Die perfekte Routine

Der vox-Klassiker "Das perfekte Dinner" feiert am 22. Januar das 1.000er-Jubiläum

In einer Jubiläumswoche, die in der 1.000. Folge am Freitag, 22. Januar, gipfelt, lässt vox die Brutzelpioniere von "Das perfekte Dinner" noch einmal miteinander wetteifern.
08.01.2010, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Rupert Sommer
Der vox-Klassiker "Das perfekte Dinner" feiert am 22. Januar das 1.000er-Jubiläum

Antreten zum Feiern: Die Urbesetzung trifft sich für die Jubiläumsfolge zu einer Kochrevanche, von links: Kaufmann Manfr

vox / Bernd-Michael Maurer

In einer Jubiläumswoche, die in der 1.000. Folge am Freitag, 22. Januar, gipfelt, lässt vox die Brutzelpioniere von "Das perfekte Dinner" noch einmal miteinander wetteifern.

In Deutschlands TV-Küchen brutzelt, brodelt, zischt und köchelt es. Doch längst schwingen nicht mehr nur anerkannte Gourmetmeister wie Johann Lafer (ZDF), freche Rebellen wie Tim Mälzer (ARD), gestrenge Koch-Coaches wie Christian Rach (RTL) oder Frank Rosin (kabel eins) die Löffel, sondern ganz normale Chaosköche wie du und ich. Dem Kölner Zweitligasender vox ist das Kunststück gelungen, mit dem Vorabendklassiker "Das perfekte Dinner" die zwei größten Leidenschaften der Fernseh-Fangemeinde unter einen Kochhut zu bringen: die Freude am Genießen und die unstillbare Neugier an werktäglichen Seifenopern. Am Freitag, 22. Januar, um 19.00 Uhr feiert vox die 1000. Ausgabe des kuscheligen Wettkochens - und das mit der Urbesetzung aus dem Startjahr 2006. Vom Quoten-Sinkflug lässt sich vox die Jubiläumsfreude nicht verderben

Ein TV-Abend, der Appetit auf mehr macht: Mit Krebsschwänzen auf Feldsalat, "Aleppo-Auberginen" mit Hühnerfleisch, Tiramisu und einer ordentlichen Portion Humor entschied Eventmanager Eik im März 2006 die allererste Runde von "Das perfekte Dinner" für sich. Wird dem 38-Jährigen, dem nicht nur an Herd und Küchentisch stets der Schalk im Nacken sitzt, dieser damals etwas unerwartete Triumph noch einmal gelingen?

Anlässlich der 1000. Folge der Kochshow lässt vox die Kandidaten der ersten Stunde gegeneneinander antreten - zur Jubiläumswoche, die am Montag, 18. Januar, um 19.00 Uhr beginnt. Zum großen Finale am Jubiläumstag, Freitag, 22. Januar, 19.00 Uhr, kündigt der Gewinner von einst an: "Ich werde meine Gäste von vorne bis hinten verarschen." Er plant, sie mit einem "Pinocchio Abend" erneut zu erobern. Auf dem Speiseplan steht reichlich Kryptisches - etwa ein "chilenisches Toilettenhuhn" und das Überraschungsdessert "schöner Abgang mit Himbeeren".

"Das Format ist so natürlich und überschreitet gleichzeitig Grenzen", versucht der vox-Chefredakteur Kai Sturm, dem der Stolz auf seinen Erfolgsdauerlauf anzumerken ist, die Beliebtheit von "Das perfekte Dinner" zu erklären. "Wir essen gerne gemeinsam und laden uns auch gegenseitig ein. Aber niemand käme auf die Idee, vier Fremde in der eigenen Wohnung zu bewirten und diese dann auch noch in verschiedenen Räumen stöbern zu lassen", so der Fernsehmanager. "Bewerten Sie das Essen, wenn Sie bei Freunden eingeladen sind? Klar, man macht sich seine Gedanken, ob es schmeckt oder nicht. Aber niemand würde das dann auch in Punkten festlegen." Kein Wunder, dass gerade Exzentriker wie der Jubiläumskoch sich zu besonderen Höchstleistungen verpflichtet fühlen. "Außergewöhnliches Verhalten", nennt Kai Sturm die eigenwillige Bewirtungs-Performance recht diplomatisch.

