Rademanns Muse Die Ärztin und Anwältin Dr. med. Britta Konradt inspirierte Produzent Wolfgang Rademann zum ZDF-Film "Engel der Gerechtigkeit" (Do., 06.10., 20.15 Uhr)

Reif für das Fernsehen: Erfolgsproduzent Wolfgang Rademann ließ die Geschichte der Anwältin und Medizinerin Dr. med Britta Konradt verfilmen - im Interview verrät die patente Berlinerin auch wieso.
30.09.2011, 00:00
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Von Katharina Raab

Reif für das Fernsehen: Erfolgsproduzent Wolfgang Rademann ließ die Geschichte der Anwältin und Medizinerin Dr. med Britta Konradt verfilmen - im Interview verrät die patente Berlinerin auch wieso.

Sich selbst bezeichnet die Juristin Dr. med. Britta Konradt gerne als Paradiesvogel. Und so manch einer dürfte sicher anerkennend staunen ob des schillernden Werdegangs der Berlinerin. Von der Medizin wechselte die heute 50-Jährige in die Rechtswissenschaft und spezialisierte sich im Bereich "Arzthaftungsrecht". Eine Vita, wie für den Film gemacht, befand zumindest "Traumschiff"-Produzent Wolfgang Rademann. Bei einer Geburtstagsparty lernten sie sich kennen und schätzen und entwickelten schließlich gemeinsam mit Drehbuchautor Jürgen Werner die Idee für das gefühlsbetonte ZDF-Drama "Engel der Gerechtigkeit", das am Donnerstag, 6. Oktober, 20.15 Uhr, erstmals zu sehen ist. Im Film ist es Katja Weitzenböck, die aufgrund einer traumatischen Erfahrung den Kittel an den Nagel hängt und die Robe überwirft. Die Realität ist natürlich weitaus weniger dramatisch, wenn auch nicht minder spannend.

Es passierte 2002 auf dem 80. und letzten Geburtstag des legendären Filmproduzenten Horst Wendlandt. Mario Adorf mischte sich unter das feiernde Partyvolk. Auch Pierre Brice zählte zu den Gästen. Es war das erste Mal, dass Britta Konradt mit den "Sternen und Sternchen" der deutschen Film- und Fernsehszene in Berührung kam. Einem stach sie dennoch ins Auge. "Wir mochten uns auf Anhieb, weil wir beide bauchgesteuerte Menschen sind", sagt Britta Konradt heute über Wolfgang Rademann, mit dem sie immer noch freundschaftlich verbunden ist. Der Erfolgsproduzent wird sich später zu etwas Folgenreichem entschließen: Er will einen Film über die Ärztin machen, die sich letztlich für die Juristerei entschied und seit 2003 im Rechtsstreit zwischen Ärzten und Patienten vermittelt.

Konradt, deren "triviales Herz" schon immer für Rademanns "Schwarzwaldklinik" schlug, willigte ein und transformierte ihre Biografie gemeinsam mit Drehbuchautor Jürgen Werner in ein sendetaugliches Skript und lieferte außerdem die selbstredend fiktiven und dennoch realitätsnahen Fälle. "Im Nachhinein war es ein komisches Gefühl, seine eigene Geschichte im Film zu sehen", resümiert Rademanns Muse heute. Statt Britta Konradt flattert nun Katja Weitzenböck als "Engel der Gerechtigkeit" durchs ZDF. Angereichert mit viel Gefühl entspinnt sich hier ein Drama um eine Frau, die sich in ihrem unerschütterlichen Glauben an Gerechtigkeit und Recht nicht nur gegen die eigene Zunft, sondern sogar gegen die eigene Familie richtet.

Die Realität sah natürlich anders aus. Britta Konradts Entschluss, sich der Rechtswissenschaft zuzuwenden, fußte auf einer weitaus weniger dramatischen Begebenheit. "Mein Kind und mein Interesse haben mich dazu bewogen", sagt die heutige Anwältin schlicht. Konradt belegte damals Seminare am Berliner Institut für forensische Psychiatrie, beschäftigte sich mit Gutachten zur Schuldfähigkeits- und Schuldunfähigkeitsbestimmung und rutschte dabei in die Rechtswissenschaft hinein. Während der Schwangerschaft begann sie das Studium und eröffnete 2003 ihre eigene Kanzlei.

