"Tatort"-Star ChrisTine Urspruch über ihre Serienrolle Dr. Klein "Ich wollte nie Kobolde spielen"

Als Rechtsmedizinerin im Münster-„Tatort“ kennen sie Millionen. Nun bekommt ChrisTine Urspruch (44) ihre eigene Serie: Auch dort spielt ihre geringe Körpergröße (1, 32 Meter) eine zentrale Rolle.
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Als Rechtsmedizinerin im Münster-„Tatort“ kennen sie Millionen. Nun bekommt ChrisTine Urspruch (44) ihre eigene Serie: Auch dort spielt ihre geringe Körpergröße (1, 32 Meter) eine zentrale Rolle. In „Dr. Klein“ (heute um 19.25 Uhr, ZDF) spielt Urspruch die erfolgreiche Kinderärztin Valerie Klein. Mit Cornelia Wystrichowski hat sie über ihre neue Serienrolle gesprochen.

Frage: Frau Urspruch, dem Fernsehpublikum sind Sie vor allem als Assistentin von Professor Boerne aus dem Münster-„Tatort“ bekannt. Hätten Sie gedacht, dass aus dem Ganzen ein solcher Kult wird?

ChrisTine Urspruch: Nein, wirklich nicht. Ich weiß noch, am Tag nach der Ausstrahlung der ersten Folge kam ich gerade aus einer Anatomievorlesung heim, die ich für die Rolle privat besucht hatte, da rief mich Jan Josef Liefers an und gratulierte mir zu der guten Quote. Aber erst im Lauf der Zeit haben wir wirklich begriffen, was wir da ausgelöst haben. Ich freue mich, ein Teil dieser Sache zu sein, mit Jan Josef Liefers und Axel Prahl an meiner Seite ist es einfach großartig.

Ist Herr Liefers, wenn die Kamera aus ist, auch so frech zu Ihnen wie als Boerne?

Nein, dann ist er ganz handzahm. Jan Josef Liefers, Axel Prahl und ich verstehen uns als Kollegen und Freunde sehr gut, und es geht immer richtig fröhlich zu, weil wir alle drei lustig sind. Natürlich gibt es mal ein paar flapsige Bemerkungen – aber nicht nur auf meine Kosten. Axel Prahl ist ja auch nicht der Größte unter der Sonne, daran kann ich mich auch so richtig weiden.

Hat sich Ihr Leben durch die „Tatort“-Rolle als Silke Haller, besser bekannt unter dem Namen Alberich, geändert?

Ja, schon. Die Aufmerksamkeit hat mir viel Popularität gebracht und dazu verholfen, in der Fernsehlandschaft wahrgenommen zu werden. Und auch wenn es einige Zeit gedauert hat: Letztendlich hat die Kontinuität in der „Tatort“-Rolle mir die Serie „Dr. Klein“ geschenkt.

Sind Sie schon immer so selbstironisch mit Ihrer Kleinwüchsigkeit umgegangen?

Das habe ich immer schon so gemacht. Bei mir manifestierte sich das schon im Teenageralter, mit der speziellen Schreibweise meines Vornamens mit großem T in der Mitte. Es ist meine Art des Umgehens mit mir selber, das aus einer ironischen Distanz zu sehen. Ich brauche den Humor, den Witz, das tut mir sehr gut. Ich würde das auch anderen Menschen gönnen, weil es das Leben viel schöner macht.

Waren Sie gleich von dem Konzept der neuen Serie überzeugt, die Ihre Größe offensiv und witzig thematisiert?

Ja, weil die Serie nicht nur satirisch oder komisch ist, sondern auch ernste und tragische Momente hat. Dr. Kleins Privatleben spielt eine große Rolle, sie ist als Mutter und Ehefrau gefordert und hat einen demenzkranken Vater. Es gibt viele Situationen, in denen Klein verzweifelt ist, ungerecht wird, nicht weiter weiß. Es war mir wichtig, dass es keine engelsgleiche Figur ist, die ich da spiele, sondern eine moderne Frau. Ich möchte, dass sich die Zuschauerinnen mit mir identifizieren können, auch wenn ich kleiner bin als die meisten.

Sie spielen eine Kinderärztin. Können Sie gut mit Kindern?

Ja, ich mag Kinder. Durch meine Rolle in den Verfilmungen der „Sams“-Bücher habe ich einen Bonus, weil viele Kinder mich kennen und in der Rolle mögen. In Zusammenhang mit den Filmen habe ich damals viele Lesungen gemacht, viele Gespräche mit Kindern geführt und dabei festgestellt: Es gibt einen guten Draht zwischen uns. Kinder fragen mich oft sehr direkt und unverblümt zu meiner Größe oder sagen Sachen wie: „Du darfst aber doch gar keinen Kaffee trinken, Du bist doch viel zu klein.“ Das fordert mich auf eine angenehme Weise und bringt mich dazu, mich dem Thema zu stellen.

Begegnen Ihnen Erwachsene verkrampfter als Kinder?

Ja, das ist leider oft wesentlich verkrampfter. Oft wissen sie nicht, ob sie aufrecht stehen bleiben sollen, sich herunterbeugen oder in die Hocke gehen. Manchmal spüre ich das und biete an, dass wir uns einfach hinsetzen, damit man sich auf Augenhöhe begegnet.

In der Serie nennt ein Kollege Dr. Klein abfällig einen Zwerg. Sind Sie im wahren Leben schon wegen Ihrer Größe beleidigt worden?

Ja, es fielen schon Worte wie Vorgartenzwerg oder Liliputaner. Das hat mich sehr getroffen, gerade in jüngeren Jahren. Ich sah mich als Mädchen oder junge Frau – und dann nannte mich jemand Zwerg, also ein Neutrum. Das war verletzend.

Wann haben Sie zum ersten Mal bemerkt, dass Ihre geringe Körpergröße Ihnen durchaus auch Vorteile bringen könnte?

Spätestens bei der Rolle als „Sams“. Als das Angebot kam, habe ich mich zuerst gesträubt, das war ja mein Albtraum: Ich wollte nie irgendwelche Kobolde oder so etwas spielen. Aber dann habe ich mich näher damit befasst, fand die Bücher toll und habe diese Figur mit Leib und Seele gespielt. Und dann habe ich gemerkt, wie gut das für mich war. Es hat mir geholfen, mein Schicksal anzunehmen, einfach das zu tun und zu sein, was ich am besten kann.

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