"Was Mick Jagger kann, kann ich auch!" Marta Jandová sitzt ab 19. August in der "Popstars"-Jury (donnerstags, 20.15 Uhr, ProSieben)

Rockerbraut und Popstars-Jurorin - passt das zusammen? Marta Jandová spricht im Interview über Castingshows, die tschechische Presse und ihr musikalisches Gehör.
16.07.2010, 00:00
Lesedauer: 6 Min
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Von Anna Julia Höhr

Rockerbraut und Popstars-Jurorin - passt das zusammen? Marta Jandová spricht im Interview über Castingshows, die tschechische Presse und ihr musikalisches Gehör.

Seit 17 Jahren macht Marta Jandová mit ihrer Band Die Happy ("Supersonic speed") Rockmusik, im September erscheint das siebte Album. Die gebürtige Tschechin musste hart für ihren Erfolg arbeiten und jahrelang durch Deutschland touren, bis der ersehnte Plattenvertrag auf dem Tisch lag. Castingshows passen auf den ersten Blick also eher gar nicht zu der sympathischen Ex-Freundin von Sänger Sasha. Ab 19. August sitzt die 36-Jährige in der neuen "Popstars"-Jury (donnerstags, 20.15 Uhr, ProSieben) und sucht Sangestalente. Püppchen und unechte Persönlichkeiten haben dabei keine Chance. - Vollblut-Rockerin Jandová will echte Musiker.

teleschau: Frau Jandová, Sie sind Sängerin einer Rockband, und ihre Lieblingsalben kommen von Bands wie Jimmy Eat World, Incubus und den Beatles. Wie schlimm wird "Popstars" für Sie?

Marta Jandová: (lacht) Das wird gar nicht schlimm für mich! Ich bin zwar seit 17 Jahren Sängerin in einer Rockband, aber auch wir schreiben ganz gerne mal Balladen. Und ich höre auch gerne Popmusik. Klar finde ich es manchmal traurig, dass Bands wie Green Day erst nach der Veröffentlichung einer Ballade richtig groß geworden sind und Popsternchen wie Britney Spears sich plötzlich Nietengürtel anziehen. Die Dinge entwickeln sich zur Mitte, sie werden weniger kantig. Wenn die Melodie schön ist und das Lied eine Idee hat, ist es mir aber egal, was für ein Musikstil das ist.

teleschau: Mit Ihrer Band Die Happy haben Sie jahrelang um jeden einzelnen Fan gekämpft. Ein krasser Gegensatz zum "Popstars"-Prinzip ...

Jandová: Definitiv. Ich muss auch zugeben, dass ich am Anfang wirklich kein großer Fan von Castingshows war. Ich hatte häufig das Gefühl, dass die Kandidaten verheizt werden. Der Gesang war zweitrangig, man wollte Freaks. Mittlerweile finde ich aber, dass sich viel bessere Leute anmelden. Jetzt gehen auch wirklich glaubhafte Musiker dahin.

teleschau: Zu "Popstars"?

Jandová: Ja! Wir haben ein paar Mädchen, die so echt sind, die so grandios singen und eine tolle Ausstrahlung haben. Ich glaube, diese Leute kommen jetzt erst, weil sie sich jetzt erst trauen. Castingshows haben inzwischen eine Berechtigung.

teleschau: Die Fans von Die Happy sehen das auch so? Oder was sagen die dazu, dass Sie jetzt bei einer Castingshow mitmachen?

