Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution - Mi. 28.04. - ARD: 20.15 Uhr Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution

Filmisches Denkmal für Leipziger Helden

Leipzig, 1989: Eine Gruppe mutiger junger Umweltaktivisten gibt den Anstoß zu Protesten gegen das DDR-System. Aus dem gleichnamigen Sachbuch erschuf das Erste einen Feel-Good-Revolutionsfilm, der auch als Coming-of-Age-Geschichte einer jungen Frau (Janina Fautz) funktioniert.
23.04.2021, 15:30
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Von Eric Leimann
Filmisches Denkmal für Leipziger Helden

Aus der Leipziger Umweltbewegung junger Leute wird 1989 eine Revolution gegen die DDR: Der Film "Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution" entstand nach dem gleichnamigen Sachbuch. Janina Fautz und Ferdinand Lehmann (vorn) spielen die Hauptrollen.

MDR/UFA Fiction/Steffen Junghans

2017 erschien „Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution“ von Peter Wensierskis. In diesem Sachbuch nähert sich der Autor einer Gruppe von jungen Leuten an, die man 1989 auch in Fernsehbildern sehen konnte, die es in den Westen geschafft haben. Es waren Bilder von Leipziger Demonstranten, die zunächst gegen Umweltzerstörung und bald auch für Freiheit und den Sturz des DDR-Systems demonstrierten. Nun hat Thomas Kirchner („Der Turm“, „Kruso“) ein Drehbuch aus diesem Stoff gemacht, wobei die Leipziger Systemgegner von damals nicht eins zu eins in den Plot einflossen, sondern in fiktionalen „Mischfiguren“ verschmolzen.

Im Mittelpunkt steht die „Coming of Age“-Reise einer 19-Jährigen: Franka Blankenstein (Janina Fautz) wächst als Tochter von unpolitischen, eher systemtreuen Eltern in Leipzig auf. Ihr kleiner Bruder ist früh verstorben. Wahrscheinlich war die Umweltzerstörung in ihrer Heimat an seinem chronischen Leiden schuld. Als Franka Stefan (Ferdinand Lehmann) kennenlernt, ist sie fasziniert von der Energie des jungen Mannes. Stefan ist in einer Umweltgruppe aktiv, die unter dem Schutz der Kirche steht. Franka wird bald Teil dieser Gruppe, die an eine politisch klar fokussierte Flower-Power-Jugendbewegungs-Variante der DDR erinnert. Natürlich werden die jungen Leute von der Stasi auf Schritt und Tritt beobachtet, verfolgt und eingeschüchtert. Als deren Protestaktionen immer politischer werden und grundsätzlich das System infrage stellen, eskaliert die Situation ...

Parallelen zu „Fridays for Future“?

Peter Wensierskis Sachbuch, das aufgrund seiner porträthaften, sehr lebendigen Schilderungen rund um die Leipziger Gruppe schon fast selbst ein halber Roman ist, erhielt durchweg gute bis sehr gute Kritiken - es war natürlich eine filmische Steilvorlage. Viele wahre Anekdoten der furchtlosen Protestler von 1989 flossen in die Drehbuchversion oder ihre Figuren ein. Zum Beispiel jene, dass einer der Gruppe die Stasi-Spitzel „zurückausforschte“, sie fotografierte und Bilderstrecken der Überwacher anlegte und ausstellte. Heute kann man sagen: Der Mut dieser und vergleichbarer Gruppen, ja ihre Furchtlosigkeit haben zum Sturz des Unrechtssystems DDR entscheidend beigetragen. Vielleicht wäre daher ein Dokudrama die fast interessantere Herangehensweise gewesen, denn je mehr man über die Gruppe weiß, ihre Filme und Fotos sieht, desto mehr möchte man darüber erfahren, was diese Menschen tatsächlich gedacht haben und - was aus ihnen geworden ist.

Andererseits ist bekannt: Fiction erreicht deutlich mehr Zuschauer als Doku-Formate, und so setzt die ARD mit diesem Film unter der Regie von Horrorspezialist Andy Fetscher ("Tatort": Fürchte dich") den Leipziger Protestlern von einst ein Feel-Good-Denkmal. Es erinnert fast ein wenig an frühe Wende-Eventfilme, die gedreht wurden, als man noch staunend vor dem Erreichten stand. Dass mittlerweile eher kritische Töne und Post-Wendedramen im filmischen Narrativ die erzählerische Überhand übernommen haben, ist bekannt - und irgendwo auch verständlich.

Trotzdem oder gerade deshalb ist dieser Film Treibstoff für alle jene, die auch heute noch daran glauben, dass aus kleinen Gruppen, die furchtlos gegen zementierte Ungerechtigkeiten kämpfen, schneller als man denkt große Bewegungen und eine echte Zeitenwende werden können. Hauptdarstellerin Janina Fautz, 25 Jahre nach der Wende in Mannheim geboren, sieht in dem Stoff durchaus Parallelen zur Fridays-for-Future-Bewegung, die immer noch aus einer relativ schwach erscheinenden Position gegen die Klimazerstörung kämpft. Wer laut genug träumt, kann durchaus mit seinem Traum gehört werden. Vor allem, wenn es der Traum einer wachsenden Gruppe ist.

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