"Ich Idiot bin vorher noch nie dagewesen" Kurt Krömer reiste für die 3sat-Reportage "Polen für Anfänger" (Sonntag, 25. April, 20.15 Uhr) mit Steffen Möller durch das Nachbarland

Chaos-Krömer in Polen, das geht tiefer, als man fürchtet.
09.04.2010, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Frank Rauscher

Chaos-Krömer in Polen, das geht tiefer, als man fürchtet.

Krömer ist zum allerersten Mal in Polen, klar, dass er da erst mal etwas fremdelt. Aber bei der schönen Weinkönigin von Zielona Gora ist die Berliner Schnauze dann doch in ihrem Element. Zumal die nette Blondine den skurrilen Besucher aus Deutschland, der ihr für ein paar hübsche Bilder bei der Rebenlese zur Hand geht, auch ganz herzlich lobt: "Sie sind sehr guter Gastarbeiter!" Und dann würde sie ihm sehr gerne etwas von irgendwelchen gesetzlichen Bestimmungen und den damit verbundenen Widrigkeiten der lokalen Winzerei erklären, aber Krömer fällt ihr mit seiner in Polen noch unbekannten Treffsicherheit anzüglichst ins Wort: "Können wir nicht mal in den Keller gehen und dort weiter reden?" Die adrette Dame kontert lächelnd: "Ja, aber erst nach Arbeit!"

Das ist schließlich nicht Urlaub in Polen, sondern "Polen für Anfänger". Und nicht die einzige Überraschung, die Kult-Komiker Kurt Krömer auf dieser für eine launige 3sat-Sendung inszenierten Reise erlebt. Krömer on the road - zusammen mit dem Schauspieler, Kabarettisten und Autor Steffen Möller, dem berühmtesten Deutschen in Polen. In federleichten 45 Minuten werden die Klischees gleich reihenweise entzaubert. "Polen für Anfänger" steht am Sonntag, 25. April, um 20.15 Uhr, im Zentrum eines ganzen deutsch-polnischen Thementages, den 3sat unter dem Titel "Nowa Polska" zusammengestellt hat.

Krömers Sause ist das Highlight: Witzige, nur selten alberne und jederzeit völlig schmerzlose TV-Unterhaltung, die sich glücklicherweise die Freiheit nimmt, die ganz schweren Kapitel deutsch-polnischer Befindlichkeiten einfach mal links liegen zu lassen. Dafür sind an diesem Thementag andere Sendungen zuständig, der Spielfilm "Am Ende kommen Touristen" (22.00 Uhr) etwa oder die Dokumentation "Für Danzig sterben?" (13.30 Uhr).

Der Krömer-Trip beginnt stilecht, Krömer-like: Mit einem gelben Benzinkanister auf dem Schoß sitzt er am Bahnhof und wartet auf den Zug nach Warschau ... "Ick war noch nie in Polen jewesen", sagt er, und in Polen soll das Benzin billig sein. Hat er gehört. Keine guten Voraussetzungen eigentlich für eine Tour im Sinne der Völkerverständigung. Aber das wird schon. Denn Steffen Möller ist ja dabei. Und der ist ein ausgemachter Kenner polnischer Befindlichkeit und in Polen nichts anderes als ein Star, der seit 1994 in dem Nachbarland lebt und in über 500 Folgen der populären Telenovela "M jak Milosc" ("L wie Liebe") dabei war. Als sich beim Sightseeing in Warschau plötzlich eine aufgeregt gackernde Menschentraube auf das Duo zubewegt, kann sich der Autor des Buches "Viva Polonia" einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen: "Jetzt haben sie mich erkannt. Den Herrn Krömer kennt hier niemand."

Der unbedarfte deutsche Fernsehzuschauer hält sich wohl eher an Kurt Krömer, der in Warschau über die horrenden Preise und die Zelebrierung der Marktwirtschaft staunt, schönen Polinnen, strengen Katholiken, glühenden Patrioten begegnet, und auf einmal trotzdem alles irgendwie ganz normal findet. Die Entdeckungsreise führt das Duo mit einem schrottreifen Fiat Polski durchs Land, und im demografisch gesehen jüngsten Staat Europas werden sie von der Vielfalt und Offenheit beinahe überwältigt.

Ganz im Ernst resümiert Krömer: "Krakau finde ich sehr schön. Da ist im Krieg nicht so viel zerstört worden wie in Warschau. Aber das Schönste an Polen fand ich eigentlich das Essen. Das Essen war ein Traum! Ich habe in einem typischen Restaurant mit Hausmannskost eine 'Polish Plate' gegessen und war hin und weg. Und sonst war es die Gastfreundschaft der Polen. Überall hat man das Gefühl, man ist gerne gesehen." Als er sich an einem Marktstand in Krakau als Mitbringsel noch ein paar Krakauer Würste mitnimmt, steht für den Berliner mit dem Streberscheitel längst fest: Er kommt wieder. Denn: "Die Polen sind sehr lustig, stehen sehr auf schwarzen Humor. Da dachte ich immer: Das ist mir alles so vertraut, und ich Idiot bin vorher noch nie dagewesen."

So ein Film muss fast zwangsläufig mit einem Stück Aktionskunst enden: "Weeste wat?", sagt ein geläuterter Kurt Krömer auf einer Brücke stehend. "Den Kanister lass ick hier. Is ne völlig schwachsinnige Aktion, in das schöne Land zu kommen und dann nur hier zu tanken!" Sprach's und wirft das gelbe Plastikding in die Oder. Gelbe Karte - ökologisch gesehen. Aber, klar, "det hat symbolischen Charakter!"

Der Thementag beginnt um 11.15 Uhr mit der Natur-Doku "Steffens entdeckt: Polen - Europas letzter Urwald". Auch Kulturzeit-Moderatorin Tina Mendelsohn unternimmt in einer Ausgabe von "Kulturzeit extra" (19.10 Uhr) eine Reise nach Polen, fährt die Oder entlang und fragt, wie nah sich Polen und Deutsche heute tatsächlich sind. Der Dokumentarfilm "Tschüss DDR! Über Warschau in die Freiheit" beleuchtet um 17.00 Uhr ein fast vergessenes Kapitel des Herbstes 1989, als DDR-Bürger Zuflucht in der Warschauer Botschaft suchten. In diesen und zahlreichen weiteren Dokumentationen, Reportagen und Spielfilmen will 3sat nach eigenem Bekunden über Missverständnisse aufklären und lang gehegte Vorurteile auf den Prüfstand stellen.

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