"Die Promi-Pauker" unterrichten bei ZDFneo (ab 14.01., donnerstags, 19.30 Uhr)

Eine Klasse für sich

Promibonus? Fehlanzeige! Drei Stars müssen zwei Wochen lang an einer Gesamtschule unterrichten. Ein amüsantes wie aufschlussreiches Experiment.
01.01.2010, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Ute Nardenbach

Promibonus? Fehlanzeige! Drei Stars müssen zwei Wochen lang an einer Gesamtschule unterrichten. Ein amüsantes wie aufschlussreiches Experiment.

"Oh mein Gott! Gülcan Kamps unterrichtet mein Kind!?" - Mit Reaktionen wie dieser hatte die ZDFneo-Redaktion durchaus gerechnet, als sie mit einer ganz besonderen Projekt-Idee an eine Gesamtschule im Rhein-Erft-Kreis herantrat. "Die Promi-Pauker" (ab 14.01., donnerstags, 19.30 Uhr, ZDFneo) heißt das Format, in dem drei bekannte Menschen zwei Wochen lang den Job eines Lehrers übernehmen sollen. Die Furcht vor der VIVA-Quasselstrippe - eine der Ersatz-Pädagogen - war schließlich aber doch nicht so groß wie erwartet. Bei Schulleitung, Eltern und auch den Schülern selbst herrschte diesem TV-Experiment gegenüber vielmehr Interesse und Neugierde vor, berichtet Redakteur Jens Matthey. Und so durften sich neben Gülcan auch Politikerin Heide Simonis und Ex-Harald-Schmidt-Sidekick Manuel Andrack als Stars in die Manege Klassenzimmer trauen, wie nun in den fünf Folgen der Doku zu sehen ist.

"Interesse und Neugierde" überwiegen bei den Schülern also. Hört sich nach einem guten Start für die Neulinge an. Es heißt jedoch nicht, dass man die Stars mit offenen Armen empfängt. Auf einen Promibonus können sie jedenfalls nicht hoffen. Auch wenn sie vielleicht kurzzeitig interessant sind, so verblasst der Ruhm schnell beim langweiligen Konjugieren von Verben oder Durchgehen des Periodensystems der Elemente. Die Schüler machten den neuen Lehrern vorab jedenfalls keine falschen Hoffnungen: "Wir werden uns nicht verstellen, der Prominente wird es schwer haben", verspricht René aus der 8b. Seli aus der 5b findet auch keine aufmunternden Worte: "Es wird nicht einfach für den Prominenten, weil wir schon freche Kinder in der Klasse haben."

Gut, dass die Drei hochmotiviert sind. Denn wer nur mal seine Nase in eine Kamera halten will und nicht wirklich mit aller Kraft hinter dem Projekt steht, muss früher oder später scheitern. Und das möchte keiner der Stars, denn am Ende bekommen auch sie Zeugnisse ausgestellt. Die waren bislang etwa bei Gülcan, die nicht unbedingt für ihren Intellekt bekannt ist, immer gut. Für die 27-Jährige war ihre Schulzeit eine "spannende Entdeckungsreise von 13 Jahren". Nun wolle sie selbst Wissen vermitteln und anderen Menschen über Hürden hinweghelfen. "Lernerfolg - auch bei anderen - macht mich glücklich", sagt die VIVA-Moderatorin, die in der 8b die Fächer Biologie, Gesellschaftslehre und Englisch unterrichten wird.

Manuel Andrack (5b: Deutsch, Naturwissenschaften, Arbeitslehre Technik) und Heide Simonis (6c: Kunst, Naturwissenschaften, Arbeitslehre Wirtschaft) nimmt man den Studienrat auch ohne viele Erklärungen ab. Die beiden könnten ungeschminkt in jedem Lehrerzimmer Platz nehmen. Doch haben sie den Job wirklich drauf? Wie sieht er aus, der Alltag eines Lehrers? Geht der Stress-Level eher in die Richtung "fauler Sack" oder Burnout-Opfer? Die drei "Promi-Pauker" werden es in den nächsten zwei Wochen am eigenen Leib erfahren und die Zuschauer erhalten durch sie einen interessanten wie amüsanten Einblick in die vieldiskutierten Themen Schule und Bildung. "Ich glaube, dass diese Sendung einigen Menschen, gerade weil sie auch einen unterhaltsamen Teil hat, die Augen öffnet für das, was der Lehrerberuf eigentlich ist", sagt Schulleiterin Greta H.

Dem Bildungsauftrag am Publikum kommt der neue Digitalkanal ZDFneo (derzeit 0,2 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-jährigen Zuschauern), wo sonst vor allem Unterhaltung großgeschrieben wird, also nach. Gut möglich, dass sich vor allem das gewünschte junge Publikum für Frau Kamps im Lehrerstress interessiert. Doch auch der Unterricht vor Ort sollte durch die Gaststars im Klassenzimmer keinesfalls gestört werden. Denn begleitet wird das Experiment durch erfahrene Pädagogen, die auch einschreiten können, sollte die Unterrichtsstunde vollends aus dem Ruder laufen. "Wenn ich merke, da läuft irgendwas schief, dann stehe ich auf der Seite meiner Klasse und werde den Promi darauf hinweisen", verspricht Sabine P., Lehrerin der Klasse 6c.

Damit aber nichts schiefgeht, müssen die Aushilfslehrer erst einmal selbst pauken. Sechs Tage lang bekommen sie ein intensives Training inklusive praktischer Übungen. Denn wichtig sind nicht nur die Vermittlung des Stoffs oder das Lerntempo, nebenbei muss auch die Klassendisziplin aufrechterhalten werden. "Ich habe nur eine minimale Begabung für diesen Beruf", gibt Heide Simonis zu. Dennoch will sie sich dem Experiment stellen, um praktische Erfahrungen zu sammeln: "Alle reden von den Problemen, mit denen Lehrer konfrontiert werden. Alle reden von den körperlichen Anstrengungen, die sie plagen. Ich wollte das gerne mal von Nahem und vor allem mit Lehrern und Schülern zusammen erleben."

Manuel Andrack hat da weniger hehre Ziele: Er ist "Promi-Pauker" geworden, "weil mein bester Freund Lehrer ist und ich dem mal zeigen wollte, was eine Harke ist". Ob er da denn Mund mal nicht zu voll genommen hat? Nicht, dass sich seine Meinung über Lehranstalten noch ändert. Denn Andrack gesteht: "Ich war schon immer verhaltensgestört und bin außerordentlich gerne zur Schule gegangen."

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