Eventfernsehen dank Papst-PR Der österliche Zweiteiler "Augustinus" (04.04., 16.25 Uhr, und 05.04., 16.05 Uhr, ARD) geht auf eine Idee Papst Benedikts zurück

Die deutsch-italienische Koproduktion "Augustinus" sucht den Spagat zwischen historischem Event-Movie und Philosophiefernsehen - mit päpstlichem Segen.
22.01.2010, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Eric Leimann

Die deutsch-italienische Koproduktion "Augustinus" sucht den Spagat zwischen historischem Event-Movie und Philosophiefernsehen - mit päpstlichem Segen.

Pressemappen zu Eventfilmen mit einem persönlichen Empfehlungsschreiben des Papstes bekommt man nicht jeden Tag. Auch dass die erste Vorführung eines solchen Streifens in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo stattfindet, ist in der Tat ungewöhnlich. Ja, es ist tatsächlich wahr - der zehn Millionen Euro teure Event-Zweiteiler "Augustinus" (04.04., 16.25 Uhr, und 05.04., 16.05 Uhr, ARD) geht auf eine Anregung von Papst Benedikt XVI. zurück. Während eines Interviews 2006 im Vorfeld des Papstbesuches in Deutschland gestand der gebürtige Bayer Joseph Ratzinger BR-Fernsehdirektor Gerhard Fuchs seine Liebe zum Film und regte inspirativ zu möglichen Verfilmungen großer Kirchengestalten an - wie zum Beispiel der des Augustinus, dem erklärten Lieblingstheologen des Papstes. Doch ist es möglich, aus einem Kirchenvater und Philosophen an der Schwelle zwischen Antike und Neuzeit einen sexy Film fürs große Publikum zu machen?

Über Augustinus, der 354 im zerfallenden Römischen Reich zur Welt kam und 430 als Bischof der von Vandalen gestürmten Stadt Hippo (heute Algerien) zu Tode kam, existieren etwa 20.000 Biografien - jedoch keine filmische. Dabei liefert das Leben des wohl größten Denkers seiner Zeit durchaus Ansätze für eine dramaturgische Aufbereitung.

Augustinus, der als Sohn eines kleinen Landeigentümers im heute algerischen Thagaste geboren wurde, war ein ausschweifender Lebemann, er hatte ein uneheliches Kind mit einer Sklavin und suchte in seinem ersten Leben als brillanter Redner vor allem die Befriedigung der eigenen Eitelkeit. Heute würde man sagen, er war ein erfolgsgeiler Karrierist. Dabei suchte der Autor der ersten Autobiografie der Literaturgeschichte ("Konfessionen") auch immer nach etwas, das später ein zentraler Punkt seiner Philosophie werden sollte: nach der Wahrheit.

"Natürlich könnten religiöse und philosophische Themen bei der Aufbereitung zur Fernseh-Fiktion erst einmal ein wenig sperrig wirken", sagt Bettina Ricklefs, die beim BR das Projekt neben Michael Mandlik und Hubert von Spreti betreute. "Doch allein das Leben des Augustinus vom Lebemann zum prägenden Denker ist derart spannend, und vieles, was ihn bewegte, erscheint auf erstaunliche Weise höchst aktuell."

Die Koproduktion von BR, der italienischen RAI und polnischen Partnern, mit Franco Nero, Alessandro Preziosi, Johannes Brandrup, Sebastian Ströbel und Götz Otto in den Hauptrollen, sucht den Spagat zwischen publikumswirksamem Sandalenfilm und philosophisch-theologischem Disput. Der Zweiteiler spielt in vier Städten: Thagaste, Hippo, Karthago und Mailand. Alle historischen Orte wurden auf einem Studiogelände in Tunesien in Szene gesetzt. Dafür entstand eine ganze antike Stadt, 2.000 Kostüme wurden neu angefertigt.

Unter der Regie des Kanadiers Christian Duguay ("Coco Chanel") scheint das Leben des heiligen Augustinus tragisch zu enden: Die Welt, für die und in der er gelebt hat, wird zerstört. Weil seine zahlreichen Vermittlungsversuche zwischen den Hippo belagernden Vandalen, innerstädtischen Intriganten und der auf eine römische Befreiung hoffenden Bevölkerung scheitern. "Aber wie hier festgestellt wurde", sagte Papst Benedikt in seiner Ansprache nach der Filmvorführung, "ist seine Botschaft geblieben und überdauert auch den Wandel der Welt, weil sie aus der Wahrheit kommt und in die Gnade führt, die unser gemeinsames Ziel ist."

Tatsächlich beschäftigten die Lehren des Augustinus die abendländischen Denker von damals bis heute. Auseinandersetzungen mit Augustinus stehen im Zentrum der Arbeiten von Luther, Heidegger, Camus, Sartre oder Sloterdijk. Und dann wäre da ja auch noch der Papst: 1954 erschien seine Dissertation zum Thema "Volk und Haus Gottes in Augustins Lehre von der Kirche".

Doch wie viel vom komplexen Ideenwerk des Kirchenvaters lässt sich nun in einen solchen Film packen? "Natürlich wendet sich 'Augustinus' an ein großes Publikum", glaubt auch Bettina Ricklefs vom BR. "Seine zentralen Ideen, die bedingungslose Suche nach Wahrheit in einer orientierungslosen Welt und sein Weg der Liebe und des Glaubens - das sind wunderbare, klare Motive, die dieser Film sehr gelungen einfängt." In der Tat ist die Geschichte von Augustinus die epische Erzählung eines Suchenden. Sie beschreibt die Wandlung eines hoch begabten Zynikers in einen bedingungslosen Wahrheitswissenschaftler und Humanisten.

Und es gibt durchaus Parallelen zwischen heute und der Zeit von Augustinus, der an der Schwelle zwischen dem zerfallenden Römischen Reich und dem Mittelalter stand. Der römische Kaiser Konstantin der Große hatte das Christentum privilegiert und den Einfluss der traditionellen Götterkulte zurückgedrängt ("Konstantinische Wende"). Doch selbst dann konkurrierten noch viele christliche Irrlehren um eine nach Halt suchende Bevölkerung seines Reiches, das von den Germanen auf der einen und den Persern auf der anderen Seite in arge Bedrängnis gebracht war.

Die verworrene, dem "Normalzuschauer" wohl weitgehend unbekannte Zeit des 4. und 5. Jahrhunderts zu beleuchten, ist eine der großen Herausforderungen von "Augustinus" - einem philosophisch unterfütterten Event Movie, das zur Abwechslung mal nicht zur Primetime, sondern an den österlichen Nachmittagen gesendet wird. "Ich bin sehr glücklich mit dem Sendeplatz", betont Redakteurin Bettina Ricklefs. "Das ist ein Film, der von der gesamten Familie angesehen werden sollte. Einer, der für alle eine wichtige und verständliche Botschaft transportiert." Und das sogar mit päpstlichem Segen.

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