Probleme mit der Räumlichkeit Die 3D-Technik wird die Wohnzimmer erreichen - aber nicht sofort

Der dritten Dimension soll die Zukunft des Home Entertainments gehören - doch in der Gegenwart fehlen die Inhalte. Trotz eines erfolgreichen Testlaufs bei den French Open, die live übertragen wurden.
04.06.2010, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Andreas Fischer

Der dritten Dimension soll die Zukunft des Home Entertainments gehören - doch in der Gegenwart fehlen die Inhalte. Trotz eines erfolgreichen Testlaufs bei den French Open, die live übertragen wurden.

Die WM steht vor der Tür, und wie das manchmal so ist bei einem sportlichen Großereignis, soll dem Publikum gleich eine neue Unterhaltungsdimension erschlossen werden. Bei den Welttitelkämpfen der Leichtathleten im vergangenen Jahr in Berlin wurde das HD-Fernsehen massentauglich gemacht. Diesmal geht's noch weiter, in vergleichsweise galaktische Dimensionen. 3D ist das Zauberwort, das räumliche Sehen soll in nicht allzu ferner Zukunft Einzug halten in die Wohnzimmer dieser Welt. An TV-Übertragungen ist allerdings noch nicht zu denken, obwohl Eurosport in Zusammenarbeit mit dem französischen Rechteinhaber Orange Sport bei den French Open in Paris gerade demonstriert hat, dass Live-Sendungen in 3D technisch möglich sind.

Über den Sinn von Tennisübertragungen in 3D lässt sich durchaus streiten - ein Praxistest vor einem 50-Zoll-Fernsehgerät jedenfalls ist ernüchternd. Ein richtiges "Wow"-Erlebnis ist es nicht, wenn Roger Federer, Venus Williams und Co. ihren Kontrahent(inn)en die Bälle in drei Dimensionen um die Ohren hauen. Dafür ist Tennis zu schnell, und es fehlt als TV-Zuschauer die Notwendigkeit einer räumlichen Orientierung.

Wichtiger ist bei diesem Test ohnehin gewesen, die Möglichkeiten zu erkunden - für später. Die Verantwortlichen in der Pariser Eurosport-Zentrale sind mit den technischen Abläufen und dem "sichtbaren Ergebnis" jedenfalls zufrieden. Man erwägt dort sogar, einen festen 3D-Kanal zu etablieren, sobald es praktisch umsetzbar ist. Das 3D-Signal von den French Open wurde zunächst nur ausgewählten Händlern und Firmenkunden zu Vorführzwecken zur Verfügung gestellt: Eine Vorgehensweise, die bei der Tour de France wiederholt werden soll - und ein wenig an die Kindertage des Fernsehens erinnert, als sich vor den Geschäften Menschentrauben bildeten, um die neue Technik staunend zu begutachten.

Dass 3D-TV ein Zukunftsmodell ist, steht seit "Avatar" außer Frage. So ist man auch bei Panasonic zuversichtlich, dass bereits 2014 etwa 25 Prozent aller verkauften TV-Geräte 3D-tauglich sind. Der Hersteller kooperierte in Paris mit den Sendern und stellte das technische Equipment. Die Japaner sind stolz darauf, Know-how und Produkte für die komplette 3D-Kette zu haben. Der erste 3D-Camcorder gehört dazu - das doppellinsige Gerät, mit dem die Kameraleute in Roland Garros arbeiteten, sieht ein wenig aus wie der sympathische 80er-Jahre-Kinoroboter "Nummer 5". Aber auch die notwendige Software, um 3D-Blu-ray Discs herzustellen. Und natürlich die Fernsehgeräte, die von der Fachpresse einhellig gelobt wurden.

Man bleibt aber realistisch: "3D ist noch Zukunftsmusik", weiß Armando Romagnolo, General Product Manager bei Panasonic Deutschland. "Wir rechnen damit, dass es ab 2011 echten Content, auch im TV-Bereich, gibt." In diesem Jahr jedenfalls wird es wohl wirklich recht mau aussehen: Am 1. Juni erschien die erste 3D-Blu-ray Disc, "Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen", etwa ein Dutzend weitere Titel werden bis Ende des Jahres folgen - vornehmlich Animationsfilme, die zunächst nur zusammen mit 3D-TV-Geräten verkauft werden sollen. Die Hersteller Samsung, Sony und Panasonic verhandeln derzeit eifrig mit den Filmstudios.

Viel mehr 3D-Inhalte wird es für den normalen Kunden zunächst nicht zu sehen geben. Die TV-Sender übertragen hierzulande noch keine 3D-Signale - nicht nur wegen fehlender 3D-Programme, wie Filme oder Sportereignisse. Auch die erheblich höhere Datenmenge ist ein Grund. Allein der Schritt von der Pal-Auflösung zum HD-Standard ist mit dem Vierfachen an Bilddaten (576 vs. 1920 Bildzeilen) verbunden. Da für das räumliche Sehen jedes Auge ein eigenes Bild benötigt, würde sich die Datenmenge noch einmal verdoppeln.

Trotz Fußball-WM in Südafrika wird es zunächst also nichts mit einem Quantensprung in eine neue Unterhaltungsdimension. Zwar will Sony einige Spiele mit 3D-Kameras filmen und im Anschluss an die Weltmeisterschaft auf Blu-ray Disc vermarkten. Aber zurzeit sieht es ganz danach aus, dass es nicht einmal das geplante Public Viewing mit Räumlichkeitsfaktor geben wird. Das sollte in ausgewählten Kinos stattfinden: Doch die Kinobetreiber waren nach Testvorführungen wenig überzeugt - die Qualität war für die großen Leinwände zu schlecht.

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