Tatsächlich steht neben dem Kochen, dem Abschauen von Rezepten und originellen Deko-Ideen für viele Zuschauer das gesamte "Drumherum" der originellen Vorabend-Dokusoap im Vordergrund. Nicht selten wird bei "Das perfekte Dinner" geflirtet und gezankt, gelästert und (kulinarisch) verführt - wie im sogenannten "echten Leben" auch. Deswegen legt der Sender auch großen Wert darauf, passende Kandidaten für die werktägliche Sendung zu finden. "Wir wünschen uns von den Teilnehmern, dass sie mit Leidenschaft ihre Qualitäten als Gastgeber zeigen möchten und stolz auf ihre Kochkünste und auch auf ihre Wohnung sind", erklärt Sturm. "Wir nehmen diesen Stolz ernst und finden es großartig, wenn verschiedenste Menschen mit unterschiedlichen Vorstellungen von einem schönen Abend aufeinander treffen." So muss der Gastgeber auch darüber lächeln können, wenn vor laufender Kamera in der Sockenschublade gekramt wird - und möglicherweise Pikantes zum Vorschein kommt.

Dass überhaupt eine 1.000. Folge ausgestrahlt wird, ist nach den üblichen, oft etwas grausamen Quoten-Gesetzmäßigkeiten der Branche keine Selbstverständlichkeit. Immerhin befindet sich "Das perfekte Dinner" seit dem Startjahr 2006 auf einem langsamen, aber stetigen Sinkflug. Schalteten im ersten Sendejahr durchschnittlich noch rund 2,08 Millionen Zuschauer ein, waren es im Jahresdurchschnitt 2009 nur 1,84 Millionen. Spitzenwerte erzielte die Sendung Anfang 2007, als über drei Millionen Fans regelmäßig dabei waren. Im Jahresmittel lag der Zuspruch 2007 bei 2,86 Millionen Zuschauern, 2008 noch bei 2,26 Millionen. Dabei verlief der eigentliche Start im März 2006 alles andere als viel versprechend. Dass aus "Das perfekte Dinner" ein Dauerbrenner werden könnte, war nicht abzusehen. "Anfangs konnten wir uns das alle nicht vorstellen, gerade weil die beiden Testwochen eher unter der Erwartung blieben", sagt Kai Sturm im Rückblick.

Dennoch spiegelt sich die nachlassende Koch-Freudigkeit auch bei ähnlichen Formaten - zudem ist der Markt für TV-Kulinarik allgemein opulent bestückt. "Immer wenn sich viele Sender als Waggons an erfolgreiche Lokomotiven hängen, entsteht der Eindruck der Übersättigung", gesteht der vox-Chefredakteur ein. Allerdings möchte er die Brutzelklassiker nicht mehr wegdenken aus dem Programm. "Bei vox erwartet man Kochsendungen, sie passen zu uns, und wir haben uns im Laufe der Jahre Kompetenz erarbeitet", so Kai Sturm. "Aber wir müssen auf die Dosierung achten und unsere Marken pflegen."

2009 erzielte "Das perfekte Dinner" in der für einen Privatsender bedeutsamen Werbe-Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen am Vorabend einen durchschnittlichen Marktanteil von über zehn Prozent und liegt damit weit über vox-Niveau. Außerdem lässt sich im Umfeld von "Das perfekte Dinner" auch gut TV-Werbung für Genießer und ambitionierte Hobbyköche verkaufen. "Der Stellenwert dieser Sendung ist sehr hoch", beschreibt Sturm den Image-Gewinn. "So beliebt, wie die Sendung bei den Zuschauern ist, ist sie auch bei den Werbekunden." Ob es daher wohl auch schon Planungen für ein Jubiläum zur 2.000. Sendung gibt? "Die bewegen sich auf dem Niveau eines schönen Wunsches, der sich ziemlich realistisch anfühlt", sagt Sturm.

Um in die Sendung zu kommen und bei seinen Gästen zu punkten, empfiehlt vox den "Dinner"-Kandidaten vor allem Gelassenheit und den Mut, sich auf eigenen Stärken zu besinnen. "Man sollte sich nicht überheben, lieber das etwas einfachere Rezept wählen als die hohe Kunst", rät Kai Sturm. "Nur wenn man sich absolut sicher bei Organisation, Einkauf und Zubereitung ist, sollte man an die persönlichen Grenzen gehen. Und Natürlichkeit kommt an! Tricks werden schnell durchschaut", meint der erfahrene Ober-Koch des Senders. Dieselben Maßstäbe legt die Redaktion auch an die eigene Arbeit an. "Wir versuchen so authentisch und originell wie möglich zu bleiben", verspricht der Chefredakteur. "Keine Routine für die nächsten 1.000 Folgen einkehren und immer wieder die Spannung, wie in der ersten Woche, spüren zu lassen", das steht auf dem Speiseplan.

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