Es war ein absoluter Neubeginn und eine völlig neue Welt, in die Britta Konradt da eintauchte: "Die Denkweise des Arztes ist von der des Juristen völlig diskrepant. Im rechtlichen System denken wir strikt dogmatisch und durchaus abstrakt. Der Arzt hingegen denkt sehr individuell, aber auch statistisch. Ein Schmerz im rechten Unterbauch weist eben meist auf eine Blinddarmentzündung hin." Der Medizin hat Britta Konradt dennoch nicht abgeschworen. Seit der Gründung ihrer Kanzlei vertritt sie sowohl Ärzte als auch Patienten in arzthaftungsrechtlichen Streitfragen und steht in dieser Parteilosigkeit momentan allein auf weiter Rechtsflur. Für Britta Konradt zählt: "Ich stehe auf der Seite des Rechts, ich bin ein Organ der Rechtspflege und kann an den Sachverhalten, die gelaufen sind, nichts mehr ändern."

Um eine sachgerechte Lösung ihrer Fälle zu finden, muss Konradt dann aber doch eine klare Grenze ziehen: Haftbare Fehler, sogenannte Kunstfehler müssen vom schicksalhaften Verlauf während einer Operation oder ärztlichen Behandlung abgegrenzt werden. Denn nur selten ist der Arzt haftungsrechtlich verantwortlich, auch wenn es im Operationssaal zu lebensbedrohlichen Komplikationen kommt. Und doch haftet er immer, wenn er von dem ärztlichen Standard abgewichen ist. Vorsätzlich tut er dies jedoch im Regelfall nicht, allenfalls fahrlässig.

Britta Konradt weiß, dass auch die Götter in Weiß Fehler machen, auch nur Menschen sind: "Ich vergleiche den arzthaftungsrechtlichen Fall gern mit einem Verkehrsunfall. Das passiert einfach. Meistens sind es äußere Umstände, die das Ganze begünstigen. Ein Arzt schädigt einen Patienten nie bewusst oder gewollt." Und doch fehle es manchmal an einer ganz essenziellen Notwendigkeit - der Courage, sich zu entschuldigen: "Wenn Ärzte mehr kommunizieren und einen Fehler vor dem Patienten offensiv eingestehen würden, hätten wir auch viel weniger Arzthaftungsfälle", ist Britta Konradt überzeugt. Jährlich gingen bei der Schlichtungsstelle in Berlin-Brandenburg etwa 2.000 Anträge ein. Nur bei einem Drittel bestehe das Recht auf Schadensersatz, bei den anderen Anträgen nicht.

Leicht ist der Job nicht immer: Wird ein Arzt in einem zivilrechtlichen Verfahren zur Schmerzensgeldzahlung verurteilt, hat das für den geschädigten Patienten meist nur noch eine Genugtuungsfunktion, der den Schaden an sich nicht im Geringsten wiedergutmachen kann. "Meine Mandanten würden sicher sofort den dreifachen Betrag auf den Tisch legen, um die Schädigung wieder rückgängig zu machen", so Konradt. Seine Approbation verliert der Weißkittel nur in seltenen Fällen und nur dann, wenn er von einem Strafgericht wegen vorsätzlicher Körperverletzung, vielleicht sogar mit Todesfolge, verurteilt wird.

Das Vertrauen in das deutsche Gesundheitssystem hat Britta Konradt dennoch nicht verloren. "Generell darf man sich in Deutschland als Patient in sehr sicheren Händen fühlen", versichert sie. Bei der Frage, ob sie nicht doch wieder ganz in die Medizin zurück möchte, kommt die 50-Jährige dennoch ins Grübeln. "Ich weiß zumindest, dass mir der weiße Kittel auf jeden Fall besser stehen würde als die schwarze Robe. Die hat etwas Fledermausartiges", schmunzelt sie. In solchen Belangen ist wohl auch ein "Engel der Gerechtigkeit" ganz und gar irdisches Wesen und Frau.

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