Eine Familie unterm Hakenkreuz - Do. 29.04. - ARTE: 20.15 Uhr Eine Familie unterm Hakenkreuz

Ergreifendes Dokument einer deutschen Tragödie

Die 60-minütige Dokumentation (ARTE / NDR) beschreibt das Schicksal einer deutsch-jüdischen Familie vor und in der Nazizeit. Der Film dokumentiert, wie deutsch-nationale Gesinnung und späterer Rassenwahn in die Katastrophe führen.
25.04.2021, 19:00
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Von Wilfried Geldner
Ergreifendes Dokument einer deutschen Tragödie

Ein Hochzeitfoto von Erna und Helmut, 1932: Sie lernten sich im Sommer 1929 bei einem Ausflug an den Bodensee kennen. Da die beiden aufgrund ihrer Studienverpflichtungen anfangs noch häufig getrennt sind, schreiben sie sich leidenschaftliche Liebesbriefe.

ARTE / sagamedia Film- und Fernsehproduktion

„Dies ist die Geschichte einer großen Liebe, die plötzlich zu zerbrechen droht“, heißt es am Beginn des einstündigen Dokumentarfilms „Eine Familie unterm Hakenkreuz“ von Jutta Pinzler (ARTE / NDR). Helmut und Erna, er angehender Augenarzt, sie Medizinstudentin, lernten sich 1929 bei einem Ausflug an den Bodensee kennen. Zahlreiche Liebesbriefe schrieben sie sich in der Zeit danach. Ihr Sohn Hans stellte sie nun neben dem mehrstündigen selbst gedrehten Filmmaterial seines Vaters Helmut zur Verfügung. Auf diese Weise konnte ein sehr genaues, nichts beschönigendes Bild einer Beziehung entstehen, die wie aus heiterem Himmel bedroht wurde durch die rassistische Ideologie der Nazis.

Noch vor der „Machtergreifung“ vom 30. Januar 1933 äußern Freunde und Verwandte Bedenken wegen Ernas „halbjüdischer“ Herkunft. Helmut, inzwischen verheiratet mit Erna, trennt sich zwischendurch von ihr, hält dann aber zu ihr. Als Arzt schon früh in die SA eingetreten, zieht er an die Front, um so die Bestätigung der „Deutschblütigkeit“ seiner Frau zu erreichen. Es gelingt ihm ein dreiviertel Jahr nach seinem Soldatentod als Feldarzt in der Ukraine. Wie in einem dramatischen Spielfilm überschneiden sich fast auf den Tag genau der Brief-Jubel über das ersehnte Eiserne Kreuz erster Klasse und die Gefallenenmeldung kurz danach.

Der sehr persönliche Kommentar des 1934 geborenen Sohnes Hans Machemer hebt den Film über ähnliche Zeitgeschichtsdokumentationen hinaus. Schön, dass aus allen drei Söhnen ordentliche Wissenschaftler geworden sind, aber das Schweigen der Mutter in den Jahrzehnten danach gibt Hans zu denken. Nur durch Verschweigen könne sich eine so schreckliche Geschichte wie die seiner Familie wiederholen. Rückblickend will er in seinem Vater Helmut nur den „liebevollen Vater“, keinen Helden sehen.

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