Für RTL II berichtet Sandra Thier über "Die Minenkinder von Burkina Faso" (Mo., 28. November, 23.10 Uhr) "Die jungen Menschen vertrauen mir"

Eine Frau mit Vorbildfunktion: Sandra Thier, das Gesicht der "RTL II News" reist für ihre Reportagereihe in die ärmsten Länder der Welt.
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Von Alexandra Petrusch

Eine Frau mit Vorbildfunktion: Sandra Thier, das Gesicht der "RTL II News" reist für ihre Reportagereihe in die ärmsten Länder der Welt.

Von wegen, "it's fun". Ob im Kongo, Bangladesch oder zuletzt in Burkina Faso: Sandra Thier hat viel Leid und Elend gesehen. Für ihre Reportagereihe "Sandra Thier unterwegs ..." scheute die UNICEF-Botschafterin keine Strapazen, kämpfte sich mit ihrem Team durch Krisengebiete und traf Kindersoldaten, junge Frauen, die mit ätzender Säure entstellt wurden und Jugendliche, die schon als Fünfjährige arbeiten mussten, um ihrer Familie das Überleben zu sichern. Ihr neuester Film "Die Minenkinder von Burkina Faso" ist am Montag, 28. November, 23.10 Uhr, bei RTL II zu sehen. Mit "fun", wie ihn das Sendermotto verspricht, hat die Reportage rein gar nichts zu tun, das weiß auch das 32-jährige Gesicht der "RTL II News". Sie findet die Reihe dennoch gut bei ihrem Heimatsender aufgehoben.

teleschau: Frau Thier, es sind nicht gerade leichte Themen, die Sie sich in den vergangenen Jahren vorgenommen haben ...

Sandra Thier: Stimmt, das war eine Herausforderung. Ich moderiere seit über acht Jahren täglich Nachrichten. Im Tagesgeschäft muss immer alles schnell gehen, man muss sich in kürzester Zeit einlesen. Da bleibt man oft leider an der Oberfläche. Deshalb war es ein großer Schritt für mich und mein Team, so umfangreiche Reportagen zu machen, in denen man sich intensiver mit einem Thema auseinandersetzt.

teleschau: Sie sind seit Anfang 2010 UNICEF-Patin.

Thier: Die Arbeit an den Filmen ging Hand in Hand mit meinem Engagement bei UNICEF. Ich wollte die Gelegenheit nutzen, um über deren Projekte zu berichten. Die Reportage über die Kindersoldaten im Kongo war unser erster Versuch. Der Dreh war sehr hart, aber dass die Fernsehreportage so gut ankam, hat uns bestärkt, weiterzumachen.

teleschau: Inwiefern war der Dreh hart?

Thier: Das hatte verschiedene Gründe. Vor allem aber war die politische Lage sehr angespannt. Im Sommer 2010 gab es im Osten des Kongos schlimme Massenvergewaltigungen durch die Rebellen. Es ist unvorstellbar, wie die Bevölkerung unter den Angriffen leidet. Im Kongo hat jedes Kind bereits Gewalt erfahren oder zumindest gesehen, wie Eltern, Verwandte oder Nachbarn umgebracht, vergewaltigt oder verstümmelt wurden. Es gibt dort eine Million Waisenkinder - ich habe noch nie so viele Babys und Kleinkinder auf der Straße sitzen sehen ...

teleschau: Wie haben Sie die Mentalität der Kinder erlebt?

Thier: Das hat mich sehr beeindruckt: Obwohl sie nicht zu essen haben, Gewalt kennen und quasi ihrer Kindheit beraubt wurden, lachen sie, sind freundlich und neugierig.

teleschau: Sie berichten nicht nur über die erschreckenden Zustände, sondern auch wie etwa die Kindersoldaten oder die Frauen in Bangladesch zurück ins Leben finden ...

Thier: Wir arbeiten immer daran, harte Themen so aufzubereiten, dass auch positive Wendungen nicht zu kurz kommen. Denn bei all dem Leid findet man auch Hoffnung.

teleschau: Haben Sie die Schicksale, die Sie dort erlebten, auch persönlich verändert?

Thier: Ja. Seit meiner ersten Reise gehe ich definitiv anders durchs Leben. Ich genieße das Jetzt und Hier mehr als zuvor. Alle Luxusgüter, die wir haben, fließend Wasser oder einen Kühlschrank, versuche ich nicht mehr als selbstverständlich hinzunehmen.

teleschau: Wie führen Sie ihre Arbeit hier in Deutschland weiter.

Thier: Zuallererst rufe ich zu Spenden auf. Zum Beispiel beim RTL-Spendenmarathon am 17. und 18. November. Aber Helfen bedeutet nicht immer nur, zu spenden. Helfen bedeutet auch, Lobbyarbeit zu machen und das Thema nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

teleschau: Bei RTL II hat man stets den Claim "it's fun" vor Augen. Haben Sie sich jemals gefragt, ob der Sender die richtige Plattform für Ihr Anliegen ist?

