Der Kroatien-Krimi: Die Patin von Privonice - Do. 29.04. - ARD: 20.15 Uhr Der Kroatien-Krimi: Die Patin von Privonice

Im Dialog mit einer Trinkerleiche

In ihrem dritten Fall als Leiterin der Mordkommission in Split verschlägt es Stascha Novak (Jasmin Gerat) in diesem Kroatien-Krimi an die Grenze zu Bosnien-Herzegowina. Sie bekommt es dort mit einer scheinbar übermächtigen Gegnerin zu tun, der Chefin eines Schmuggler- und Menschenhändlerrings.
22.04.2021, 19:00
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Von Hans Czerny
Im Dialog mit einer Trinkerleiche

Die Kommissarin Stascha Novak (Jasmin Gerat) ermittelt in der Folge "Die Patin von Privonice" zum dritten Mal. Es ist der zehnte "Kroatien-Krimi" im Ersten.

ARD Degeto / Conny Klein

Der Mord an einem kroatischen Restaurantbetreiber im nunmehr zehnten Kroatien-Krimi der ARD (Regie: Michael Kreindl) scheint für Stascha Novak (Jasmin Gerat), Leiterin der Mordkommission in Split, leicht aufklärbar. Der Wirt war ein ziemlich übler Mensch, der seine Bediensteten unwirsch behandelt hat. Zudem ist er, ein schwerer Trinker, gegenüber der jungen rumänischen Saisonkraft Adina (Zoe Moore) übergriffig gewesen. Die Spuren weisen auf Notwehr hin. Doch dann ist Adina zusammen mit ihrem Freund und dessen Kumpel verschwunden. Die Fahndung nach dem Mörder führt Stascha und ihren Kollegen Emil (Lenn Kudrjawizki) in ihrem dritten eigenen Fall alsbald zur Titel-„Patin von Privonice“. In der Grenzstadt zu Bosnien-Herzegowina regiert die dubiose Unternehmerin Dunja, von Tatja Seibt mit Gangsteraura gespielt, über ein gewinnträchtiges Export-Import-Unternehmen, über Restaurantketten und, ja, noch viel mehr.

Es bedarf keiner großen Fantasie, um Dunja, die Gebieterin über viele Firmen, als eigentliches Objekt des zu klärenden Skandals zu identifizieren. Der Mordfall selbst gerät dadurch erst einmal in den Hintergrund, viel größere Rätsel geben die Machenschaften der Jugo-Patin auf. Die versierte Bühnendarstellerin Katja Seibt macht daraus eine so zynische wie geheimnisvolle Nummer. Durch die Eleganz des Alters wird das Krakenhafte kaum verdeckt. Das fordert Stascha, die ja auch nicht auf den Mund gefallen ist, zu recht subtilen Wortgefechten heraus (Drehbuch: Ulf Tschauder). Und es dauert eine ganze Weile, bis die Kommissarin dieser „Patin“ die Maske vom Gesicht reißen kann.

Bis das so weit ist, erfährt der Zuschauer viel über arme Saisonkräfte aus aller Herren Ländern, bevorzugt aus dem Osten. Sehr allmählich dringt die Handlung zum erwartbaren Kern der Sache vor, hält aber auch manchen Witz und gar Humor bereit. Sehenswert, wenn beispielsweise die Pathologin den durchbohrten Leberlappen des Ermordeten auf die Apothekerwaage klatscht und dabei auf die ohnehin nur noch geringe Lebenszeit des toten Trinkers verweist, während Stascha selbst gar noch beschwörend mit der Trinkerleiche spricht.

Viel Mafia-Stoff

Anders als im vorherigen Fall, „Jagd auf einen Toten“ (ARD, am 22.04.), wird diesmal auch die indirekte Kroatienwerbung hintenan gestellt. Ganz im Gegenteil: Man wundert sich, wieviel Mafia-Stoff so ein Kroatien-Krimi doch verträgt.

Nicht nur die smarte Chefin der Mordkommission wirkt knallhart, wenn auch humorig und mit Esprit. Auch möchte man keinesfalls im - übrigens fiktiven - Grenzort Privonice leben, mag er auch von noch so schöner Bergwelt umgeben sein. Dass der Regisseur aller Kroatienkrimi-Folgen, Michael Kreindl, allerdings in einer Vorankündigung versprach, nicht nur „hinter die Kulissen einer Kleinstadt am Rande der EU“ blicken zu wollen, sondern gleich auch noch von den dortigen „Strukturen, Träumen und Sehnsüchten“ erzählen wollte, blieb ein frommer Wunsch. Donnerstagkrimis haben, warum auch immer, nun mal ihre eigenen Genre-Gesetze.

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