Wie kommt der Papst ins Fernsehen?

Der Papst aus Bayern ist zum ersten Mal auf offiziellem Staatsbesuch in Deutschland (Do., 22.09., bis So., 25.09.)

Benedikt XVI. befindet sich auf seinem ersten offiziellen Deutschlandbesuch Höhepunkte sind die Rede des Papstes vor dem Deutschen Bundestag sowie ein Gottesdienst vor 74.000 Menschen im Berliner Olympiastadion.
19.08.2011, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Eric Leimann
Der Papst aus Bayern ist zum ersten Mal auf offiziellem Staatsbesuch in Deutschland (Do., 22.09., bis So., 25.09.)

Sein Deutschlandbesuch ist auch ein Medienspektakel: Papst Benedikt XVI. befindet sich vom 22. bis 25. September auf sei

rbb / BR / Sessner

Benedikt XVI. befindet sich auf seinem ersten offiziellen Deutschlandbesuch Höhepunkte sind die Rede des Papstes vor dem Deutschen Bundestag sowie ein Gottesdienst vor 74.000 Menschen im Berliner Olympiastadion.

Fast gläsern ist der Papst bei seinem Besuch in Deutschland (Do., 22.09., bis So., 25.09.). Das liegt nicht nur an der Transparenz des Papamobils, sondern auch am medialen Aufwand, mit dem sämtliche Stationen der Reise in Szene gesetzt werden. Rund zehn Stunden ist die ARD auf Sendung, unwesentlich weniger Zeit "opfert" das ZDF für Benedikt XVI. zwischen Berlin, Erfurt und Freiburg. Nicht nur seine Rede vor dem Deutschen Bundestag wird mit Spannung erwartet. Auch die an fast allen Orten geplanten Demonstrationen dürften ein Thema für die Medien sein.

Der Vatikan ist nicht unbedingt als Vorreiter in Sachen offene Medienarbeit bekannt. Und doch merkt man dem Besuch des Papstes in Deutschland an, dass man "mehr Papst im Fernsehen" auch irgendwie gut findet. Hauptargument dieser These ist die Tatsache, dass - quasi als "Teaser" für die Reise - am Samstag, 17. September, um 22.55 Uhr, zum ersten Mal seit fast 25 Jahren ein Papst das "Wort zum Sonntag" sprechen wird. Zuletzt hatte sich Papst Johannes Paul II. am 25. April 1987 direkt an den deutschen Fernsehzuschauer gewendet. Interessant ist die Tatsache, dass der Sendeplatz von den Kirchen selbst "bestückt" wird, die ARD also keinen Einfluss auf die Auswahl der "Sprecher" für das drei Minuten und 40 Sekunden lange Format hat. Beschweren wird sich dort über den prominenten Kurzprediger allerdings sicher niemand.

Die Deutsche Bischofskonferenz, Reiseveranstalter des Papstbesuches, hatte die Idee. Man fragte an beim Papst, der den Coup gut fand. Aufgezeichnet wird das maximal prominente "Wort zum Sonntag", dessen Thema vorher nicht bekannt ist, kurz vor dem Sendedatum im vatikanischen Fernsehzentrum. Auf einen Papst "live" im ARD-Studio wird also selbst der katholischste Techniker vergeblich hoffen. Auch Papst-Interviews, so bestätigte es ein Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, werde es im Rahmen des Besuches nicht geben. Dafür kann man das Kirchenoberhaupt aber von der Landung in Berlin-Tegel (Do., 22.09., 10.30 Uhr) bis zum Abflug vom Flughafen Lahr im Schwarzwald (So., 25.09., 18.45 Uhr) auf Schritt und Tritt im Fernsehen verfolgen.

Die letzten beiden Deutschlandbesuche hatte der Papst ausdrücklich als privat bezeichnet. Kurz nach seiner Wahl 2005 war Benedikt XVI. zum Weltjugendtag nach Köln gereist, im September 2006 gab es den Besuch in seiner bayerischen Heimat. Da ist 2011 durchaus ein anderes Kaliber. Mit politischen Ehren wie dem Empfang durch den Bundespräsidenten (Do., 11.15 Uhr), dem Gespräch mit der Kanzlerin (Do., 12.50 Uhr), der Rede vor dem Bundestag (Do., 16.15 Uhr) oder auch den offiziellen Gesprächen mit deutschen Protestanten (Fr., 11.45 Uhr), Jüdischer Gemeinde (Do., 17.15 Uhr) und Vertretern des Islams (Fr., 09.00 Uhr) steigen auch die politischen Erwartungen an Benedikt.

Wird er sich bei den Opfern des Missbrauchs durch katholische Geistliche entschuldigen? Allein die Rede im Deutschen Bundestag gilt als umstritten, da Kritiker in ihr eine Aufhebung der Trennung von Kirche und Staat sehen. Damit sich Kamerateams in Berlin, Erfurt und Freiburg nicht im Kampf um die besten Plätze ins Gehege kommen, wird das TV-Signal - wie bei solchen Großereignissen mittlerweile üblich - vom "Berliner Modell" produziert. So nennt man den Zusammenschluss der Öffentlich-Rechtlichen und vieler privater Sender zu einer Art "Projekt Task Force", welche sich derlei Großevents produktionstechnisch aufteilt.

Den Partnern stellt man sämtliche Bilder, auch "Weltsignal" genannt, zur Verfügung. Jeder andere Sender kann sich für vergleichsweise günstige 8.000 Euro pro Tag das produzierte Signal einkaufen. So sorgt n-tv für die Bilder der Ankunft in Berlin-Tegel, das ZDF filmt vor Schloss Bellevue, während die ARD das Mittagessen mit Merkel sowie die Rede im Bundestag technisch aufbereitet. Das Berliner Modell hilft Kosten zu sparen und sorgt für optimale Kamerapositionen, produziert wird selbstredend in HD. Staatsbesuche oder auch der G-8 Gipfel in Heiligendamm wurden so aus Deutschland in die Wohnzimmer der Welt transportiert.

Neben den Sendern der ARD und dem ZDF sind n-tv, die Deutsche Welle, N24 und Phoenix an der Produktion der Bilder beteiligt. Selbst die Ankunft an den jeweiligen deutschen Schlafstätten des Papstes wird eingefangen. Wer auf welches Material zurückgreift, bleibt die Entscheidung der Sender. Während die Öffentlich-Rechtlichen selbstredend die großen Gottesdienste aus Berlin und Freiburg (So., 10.00 Uhr) übertragen, müssen die Privaten mit Sicherheit passen - das deutsche Medienrecht verbietet die Unterbrechung von Gottesdienstübertragungen durch Werbung.

Was ebenfalls jeder Sender für sich entscheidet: inwieweit man von den für alle Stationen des Papstbesuches angekündigten Protestaktionen berichtet. Hiervon wird kein "Weltsignal" produziert. Der Auftraggeber, die Deutsche Bischofskonferenz, setzt seine Prioritäten verständlicherweise an anderer Stelle.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+