Wenn sie Dir begegnen, musst Du sie auch sehn Das ZDF widmet der "Macht der Wunder" eine Sendereihe (ab Dienstag, 26.10., 20.15 Uhr)

Wunder oder Trickserei, Glaube oder Hysterie? Die ZDF-Dokureihe "Macht der Wunder - Geheimnisse des Vatikans" mag sich nicht entscheiden.
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Von Sabine Metzger

Wunder oder Trickserei, Glaube oder Hysterie? Die ZDF-Dokureihe "Macht der Wunder - Geheimnisse des Vatikans" mag sich nicht entscheiden.

Wunder gibt es immer wieder - in Medjugorje sogar ganz regelmäßig. Am zweiten Tag jedes Monats erscheint die Muttergottes der Seherin Mirjana; bei den festgelegten Terminen richtet sie sich sogar nach Winter- und Sommerzeit. Scharenweise strömen dann die Pilger in das Städtchen in Bosnien-Herzegowina, um eine brandneue Botschaft aus dem Himmel zu empfangen. Der Vatikan dagegen sieht das fromme Treiben gar nicht gern. Wieso eigentlich nicht? Und wieso glauben so viele Menschen daran, dass eine Blondine mittleren Alters den direkten Draht nach oben hat? Hat sie ihn vielleicht sogar wirklich? Diesen und weiteren Fragen gehen Volker Schmidt-Sondermann und Peter Sydow in ihrer Dokumentationsreihe "Macht der Wunder - Die Geheimnisse des Vatikans" nach. Drei Dienstagabende (ab dem 26.10., jeweils um 20.15 Uhr) stellt das ZDF dem Übernatürlichen zur Verfügung.

Für ihre Dokumentation konzentrierten sich Sydow und Schmidt-Sondermann auf die katholische Kirche. Hier spielen im Vergleich mit anderen Religionen Wunder die größte und wichtigste Rolle. Die Filmemacher reisten weit. Sie besuchten die Karibikinsel St. Lucia, wo Papst Johannes Paul II in den 80er-Jahren eine Wunderheilung vollbracht haben soll, sprachen in Bosnien-Herzegowina mit der Seherin Mirjana und machten - natürlich - auch im Vatikan Station. Der verhielt sich übrigens entgegen seinem üblichen Image. Produzent Rainer Jahreis berichtet: "Da war eine ganz andere Offenheit, als ich erwartet hätte." Unter anderem stand dem Filmteam mit Kardinal William Joseph Levada der Präfekt der Glaubenskongregation und einer der mächtigsten Männer im Vatikan Rede und Antwort.

Die Dokumentation zeigt, mit welch bürokratischen und wissenschaftlichen Methoden die Mitarbeiter des Heiligen Stuhls dem vermeintlich Wunderbaren zu Leibe rücken. Weinende Statuen etwa werden geröntgt, um verborgene Wasserleitungen ausschließen zu können, oder auf chemische Rückstände untersucht. Und eine Wunderheilung muss ganz bestimmte Kriterien erfüllen, um als solche zu gelten: Es muss eine schwere Krankheit sein, die auf wundersame - also unerklärliche - Weise spontan geheilt wird. Diese Heilung muss bleibend sein, alternative Therapien müssen ausgeschlossen werden.

Genau das gilt für den Fall des heute 25-jährigen Kevin, der im ersten Teil der Dokumentation vorgestellt wird. Er war gerade einmal 18 Monate alt, als der Papst auf die Karibikinsel St. Lucia kam. Der segnete bei einem Gottesdienst das kranke Kind, das von den Ärzten längst aufgegeben worden war. Nur Stunden darauf begann Kevin, sich zu erholen; heute ist er längst völlig gesund. Keine Selbstverständlichkeit: "Ich glaube nicht, dass ich noch leben würde", erklärt er dem Filmteam. "Und deshalb bin ich dem Papst so unendlich dankbar, dass er nach St. Lucia gekommen ist und mich geheilt hat."

Aber nicht nur Wundergläubige werden in den Filmen präsentiert, sondern auch allerhand Verfechter der Vernunft, die hinter vermeintlichen Offenbarungen eher Betrug sehen. Der Chemieprofessor Luigi Garlaschelli etwa zeigt, wie man mit relativ einfachen Mitteln und ein wenig handwerklichem Geschick ein "Selfmade-Wunder" herstellen kann: eine weinende Madonna zum Beispiel.

Zu den Skeptikern, die in den Dokumentationen zu Wort kommen, gehört auch der Journalist Marco Politi. Ein Grund für seine Zweifel ist etwa die Tatsache, dass der eigentlich doch ewige, zeitlose Gott meist ziemlich zeitgemäße Wege findet, sich den Menschen zu offenbaren. "Der Wunderglaube modernisiert sich", erklärt der Vatikanexperte bei einem Pressetermin des ZDF und berichtet von einem Mann, der behauptet, die Madonna sei ihm auf einem Parkplatz erschienen. Dann muss er schmunzeln. "Das Wunder ist, wenn man einen Parkplatz findet!" Doch auch wenn er fest im Diesseits verankert ist, schätzt Politi die Bedeutung des Wunderglaubens für die Kirche sehr hoch ein: "Ohne Zweifel ist die Geschichte des katholischen Glaubens ohne Wunder nicht denkbar. Sie sind Bestandteil der Kultur und des Gefühls des Katholizismus."

Auch heute noch hat dieser Glaube Bestand, wie Filmemacher Volker Schmidt-Sondermann bei den Dreharbeiten erfuhr: "Man ist wahnsinnig erstaunt, dass zu einem Ort wie Medjugorje 50 Millionen Menschen hingepilgert sind." Die Gründe vermutet er in der heutigen Gesellschaft. "Dieser Glaube ist eine Antwort auf die technisierte Welt. Es gibt den Wunsch, dass noch etwas anderes die Welt zusammenhält, eine Art Parallelwelt vielleicht."

Die Sendtermine:

Dienstag, 26.10., 20.15 Uhr: "Wenn Madonnen weinen"

Dienstag, 02.11., 20.15 Uhr: "Wenn Todgeweihte auferstehen"

Dienstag, 09.11., 20.15 Uhr: "Wer mit dem Teufel kämpft"

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