An seiner Seite - Fr. 07.05. - ARTE: 20.15 Uhr An seiner Seite

Ein Ehedrama zum Geburtstag

Ein melancholisches Ehedrama in Starbesetzung: Senta Berger und Peter Simonischek loten in „An seiner Seite“ aus, was es heißt, für den anderen Träume aufzugeben. ARTE zeigt den Film anlässlich des des 80. Geburtages der gebürtigen Wienerin.
03.05.2021, 20:30
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Von Maximilian Haase
Ein Ehedrama zum Geburtstag

Alles auf Start: Charlotte Kler (Senta Berger) zieht mit ihrem Mann Walter (Peter Simonischek) nach München.

ZDF / ARTE / Hendrik Heiden

Wenn Senta Berger am 13. Mai ihr 80. Lebensjahr vollendet, kann sie auf eine erfüllte und beispiellose Karriere zurückblicken. Doch warum nostalgisch werden? Schließlich beweist die gebürtige Wienerin ihr schauspielerisches Können aktuell wieder einmal sehr eindrücklich. Im Ersten brillierte sie schon im Februar im Drama „Martha und Tommy“ mit Jonathan Berlin in einer ernsten wie mitreißenden Rolle. Nun, kurz vor ihrem Jubeltag, widmet ihr auch ARTE einen melancholischen Film: In „An seiner Seite“ spielt Berger eine Frau, die ihr Leben fast ausschließlich ihrem berühmten Mann widmet. Was macht das mit einer Ehe? Gemeinsam mit ihrem österreichischen Kollegen Peter Simonischek sucht Berger unter Regie von Felix Karolus nach Antworten.

In ruhigen Bildern nähert sich der Film den Szenen einer Ehe, wie sie in gewissen bundesrepublikanischen Schichten wohl lange Normalität war - und ist. Senta Berger verkörpert in ihrer Rolle als Charlotte Kler jenen Typus von Ehefrau, die sich immer und ganz selbstverständlich dem Mann unterordnete, in diesem Fall ihrem Gatten Walter, einem berühmten Orchesterleiter (Simonischek). Nach Jahren des von seiner internationalen Karriere geprägten Lebens zwischen Los Angeles und Tokio ist das Paar endlich nach München zurückgekehrt. Auf die Zeit der Entbehrung soll nun mehr Zeit für die Familie folgen - genaugenommen für Tochter Viola (Antje Traue) und Enkelin Lisa (Laila Marie Noëlle Padotzke).

Die jedoch meiden den Kontakt zu Charlotte, Viola erhebt schwere Vorwürfe gegen ihre Eltern, die sie einst ins Internat steckten, um mehr Zeit für die künstlerische Laufbahn des Vaters zu haben. Kann ein Brief und ein klärendes Gespräch jahrelange Vernachlässigung wiedergutmachen? Derlei Fragen, nah am Leben, lotet der Film unaufgeregt, wenn auch bisweilen etwas schablonenhaft aus. Im Zentrum steht jedoch die Beziehung Charlottes zu Walter, der sich trotz des gegenseitigen Versprechens, mehr füreinander da zu sein, bereits auf ein Engagement in New York vorbereitet. Man ahnt, dass er derlei Entscheidungen schon immer ohne seine Frau traf. Es ist die Krux dieser Generation, deren patriarchales Selbstverständnis lange Zeit als völliger Konsens erschien: Wenn der Mann arbeitet, aufsteigt, Großes schafft, hat die Frau einfach mitzuziehen.

Eine Reihe für Senta Berger

Doch immerhin: Charlotte erkennt langsam, was ihr im Leben gefehlt hat, wie narzisstisch ihr Mann sich über die Jahre verhalten hat. Dass es dafür die Figur eines weiteren Mannes braucht, kann man dem Drehbuch zwar vorwerfen, gestaltet sich aber immerhin recht charmant: Thomas Thieme spielt den Witwer Martin Scherer, der eines Tages bei Charlotte klingelt und eine ungewöhnliche Bitte stellt: Der letzte Wunsch seiner kürzlich verstorbenen Frau sei es gewesen, dass ihr Grab auch ein wenig Erde aus dem Garten ihrer Kindheit enthalten soll. Prompt entsteht zwischen Charlotte und dem Bademeister, der einst als olympischer Schwimmer zu den Spielen 72 aus der DDR rübermachte, eine Freundschaft - eifersüchtig beäugt von Walter und kritisch kommentiert von Tochter Viola.

Martin hilft Charlotte bei der Hauseinrichtung, lädt sie zum Kaffee im Freibad und hat jede Menge Weisheiten auf Lager, wie das zerrüttete Familienverhältnis nach all den Jahren vielleicht noch gerettet werden kann. Das ist an manchen Stellen recht gefällig, doch bei alldem immer aufrichtig und sympathisch. Zudem kritisch, etwa wenn der sonst so hochzivilisierte Walter zu seiner Frau derlei Dinge an den Kopf wirft: „Ich pass nur auf, dass du keinen Unfug machst“, Charlotte wiederum sagt an einer Stelle jenen Satz, der für Generationen von Frauen galt und gilt: „Ich habe mich nicht scheiden lassen, wenn es mal schwierig war.“ Wie so viele ist sie eine Frau, die durchhält und glaubt, durchhalten zu müssen. Diese Haltung, und einen Versuch, sich davon zu befreien, zeigt der Film vortrefflich auf - vor allem dank einer tollen Senta Berger in der Hauptrolle.

Sie befinde sich im „Unruhestand“, sagte die Wahlmünchnerin vor wenigen Monaten im Interview. Als Zuschauer kann man nur hoffen, dass diese Phase noch etwas anhält. Mit dem Drama, das ARTE in Erstausstrahlung zeigt, beginnt der deutsch-französische Sender eine ganze Reihe zu Ehren von Senta Berger: Neben zwei Folgen aus Bergers Paradeserie „Unter Verdacht“ („Ein Richter“, Donnerstag, 13. Mai, 20.15 Uhr) läuft auch der Film „Willkommen auf dem Land“ (Montag, 3. Mai, 13.45 Uhr), in dem Senta Berger und Günther Maria Halmer zwei Großstädter in der Provinz spielen. Zusätzlich online zu sehen ist die Jubilarin im Drama „Satte Farben vor Schwarz“ an der Seite von Bruno Ganz.

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