Wann laufen die hippen Sport-Events? Im Freestyle durchs Olympiaprogramm

Lincoln Loop, Tail Grap und Back Flip: Wenn Vati und Mutti nur Bahnhof verstehen, schlägt bei Olympia die Stunde der Funsportler.
22.01.2010, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Jens Szameit

Lincoln Loop, Tail Grap und Back Flip: Wenn Vati und Mutti nur Bahnhof verstehen, schlägt bei Olympia die Stunde der Funsportler.

Nichts gegen die wackeren Athleten, die mit roten Schniefnasen im klassischen Langlaufschritt durch den Schnee stapfen. Nichts gegen die Riesentorläufer, Kufenflitzer und Rennrodler. Aber Tradition ist halt nicht alles. Wenn ARD, ZDF und Eurosport zwischen dem 12. und 26. Februar das olympische Schneetreiben aus der kanadischen Pazifikmetropole Vancouver in die Heimat übertragen, steht auch der Trendsport auf dem Programmplan. Woran man den erkennt? Na, im Zweifel am englischsprachigen Begriffsinventar. Lincoln Loop, Tail Grap, Iron Cross, Back Flip: keine Ahnung, was das ist? Kein Problem, denn wenn die besten Funsportler des Planeten ernst machen und um Medaillen kämpfen, ist eh nur noch Staunen angesagt.

Oder halt Gähnen. Was dann aber nicht daran liegt, dass Snowboarder, Crosser und Freestyler spektakuläre Moves - noch so ein neudeutsches Signalwort - schuldig blieben. Nein, wer die volle Olympiadröhnung live und in HD erleben will, der zollt der Zeitverschiebung Tribut und schlägt sich die Nacht um die Ohren. Zwischen 18.00 Uhr abends und 09.00 Uhr morgens berichten das Erste und Zweite live im Wechsel von Wettkämpfen. Der Spartensender Eurosport kennt während der zwei Olympiawochen überhaupt keine Verschnaufpause und sendet erst live und anschließend Wiederholungen - 24 Stunden nonstop. Damit den Interessierten ja keine Medaillenentscheidung durch die Lappen geht, soll sogar mit Splitscreens gearbeitet werden.

Dass in den Halfpipes, Eisröhren und auf den Buckelpisten bemerkenswert viel Edelmetall für deutsche Starter abfällt, scheint eher unwahrscheinlich. Aber egal: Bei den atemberaubenden Schaueffekten, die spektakuläre Tricks und Jumps mit sich bringen, ist das patriotische Mitfiebern eh zweitrangig. Beim Snowboarden etwa, wo immerhin die Miesbacherin Amelie Kober, Silbermedaillengewinnerin vor vier Jahren in Turin, zum Favoritenkreis beim Parallelriesenslalom zählt.

Los geht's bei den Brettakrobaten am Montag, 15.02., zur besten Sendezeit. Ab 20.15 Uhr überträgt das Erste die Quali-Läufe zum Snowboardcross der Herren, ab 23.30 Uhr steht das Finale auf dem Programm. Die Cross-Damen sind einen Tag später im Zweiten dran. Ab 20.30 Uhr gibt's Live-Impressionen von den Vorläufen, das Finale ist ab 22.30 Uhr zu sehen. Am Mittwoch, 17.02., kommt's dann weniger auf Geschwindigkeit und mehr auf Akrobatik an: Ab 23.30 Uhr treffen sich die Herren erstmals zum Kräftemessen in der Halfpipe. Der Finaldurchgang ist für 04.40 Uhr im Ersten anberaumt. Tags darauf dürfen die Damen in die Halfpipe, um 01.00 Uhr und schließlich um 03.00 Uhr im Zweiten.

Bis die Tore zum Parallelriesenslalom aufgebaut werden, hat es dann über eine Woche Zeit. Am Freitag, 26.02., starten ab 22.30 Uhr die Damen inklusive der deutschen Medaillenhoffnung Amelie Kober. Die Slalom-Herren machen den Olympiasieger anderntags ab 01.15 Uhr unter sich aus - jeweils im Ersten.

Wer Skifahrer bei so viel hipper Funsportsause gegenüber den Snowboardkönnern im Hintertreffen sieht, sei auf die Freestyler verwiesen, die ihre Geschicklichkeit bereits seit 1992 bei Olympia unter Beweis stellen dürfen. Ab Samstag, 13.02., 02.00 Uhr (Finale: 04.40 Uhr) jagen die Damen die Buckelpiste im Ersten hinunter, am Sonntag darauf, ab 02.30 Uhr sind's die Männer im ZDF. Der rasante Ski Cross, bei dem sich der Deutsche Simon Stickl Außenseiterchancen ausrechnet, ist für Sonntag, 21.02., (06.00 Uhr, Finale der Herren, ARD) und Dienstag, 23.02., (23.30 Uhr, Finale der Damen, ARD) anberaumt. Auf möglichst spektakuläre Sprünge kommt es am Mittwoch, 24.02., (04.30 Uhr, Finale der Damen, ZDF) und Donnerstag, 25.02., (02.00 Uhr, Finale der Herren, ARD) an.

Atemberaubend ist das, was die besten Freestyler und Snowboarder aufzubieten haben, während für die Kollegen vom Skeleton eigentlich nur eine Kategorie greift: völlig wahnsinnig. Mit bis zu 130 Stundenkilometer stürzen sich die Männer und Frauen den Kopf voran auf Schlitten den Eiskanal hinunter. Seit den Spielen von 2002 in Salt Lake City ist die Sportart, die den Tod bereits im Namen trägt, nach vorangegangener 54-jähriger Pause wieder olympisch, und das hat sich gelohnt. Fürs Publikum, das die todesmutigen Piloten bewundert. Und auch für die deutsche Medaillenbilanz. Denn klar, im Land des Hackl-Schorsch finden sich auch bei der waghalsigeren Rodelvariante echte Cracks.

Aussicht auf Gold haben sowohl Kerstin Szymkowiak als auch die amtierende Weltmeisterin Marion Trott, die am Donnerstag, 18. Februar, erstmals durch die Eisrinne schießen. Das ZDF zeigt ab 01.00 Uhr die Qualifikationsläufe, ab 02.00 Uhr und schließlich ab 04.00 Uhr parallel auch die der Herren. Junioren-Weltmeister Sandro Stielicke und Europameister Frank Rommel müssen sich dann beweisen. Die Finalläufe sind anderntags im Ersten zu sehen. Bei den Damen fallen ab 00.45 Uhr die Medaillenentscheidungen, die Herren sind im Anschluss dran. Ab 03.15 Uhr startet der dritte, ab 04.45 Uhr der vierte und letzte Lauf.

Ob die deutschen Funsport-Asse den Medaillenspiegel nun aufpolieren oder nicht: Mit der Gastgeberstadt Vancouver haben sie einen Ort getroffen, dessen Lebensgefühl zu ihnen passt. Das legt zumindest eine ZDF-Dokumentation aus der Reihe "Traumstädte" nahe (Mittwoch, 10.02., 00.55 Uhr), die sich zwei Tage vor der Eröffnungsfeier perfekt zur Einstimmung anbietet. Filmautor Uwe Kröger ließ sich unter anderem von der jungen Rocksängerin Jessica Beach durch Szenebars und Second-Hand-Klamottenläden führen und lernte so "Die 'Coole' am Pazifik" kennen. Zwischen Hippie-Romantik, Multikulti-Ambiente, Ökobewegung und Großstadt-Flair zeigte sich vor allem eins: Olympia und "glowing hearts" hin oder her - im "coolen" Vancouver lässt man sich nicht stressen.

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