Ganz anders als das Spielen, da ist man immer in Bewegung und kann auch spontan sein." Der 40-Jährige spielt bei den "Cops" seit 2008 den Hamburger Kommissar Sven Hansen. Als den ewig Neuen könnte man Hansen bezeichnen, den Querschläger, der mit seiner nordischen Art die Schrulligkeit seiner bayerischen Kollegen entlarvt. Als hätte die Rolle auf ihn abgefärbt, steht Jeftic in einem gut sitzenden, grauen Anzug abseits von den anderen und schaut etwas skeptisch auf die Szenerie. Oder ist es nur das gleißende Sonnenlicht, das ihn blendet?

An seinen Start bei den "Rosenheim-Cops" erinnert sich Jeftic noch gut. "Klar, am Anfang war das komisch: Alle kannten sich schon ewig und konnten total gut miteinander. Und dann kam ich dazu. Ich brauche für gewöhnlich eine Weile, um mit neuen Leuten warm zu werden, aber alle haben es mir sehr leicht gemacht." Am besten gefällt dem akzentfreien Schwaben, dass er sich bei den "Cops" einbringen kann, dass Vorschläge angenommen werden und auch Platz für Unvorhergesehenes und Improvisation bleibt.

"Vieles ensteht aus der Szene heraus", beschreibt Jeftic die Arbeit am Set. "Man veräppelt sich auch mal vor laufender Kamera, selbst wenn das nicht so im Drehbuch steht. Das fließt dann trotzdem mit ein." Den Beweis gibt es prompt von Kollegin Karin Thaler, die im Vorbeigehen lachend kokettiert: "Der Igor ist schon ein Schnittchen!"

Trotz traditionell angehauchtem Kostüm sieht die 46-jährige Karin Thaler ein wenig aus wie eine deutsche Catherine Deneuve. Sehr ladylike raucht sie im Schatten und spricht bedacht und souverän. Bereits seit zwölf Jahren spielt die gebürtige Deggendorferin die Schwester des Kriminalhauptkommissars, Marie Hofer. Die Arbeit bei den "Cops" füllt beinahe ihr ganzes Jahr aus, von März bis November wird gedreht. Trotzdem schafft es Thaler zeitlich noch, bei den "Heiter bis tödlich"-Kommissaren Hubert und Staller (ARD) eine Pathologin zu spielen. Zu ihrem Serienbruder Joseph Hannesschläger, in der Serie Kriminalhauptkommissar Korbinian Hofer, habe sie eine besonders enge Beziehung, erklärt die lebhafte Blondine, die sich nachpudern lassen muss, weil sie eben etwas zu eng mit Hannesschläger posierte.

Die Sympathie beruht auf Gegenseitigkeit: "In privaten SMS spreche ich sie mit 'Schwesterchen' oder 'Schwesterherz' an", sagt Joseph Hannesschläger über seine Kollegin. "Das entwickelt sich nach gemeinsamen zwölf Jahren vor der Kamera einfach so." Die familiäre Stimmung am Set übertrage sich aber auch auf andere Teammitglieder: "Manche Visagisten oder Beleuchter sind schon dabei, seit sie Teenager sind. Das ist schon sehr schön", schwärmt Hannesschläger, der im Juni sein 50. Lebensjahr vollendet.

Bei einem Thema blüht der Mann mit der Barry-White-Stimme besonders auf: seine Band Discotrain. Seit 1998 spielt die bunte Truppe Hits der 70er-Jahre, Hannesschläger ist für Ansagen, Percussion und Gesang zuständig. "Außerdem singen da drei hübsche Mädels mit", lacht der Bayer, der um Komplimente nicht verlegen ist. Stolz zeigt er ein Foto von sich und seinen Band-Kollegen in voller Disko-Montur und gibt gleich eine Kostprobe seiner Ansager-Qualitäten: "My name is Chief Joseph, some call me the godfather of disco but I simply will be your host tonight ..."

Bei den "Cops" durfte Hannesschläger sein musikalisches Talent aber erst einmal unter Beweis stellen. "Es gab eine Folge, in der der Hofer bei einem Klassentreffen 'In The Summertime' und 'Island In The Sun' singt." Leider sei das sein einziger Auftritt bei den "Cops" geblieben, bedauert der Vollblutmusiker. Gut, dass er da noch sein Solo-Projekt in der Hinterhand hat, bei dem er eigene Ideen verwirklichen kann. Gesungen wird - selbstverständlich - auf Bayerisch.

Genau wie Joseph Hannesschläger ist auch die quirlige Marisa Burger seit Anbeginn dabei. Sie spielt die Rolle der naseweißen Sekretärin Miriam Stockl. Ob die Dauer-Single-Frau Stockl in der Jubiläumsfolge endlich ihren Traummann findet? "Dann wäre ja die Luft raus", lacht Burger, und ihre wasserblauen Augen strahlen. Sie ist stark, aber perfekt geschminkt, spricht schnell und gestikuliert viel. Mit ihren Kolleginnen Diana Staehly, Karin Thaler und den Maskenbildnerinnen verbindet sie eine gute Freundschaft, wie sie sagt: "Da trifft man sich auch mal privat auf ein Glaserl und geht auch mal zusammen tanzen." Im Münchner Stadtteil Schwabing, wo die 38-Jährige wohnt, gibt es dazu jedenfalls genug Gelegenheiten.

Statt Krimis schaut Marisa Burger im Fernsehen lieber Sport - Fußball natürlich. Dass sie für den FC Bayern jubelt, mag man an dieser Stelle klischeehaft finden, aber Klischees haben durchaus ihre Berechtigung, findet Burger. Das gilt auch für die "Rosenheim-Cops": "Man darf doch mit Klischees spielen, und bei uns fällt das ja immer sehr dezent aus." Typisch Bayerisch sei die Serie auf jeden Fall, ist die Münchnerin überzeugt. Es fällt ihr allerdings schwer, zu beschreiben, was das genau bedeutet. Der gute Draht, den die Darsteller untereinander haben, könnte schon eher erklären, warum sich das Format seit so vielen Jahren im ZDF-Programm hält.

Den Schlussatz des Tages spricht Karin Thaler, nachdem alle Fotos im Kasten und alle Interviews geführt sind: "Wo bleibt jetzt das Feierabend-Bier?!" Und man glaubt es jetzt ohne Weiteres, dass die Darsteller diesen Tag gemeinsam und mit einem kühlen Blonden ausklingen lassen.

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