Herrenhäuser über Cornwall-Klippen Das ZDF sendet die 100. Pilcher-Verfilmung (Sonntag, 02.10., 20.15 Uhr)

Seit Oktober 1993 sind die romantischen Pilcher-Filme ein fester Bestandteil im ZDF-Programm. Die 100. Ausgabe (02.10., 20.15 Uhr) heißt "Der gestohlene Sommer".
13.09.2011, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Wilfried Geldner

Seit Oktober 1993 sind die romantischen Pilcher-Filme ein fester Bestandteil im ZDF-Programm. Die 100. Ausgabe (02.10., 20.15 Uhr) heißt "Der gestohlene Sommer".

Der Sensationserfolg schlechthin liegt schon eine Weile zurück: Mit der Pilcher-Romanze "Ruf der Vergangenheit", dem 36. Pilcher-Film, schlug das ZDF doch vor elf Jahren tatsächlich "Schimi" Schimanski nach Quoten, blieb Sieger über den Programm-Todfeind "Tatort" - mit 7,1 zu 6,1 Millionen. Nun läuft, man mag es gar nicht glauben, am Sonntag, 2. Oktober, 20.15 Uhr, unter dem Titel "Der gestohlene Sommer" bereits der 100. Pilcher-Film im ZDF. Und wenn es neuerdings auch keine Romanverfilmungen mehr sind, sondern nur noch verfilmte "Kurzgeschichten" der Autorin: Der Zweck heiligt die Mittel, die treue (Frauen-) Gemeinde ist noch immer groß, wenn am Sonntagabend im Zweiten der Herzschmerz auf Cornwalls Herrensitzen regiert. Rund sechs Millionen treue Fans versammeln sich da allemal.

Man darf sich also von der Story des 100. Pilcher-Films "Der gestohlene Sommer" nicht ins Bockshorn jagen lassen: Gleich zu Beginn grüßt da der unermüdliche Romanzenprotagonist Helmut Zierl seine Lieben per selbstgedrehtem Video. Einerseits ein Hirntumor, andererseits die Sorge um die Zurückgelassenen treiben ihn dazu an. Zierls Testament als "erfolgreichster Schiffsmakler Cornwalls" und damit unweigerlicher Besitzer eines prachtvollen Herrenhauses über den Klippen Cornwalls erfüllt sich am Ende eindrucksvoll: "Und wenn es einen Himmel gibt, dann sehen wir uns darin wieder", sagt die Zierl-Stimme den Hinterbliebenen, während das hauseigene Segelboot auf gekräuselter See dem Horizont entgegenschwebt. Sailing, we are sailing cross the sea ...

Mithin könnte man meinen, man wohnte hier dem letzten aller Pilcher-Filme bei. Doch weit gefehlt. Schon werden wieder sechs neue gedreht. Das ZDF weiß, was man an seinem Pilcher-Label hat. "Mit dem Zweiten fühlt man besser", dichtete schon vor Jahren der Pilcher-Entdecker und Unterhaltungsredaktionsleiter Claus Beling. Er weitete alsbald das Romatik-Genre "Sonntagsfilm" auf alle Wochenenden aus.

Mit "modernen Frauenstoffen", "romantischen Komödien" und Pilcher "in glanzvoller Besetzung" wollte Beling am Sonntagabend auf dem Schirm eine Atmosphäre schaffen, "die das Grau verdrängen" kann. Hierzu hat der Sender immer wieder umfangreiche Literatur-Rechte erworben, bis hin zu Emilie Richards und Katie Fforde.

Pilcher-Verfilmungen gehören laut Beling "zum besten Investment, das ein Sender machen kann". Mindestens 70 Prozent der Filme wurden nach kurzer Zeit mehrfach wiederholt und erzielten dabei auch im Sommer noch hohe Quoten. Selbst bei heißestem Wetter und Fußball erreichte keiner der Filme unter fünf Millionen. Die Pilcher-Movies wurden darüber hinaus in über 20 Länder verkauft.

Dass man sich bei den Filmen aber auf steile Cornwall-Klippen und opulente Herrensitze alleine nicht verlassen darf, weiß der vielfache Pilcher-Inszenator Dieter Kehler: "Man muss sie ernst nehmen und darf nicht sagen: Es ist nur eine Schmonzette", so glaubt er. "Sicher sind die Geschichten ähnlich strukturiert mit einem Happy End, doch der Weg dahin, bis alles sich zum Guten wendet, der kann interessant oder langweilig sein." Pilcher müsse man "fast wie Shakespeare" behandeln: "Wenn man anfängt, sie zu modernisieren, wirken sie schnell lächerlich."

Pilcher selbst, 1,70 Meter große Raucherin und am 22. September das 87. Lebensjahr vollendend, ist seit längerem im Autoren-Ruhestand. Die Großmutter von 15 Enkeln und ehemals Royal-Navy-Mitglied ist seit 2002 "Officer of the Order of the British Empire" und will inzwischen "nur noch Einkaufszettel" schreiben. Gerne erinnert sich die mit Witz begabte Lady an die erste ZDF-Verfilmung, "Stürmische Begegnung" von 1993. Nicht ohne freilich hinzuzufügen, dass es bis zum Start "ein sehr langsamer Prozess" gewesen sei. Umso mehr freut sie sich nun, die stets die Finger vom Drehbuchschreiben ließ und ihre Bücher selbst als "leichte Lektüre für intelligente Damen" bezeichnet hat, nun über "ihren" 100. Film. "Das ist wunderbar", so jubelt sie, "Ich bin richtig stolz und finde, das ist ein Grund zum Feiern."

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