"Tatort: Die Kälte der Erde" Ein "Industriewestern" aus dem Saarland

In ihrem vierten gemeinsamen "Tatort" bekommen es die Saarbrücker Ermittler Adam Schürk (Daniel Sträßer) und Leo Hölzer (Vladimir Burlakov) mit rivalisierenden Fußball-Hooligans zu tun. Doch auch die Vorgeschichte der einst besten Freunde wird wieder wichtig.
25.01.2023, 18:30
Lesedauer: 3 Min
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Von teleschau - Elisa Eberle

Als männerlastiger Krimi feierte der "Tatort" aus Saarbrücken im April 2020 seinen Neuanfang: Die durchtrainierten Kriminalhauptkommissare Adam Schürk (Daniel Sträßer) und Leo Hölzer (Vladimir Burlakov) traten nach sechs Jahren die Nachfolge von Kriminalhauptkommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow) an. Ihre Kolleginnen Esther Baumann (Brigitte Urhausen) und Pia Heinrich (Ines Marie Westernströer) waren anfangs eher blasse Nebenfiguren. Dass dies kein Zustand auf ewig bleiben würde, war schon in den darauffolgenden Filmen zu merken. Im nunmehr vierten Film wird das Publikum endlich mehr über die Ermittlerinnen erfahren: "Tatort: Die Kälte der Erde" (Regie: Kerstin Polte, Drehbuch: Melanie Waelde) ist nun im Ersten zu sehen.

Der Krimi erzählt von einem Fußball-Derby zwischen den Teams aus Saarbrücken und Kaiserslautern. Während die Polizei alle Hände voll zu tun hat, die Massen der feiernden Fans in Schach zu halten, spielt sich im Saarbrücker Krankenhaus ein Drama ab: Ein junger Mann (Nils Bannert) bricht vor dem Eingang zur Notaufnahme blutüberströmt zusammen. Die Rettungsversuche des diensthabenden Arztes Dr. Friedemann Lech (Till Butterbach) scheitern. Weil der Tote eine Schädelfraktur und eine Stichverletzung im Bein aufweist, wird die Kripo eingeschaltet.

Misstrauen und andere Probleme

Bei dem Opfer handelt es sich um den Studenten Andreas Schneider, der seinen Samstag bei einem Ackermatch verbrachte. Waren es die Mitglieder einer verfeindeten Hooligangruppe, die ihn so lebensgefährlich verletzten? War es womöglich Rache für eine Körperverletzung, die Andreas selbst vor Jahren an einem Gegner (Tamer Tahan) beging? Die Ermittlungen der Saarbrücker Kripo erweisen sich als schwierig: Denn kommt die Polizei ins Spiel, halten selbst die verfeindeten Hooligan-Gruppen zusammen. Hoffnung weckt ausgerechnet Esther Baumann, die sich als glühender Fußballfan entpuppt. Bringt sie ihre Freunde aus der Vereinskneipe zum Reden?

Hauptkommissar Adam Schürk hat derweil mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen: Er wird zu Hause überfallen. Der bewaffnete Täter fordert die Beute aus dem letzten Banküberfall, den Adams im vergangenen Film verstorbener Vater gemeinsam mit seinem Komplizen (Stephan Bissmeier), den Adam "Onkel Boris" nennt, beging. Adam hatte die Beute am Ende von "Tatort: Das Herz der Schlange" (Erstausstrahlung: Januar 2022) gefunden und versteckt. Nun scheint es, als müsse er sich wohl oder übel seinem Kollegen anvertrauen ...

"Ein wahrer Industriewestern"

"Für mich war es der erste 'Tatort' überhaupt als Regisseurin", erklärt Kerstin Polte. Zuletzt inszenierte die heute 47-Jährige unter anderem einige Episoden der ZDF-Dramaserie "WIR" (2021). Nach der Lektüre des Drehbuchs sei ihr schnell klar gewesen, dass sie "stilistisch gerne in eine Western-Richtung gehen möchte, natürlich ohne Pferd und Wüste, aber dafür inmitten der alten, gewachsenen und stillgelegten Industrielandschaften des Saarlandes": "Ein wahrer Industriewestern konnte so entstehen, in dem wir unter glatte Oberflächen tauchen sowie das Rohe, Verborgene, Unperfekte, Verletzliche in Menschen und Landschaften aufspüren."

Parallelen zum Western-Genre gibt es in der Tat: Gold-gelb-gefärbte Bilder tauchen die Szenerie in eine wüstenartige Stimmung, während am Ende ein echter Showdown zwischen der Polizei und dem für den Mord verantwortlichen Menschen steht. Das Setting und die Geschichte machen den "Tatort" zweifellos zu einem interessanten Fernsehstück. Leider leidet Spannung ein wenig unter der Nebenstory um Adam und seinen Vater. Vor allem Neulingen, die bislang keinen der drei Krimis aus dem Saarland gesehen haben, sei an dieser Stelle empfohlen, sich zumindest grob in die Vorgeschichte der beiden Kommissare einzulesen.

Ohne Vorgeschichte geht es nicht

Wir erinnern uns: Adam und Leo waren während ihrer Kindheit enge Freunde. Leo hatte seinen Kumpel einst vor dessen sadistischem, zu Gewalt neigenden Vater gerettet, indem er ihn in einer gewalttätigen Auseinandersetzung ins Koma schlug. Die beiden Jungen vertuschten die Tat. Die Freundschaft ging zu Bruch, und Leo wurde lange von Gewissensbissen geplagt ...

Dass die Kommissarinnen im neuen "Tatort" aus Saarbrücken eine größere Bedeutung haben, gefällt vor allem der Schauspielerin Ines Marie Westernströer: "In dem neuen Fall erfährt man immer mehr, dass Pia schon fast ein Workaholic ist, dass sie der Arbeit zuliebe nahezu gar nicht mehr pennt." Sie selbst hingegen "schlafe unheimlich gerne": "Da unterscheiden wir uns sehr", so die 36-Jährige.

Tatort: Die Kälte der Erde - So. 29.01. - ARD: 20.15 Uhr

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