37°: Im Schuldenstrudel - Di. 27.04. - ZDF: 22.15 Uhr 37°: Im Schuldenstrudel

Gesichter hinter den nackten Zahlen

Immer mehr Deutsche sind hoffnungslos überschuldet, Corona macht ihre Lage oft noch bedrohlicher: Die neue Reportage zeigt Wege auf, wie man wieder zurück in ein selbstbestimmteres Leben finden kann.
22.04.2021, 19:00
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Von Rupert Sommer
Gesichter hinter den nackten Zahlen

Jessica lässt sich in einer Schulden-Beratungsstelle helfen.

ZDF/Marcel Martschoke

Zum Gefühl, in einer ausweglosen Klemme zu stecken, gesellt sich in Pandemie-Zeiten nicht selten noch die Hoffnungslosigkeit. Marcel Martschoke und Jens Niehuss zeigen in ihrer neuen Reportage „37°: Im Schuldenstrudel“, welche massiven sozialen Verwerfungen das Land derzeit belasten. Ihnen ist wichtig, dabei den oft namenlosen Betroffenen unter den fast vier Millionen Deutsche, die als überschuldet gelten, ein Gesicht zu geben. Die Filmautoren stellen drei Schicksale vor: drei Schuldner, die er über mehrere Monate hinweg begleiten durfte.

Warmes Essen nur nach dem Pfandflaschen-Sammeln

Die gerade mal 26-jährige Jessica aus Tübingen schlitterte schon im Teenager-Alter in gefährliche Abhängigkeiten. Sie wollte sich - wie viele junge Menschen - oft gleich viele Wünsche auf einen Schlag erfüllen: Handy-Verträge, Urlaubsreisen, teure Kleidung und vielleicht ein kleines bisschen Luxus. Über die Finanzierung und die Rückzahlung von Kauf-Raten dachte sie meist nicht lange nach. So häufte sie einen Schuldenberg an und musste Bekanntschaft mit dem Gerichtsvollzieher machen. Ihre Mutter hatte sie zeitweilig aufgegeben und den Kontakt eingestellt. Ein Neuanfang wird immer schwieriger. Heute lässt sie sich in einer Schulden-Beratungsstelle helfen.

Der 51-jährige Sven hatte schon Schulden mit in die Ehe eingebracht, weil er seine schwerkranke Mutter bis zu deren Tod pflegte und für die Behandlung viel Geld ausgab, das er oft nicht von der Krankenkasse erstattet bekam. Nun schuftet er als Apotheken-Ausfahrer fast zwölf Stunden am Tag, um seine Familie mit vier Kindern so gut es eben geht durchzubringen. „Meine Frau kann manchmal nur etwas kochen, wenn sie Pfandflaschen einsammeln geht“, sagt er.

Ihre eigene schwere Krankheit hatte die 57-jährige Andrea einst aus der Bahn geworfen. Sie schaffte es mittlerweile, den Krebs zu besiegen, doch die vielen Forderungen wachsen ihr über den Kopf. Oft sieht sie sich außer Stande, die Post mit den vielen Mahnschreiben auch nur zu öffnen. Erst langsam lernt sie es, sich ihrer Scham und den Schuldgefühlen zu stellen.

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