Laim und die Tote im Teppich - Mo. 19.04. - ZDF: 20.15 Uhr Laim und die Tote im Teppich

Ein Anschlag auf den Nockherberg

In seinem vierten Fall „Laim und die Tote im Teppich“ dringt der Münchner Kommissar tief in die gehobene Münchner Neonazi-Szene ein. Unter der Bavaria liegt - in einen Perserteppich eingewickelt - eine tote Syrierin. Es könnte eine seit Längerem vermisste Asylbewerberin sein.
14.04.2021, 19:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Wilfried Geldner
Ein Anschlag auf den Nockherberg

Die Kommissare Anton Simhandl (Gerhard Wittmann, links) und Lukas Laim (Max Simonischek) verfolgen ein Handysignal. Es kommt aus einem Papierkorb am Ostbahnhof.

ZDF / Michael Marhoffer

Unter der Bavaria liegt neben einem Müllcontainer eine Leiche. Die Frau, in einen Perserteppich eingewickelt, ist Syrerin, so stellt sich heraus. Der Kofferraum des neben ihr abgestellten Autos ist voller Blut. In „Laim und die Tote im Teppich“ finden die Münchner Kommissare Lukas Laim (Max Simonischek) und Anton Simhandl (Gerhard Wittmann) schnell heraus, wer als Täter infrage kommt. Als sie in die Wohnung des Verdächtigen eindringen, behauptet der, dass Einbrecher wohl die Frau erschlagen und samt einem wertvollen Teppich fortgeschafft hätten. Nur wenig später gibt er zu, selbst die Frau mit einer Messingskulptur erschlagen zu haben. Zugleich behauptet er, ein hieb- und stichfestes Alibi zu haben. Wer deckt Hans Heinrich Feuer, den Shenja Lacher so überheblich wie selbstsicher spielt? Der vierte Laim-Krimi tippt mal wieder ein heißes Eisen an. Nachdem es jüngst gar um Pädophilie an der Münchner Oper ging, ist nun der Rechtsradikalismus in besseren Kreisen das Thema. Nach und nach wird die Fall-Zwiebel geschält.

Chef als Amigo der braunen Meschpoche

Das so bombensichere Alibi des Täters bricht alsbald zusammen. Gero Willbrand, ein investigativer Journalist, der eine große Geschichte über die syrische Asylantin machen wollte, ist verschwunden. Der Alibigeber war angeblich längst von einem immer wieder erwähnten Treffen „am Ammersee“ längst nach München zurückgekehrt. Das jedenfalls behaupten die honorigen Bürger, auf die Laim und Simhandl im Verlauf ihrer Recherchen stoßen. Dabei geben sie sich allesamt als lauter Braune mit weißer Weste zu erkennen. Sei es bei der Lesung im Münchner Jagdmuseum, wo der Heimat-Verteidiger Grindel (Helmfried von Lüttichau) über „Viertels- oder Dreiviertelsdeutsche“ doziert, sei es im „Institut für bayerische Bildungspolitik“, wo die rechtsradikalen Herren ihren revolutionären Neustart vorbereiten.

Gleich eingangs darf der Zuschauer „Hinni“ Feuers Einbruch in die eigene Wohnung miterleben. Er weiß also schon viel, aber beileibe nicht alles. Im Gegenteil: Die Auflösung des Falles wird ihm einigermaßen schwer gemacht - nicht zuletzt, weil Drehbuch (Christoph Darnstädt) und Regie (Michael Schneider) immer wieder mit zeitlichen Blindstellen und Ellipsen arbeiten. Entschädigt wird man dafür mit humorigen Stellen. Das Zusammenspiel der Kommissare, des existentialistischen Einzelgängers Laim und des durchaus münchnerischen Simhandl klappt immer besser, als Typen ergänzen sich der verschlafene Prostituiertenfreund und der eher bürgerliche Bedenkenträger bestens. Fast schon überflüssig erscheint da ihr neuer Chef Hermaneder (Heinz-Josef Braun), auch wenn der als Amigo der braunen Mischpoche hier eine ganz besondere Rolle spielt.

Dass die braunen Herren gar einen besonders fiesen Anschlag auf das Nockherberg-Derblecken planen, hätte aber auch Hermaneder nicht gewollt. Gut, dass der schreckliche Plan im Film zuvor aus dem Ruder läuft. In Wahrheit wurde das Drehbuch ohnehin vom Nockherberg-Ausfall 2020 überholt (gedreht wurde kurz vor Pandemie-Ausbruch im Februar).

Originale Schauplätze, tolle Besetzung: Als Bösewicht im Stile eines Waterboarding-Folterers flößt einem Shenja Lacher, hier Fechtmeister in einer gleichfalls angeschlossenen schlagenden Verbindung, den schieren Schrecken ein. Er ist einer der Dummen, den die Oberen als Mann fürs Grobe verwenden. Mitleid bekommt man mit diesem Schergen nicht. Der Fechtkampf, den er am Ende im Verbindungskeller mit Laim führen darf, ist allerdings hohe Theaterschule, schier Burgtheater-reif. Als Kommissare, das nur nebenbei, bleiben diesmal die Männer unter sich. Keine Nachfolgerin weit und breit für Lavinia Wilson und Sophie von Kessel. Dafür werden die Kommissare aber mächtig von Undercover-Aktivistinnen verhauen. Das Gender-Problem wäre somit auch gelöst.

Neonazis bilden in deutschen Krimis, zumal im Tatort von Dortmund bis Bremen, schon ein ganz eigenes Personal, und auch in Kinofilmen wie „Kriegerin“ sind sie längst als Thema etabliert. Kein Wunder, dass da der „Laim“-Krimi versucht, die Schraube noch etwas weiterzudrehen. Der Plot ist dabei erfreulich frech, aber auch ein wenig wild und unübersichtlich geworden.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+