Thier: Das werde ich oft gefragt. Aber ich sage ganz klar, RTL II ist die richtige Plattform! RTL II bietet mehr als Fun. Wir wollen unterhalten und informieren. Es gibt täglich Nachrichten, ein Nachrichtenjournal und viele Reportage-Formate, die ein breites Zielpublikum haben.

teleschau: Dennoch läuft Ihr Film leider nicht auf einem sehr prominenten Sendeplatz ...

Thier: Ich finde, ich kann mit 23 Uhr schon zufrieden sein, wenn man bedenkt, dass in der ARD viele hochwertige Reportagen erst nach Mitternacht laufen. Ich kenne einige Kollegen, die gern das Publikum erreichen würden, das ich mit meinen Filmen anspreche.

teleschau: Die werberelevante Zielgruppe ...

Thier: ... ist uns natürlich sehr wichtig. Und auch die junge Zielgruppe, also die 14- bis 49-Jährigen sehen besonders gern die "RTL II News". Wir sind bei den Unter-30-Jährigen stets eine der beliebtesten Nachrichtensendungen. Die jungen Menschen vertrauen mir, deshalb kann ich sie an die Hand nehmen und Themen präsentieren, die sie so noch nicht gesehen haben und vielleicht niemals anschauen würden.

teleschau: Eine aufklärerische Arbeit wie diese - war das Ihr Ziel, als Sie sich für den Journalismus entschieden haben?

Thier: Mir imponierten schon immer Menschen, die Skandale aufgedeckt haben. Aber Journalismus ist natürlich nicht nur das eine. Es gibt viele Kollegen, die täglich ganz hervorragende Arbeit leisten, und hervorragend informieren. Ich werde nie die große investigative Aufklärerin sein. Ich bin als Anchorwoman bei RTL II sehr glücklich.

teleschau: Mal ehrlich, träumen Sie manchmal von der "Tagesschau"?

Thier: Nein, auf keinen Fall, das wäre mir wahrscheinlich zu langweilig. Der Job wäre derselbe, aber ich hänge sehr an der jungen Zielgruppe und beschäftige mich in den News gerne auch mit Musik oder Kino.

teleschau: Sie haben mal gesagt, Sie wären Politikerin oder Anwältin für Amnesty International geworden, wenn Sie nicht beim Fernsehen gelandet wären. Waren Sie schon immer sozial engagiert?

Thier: Ich liebe Menschen. Ich finde, dass man sich liebevoller und wärmer begegnen sollte, als man es oft tut. So war ich schon als kleines Mädchen. Als meine Uroma im Krankenhaus lag, pflückte ich nicht nur für sie Blumen, sondern brachte auch den zehn anderen alten Menschen auf der Station einen Strauß mit. Mir geht es nie um teure Geschenke, sondern um die kleinen Dinge.

teleschau: Wie pflegen Sie das heute im Privaten? Tragen Sie älteren Damen mal die Einkäufe nach Hause?

Thier: Wenn welche in meiner Nachbarschaft wohnen würden, ja (lacht).

teleschau: Man hört es sehr deutlich an Ihrem Dialekt: Sie kommen eigentlich aus Österreich und waren dort bereits die jüngste Anchorwoman des Landes.

Thier: Als ich 23 Jahre alt war, kam das erste Privatfernsehen nach Österreich - ATV. Ich bewarb mich zum Spaß und wurde direkt als Hauptnachrichtensprecherin eingestellt. Ich wollte damals eigentlich gar keine Nachrichten machen. Ich dachte, ich könnte das gar nicht, und fürchtete, die Presse würde mich zerreißen. Aber der Programmchef überzeugte mich, es zu versuchen.

teleschau: Sie waren schnell berühmt in Österreich. Warum gingen Sie dann nach Deutschland?

Thier: Ich habe zwei Jahre wirklich hart gearbeitet, habe nebenbei unter anderem eine Polittalkshow und ein Magazin moderiert. Ich wollte mich verändern. An RTL II ging damals meine einzige Bewerbung, und obwohl ich kein Hochdeutsch konnte, wurde ich genommen.

teleschau: Heute moderieren Sie nahezu dialektfrei ...

Thier: Der Weg dahin war sehr hart. Ich muss mich noch konzentrieren, wenn ich Hochdeutsch sprechen muss. Das ist wie eine Fremdsprache für mich.

teleschau: Vermissen Sie Österreich?

Thier: Klar, die Küche und die Berge. In Köln und Umgebung ist es ja doch sehr flach. Und meine Familie vermisse ich sehr.

teleschau: Denken Sie schon an die eigene Familienplanung?

Thier: Ich würde total gern Mutter werden, aber ich habe den richtigen Partner noch nicht gefunden.

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