Unter Verdacht: Das Blut der Erde - Fr. 30.04. - ARTE: 20.15 Uhr „Unter Verdacht: Das Blut der Erde“

Komm, schenk mir ein!

Nicht um griechischen Wein, sondern um stinknormales Trinkwasser geht es im „Unter Verdacht“-Film von 2012, der nun wiederholt wird. Und mal wieder um Spezl-Wirtschaft und Korruption ...
24.04.2021, 18:30
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Von Jens Szameit
Komm, schenk mir ein!

Der Chef des Wasserwerks, Toni Schiermeier (Friedrich von Thun), scheint gegenüber Eva Prohacek (Senta Berger) etwas zu verheimlichen.

ZDF / Bernd Schuller

Wie gut, dass in Bayern überall ein paar Fläschchen Bier zur Hand sind. Denn mit dem Trinkwasser sieht es buchstäblich trübe aus in der fiktiven Voralpengemeinde Brunnharting. Eine scheußliche Plörre plätschert aus dem Hahn. Die Rohrleitungen sind dringend sanierungsbedürftig. Ein Kleinkind soll am Dreckswasser sogar gestorben sein. Was spricht also dagegen, das örtliche Wasserwerk schleunigst an einen finanzstarken Investor aus dem Ausland zu veräußern?

Es dauert nicht lange im Film aus der ZDF-Krimireihe „Unter Verdacht“ - nun von ARTE wiederholt -, da hat die ehrenwerte Kriminalrätin Eva Prohacek (Senta Berger) gleich eine Reihe stichhaltiger Einwände gegen den geplanten Millionencoup bei der Hand. Ihre Spezialität ist schließlich das Aufdecken von Spezl-Netzwerken und Korruption. Und überhaupt: Darf „Das Blut der Erde“, wie es pathetisch im Episodentitel von 2012 heißt, in privater Hand sein?

Es ist eine fast schon philosophische, in jedem Fall aber brandaktuelle Frage, die Rainer Berg (Buch) und Andreas Herzog (Regie) im nunmehr 19. Beitrag der vielleicht intelligentesten Krimireihe des deutschen Fernsehens aufwerfen. Ist Trinkwasser nun ein öffentliches Gut? Oder doch nur eine Ware wie andere auch - wenngleich eine unschätzbar kostbare? Und was bedeutet es, wenn profitorientierte Konzerne, womöglich noch aus dem Ausland, den Preis von etwas bestimmen, das uns auf trügerische Weise selbstverständlich erscheint?

Prohacek inmitten höchst dubioser Spezl-Seilschaften

Ein eigentlich harmloser Fall führt die Münchner Ermittlerin für interne Polizeiangelegenheiten und ihren knurrigen Kollegen Langner (Rudolf Krause) hinaus aufs Land. Bald schon aber geht es nicht mehr darum, ob, wie und von wem sich ein Dorfpolizist seine Dienstwaffe hat stehlen lassen, die bei einem Einbruch abgefeuert wurde. Prohacek und Langner stolpern unversehens über höchst dubiose Spezl-Seilschaften, die nicht nur im Zusammenhang mit dem Einbruch, sondern auch mit zwei ungeklärten Todesfällen zu stehen scheinen.

Ein verzweifelter Mitarbeiter des vor dem Verkauf stehenden Wasserwerks hat sich offenbar in den Tod gestürzt. Dazu ist ein Kleinkind ums Leben gekommen, nachdem ihm die Mama einen Brei mit verdrecktem Leitungswasser angerührt hat. Da drängt die privat eng verbandelte Allianz aus Wasserwerksbetreiber, Bierbrauer und Bauunternehmer die Bürgermeisterin, die Abstimmung über den geplanten Wasserwerksverkauf an ein internationales Konsortium vorzuziehen. Profitieren würden die Honoratioren von dem Deal allemal. Aber ist er auch Sinne der Allgemeinheit?

Gerd Anthoff in Höchstform

Geradezu genüsslich wird das komplexe Korruptionsgebilde langsam entblättert. Dass die oft bierernste „Unter Verdacht“-Reihe diesmal bisweilen eine satirische Leichtigkeit atmet, liegt an der frischen Inszenierung und vor allem am wieder mal sensationellen Gerd Anthoff als Kommissariatsleiter Dr. Claus Reiter.

Welch kapitaler Fehler seiner ehemaligen Schul-Spezl, dem Oldtimer-Fan den Ankauf einer malerischen Hütte, die er sich als Alterssitz ausgeguckt hatte, zu verwehren! Sie hätten es wissen müssen: Wer diesen abgezockten Hund aus der Hütte sperrt, dem zeigt er die Zähne. Aufklärungsinteresse aus verletzter Eitelkeit sozusagen. Von einer solchen Type gibt's im deutschen Fernsehen keine zweite.

Senta Berger feiert 80. Geburtstag

Trotzdem standen für die Zuschauer die Zeichen 2019 auf Abschied, als bei ARTE die 30. und letzte Episode der großartigen Filmreihe ausgestrahlt wurde. In „Evas letzter Gang“ schloss sich nach über 17 Jahren die Akte „Unter Verdacht“ mit einem angemessen schwermütigen Finale samt furiosem Showdown. Wehmütig gab Berger damals gegenüber der Nachrichtenagentur teleschau zu Protokoll: „Ein Kapitel meines Lebens geht zu Ende. Dennoch: Es war der richtige Zeitpunkt.“ Den Zeitpunkt dieses Abschieds selbst gewählt zu haben, erleichtere ihr die ganze Sache.

Auch von der Schauspielerei generell zieht sich Senta Berger, die am 13. Mai ihren 80. Geburtstag feiert, langsam aber sicher zurück. Nur noch ausgewählte Rollen, etwa im bewegenden Drama „Martha und Tommy“ (2021) übernehme sie, erklärte die deutsche Schauspielgröße jüngst in einem Interview: „Ich werde weiter in meinem Beruf arbeiten, wenn es etwas ist, was ich herausfordernd und vergnüglich finde.“

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