Jandová: Das ist ja nicht mein erstes Mal. Ich habe in Tschechien schon bei "Tschechien sucht den Superstar" mitgemacht. Natürlich gibt es manche, die sich aufregen und fragen: Was macht die Marta da, wenn sie vor acht Jahren gesagt hat, dass Castingshows doof sind? Die glauben, ich verliere dadurch meine Glaubwürdigkeit. Aber ich bin mittlerweile 36 Jahre alt, ich bin aus dem Alter raus, in dem ich ständig gegen alles bin. Ich gebe offen zu, dass ich früher kein Freund von Castings war. Das hat sich geändert. Am liebsten sind mir die Fans, die sagen: Dann muss ich jetzt halt doch "Popstars" schauen. Und die meisten gucken es doch sowieso schon.

teleschau: Zusammen mit Thomas M. Stein und Detlef D! Soost suchen Sie eine reine Mädchenband, weil die bei "Popstars" bislang am erfolgreichsten waren. Was können Frauen im Musikgeschäft besser als Männer?

Jandová: Für die heranwachsenden Mädchen sind die "Popstars"-Kandidatinnen eine Art Idol, deswegen haben sie auch mehr Erfolg als die Jungs. Klar, in die Jungs verlieben sich die Mädchen, aber das verfliegt schnell wieder, wenn so ein Justin Bieber um die Ecke kommt. Die Mädchen aber bleiben ihre Vorbilder. Und ich finde es auch gut, dass es in dieser Zeit, in der Eltern gar nicht mehr viel Zeit für ihre Kinder haben, Powermädchen im Fernsehen zu sehen gibt, die als Vorbilder dienen. Da sehen sie dann Mädels mit den gleichen Problemen. Das zieht die Zuschauerinnen an.

teleschau: Wird die neue Popstars-Staffel mit Ihnen anders? Rockiger?

Jandová: Ich weiß nicht, ob es anders wird. Mit anderen Juroren ist es doch immer irgendwie anders. Ob besser oder schlechter, das werden wir dann ja sehen. Ich habe jedenfalls sehr viel Spaß mit Thomas und Detlef, wirklich. Ich schwöre! (lacht)

teleschau: Lena Meyer-Landrut, der jünste Casting-Erfolg, hat neue Maßstäbe gesetzt. Haben die "Popstars"-Mädchen ohne Lolita-Image und britischem Akzent überhaupt eine Chance?

Jandová: Ach, ich glaube nicht, dass es der Akzent war. Den finden doch die meisten sowieso furchtbar. Lena ist anders, sie versucht nicht, mit Make-up und coolem Auftreten in den Vordergrund zu treten. Klar, sie ist dünn und hübsch, aber kein konstruiertes Pop-Püppchen. Die Leute sind froh, dass da mal wieder ein normales Mädchen vor ihnen steht, das sich im T-Shirt sein Abi abholt. Wie geil ist das denn?! Man muss echt sein, nicht irgendwas einstudieren. Ich bin sehr dankbar, dass unsere Jury genau darauf keine Lust hatte. Unechte Mädchen haben wir beim Casting direkt wieder nach Hause geschickt.

teleschau: Die Botschaft ist also, dass heute wieder echte Musiker gefordert werden?

Jandová: Ja, nur die können sich halten. Die Prinzessinen sind meistens One-Hit-Wonder. Natürlichkeit hält am längsten.

teleschau: Als Sie mit Die Happy angefingen, gab es noch keine Castingshows. Wären Sie sonst hingegangen?

Jandová: Ich glaube nicht, ich wollte ja nie Sängerin werden. Ich habe nie an mein Können geglaubt. Mein Vater ist ein berühmter Musiker in Tschechien, ich hatte immer Angst, mit ihm verglichen zu werden. Also hätte ich sicher auch nicht gut abgeschnitten. Als ich zehn Jahre alt war, wollte meine Mutter unbedingt wissen, ob ich ein musikalisches Gehör habe und hat mich zu einer Opernsängerin ins Konservatorium geschickt. Die hat meine Mutter dann mitleidig angeschaut und gesagt: "Nein, ihre Tochter hat leider kein musikalisches Gehör." Ich habe den ganzen Weg nach Hause geweint.

teleschau: Und dann wurden Sie Sängerin. Also doch ein musikalisches Gehör.

Jandová: Ja, also doch (lacht). In Deutschland konnte ich mich mit der Band langsam hocharbeiten, das war cool.

teleschau: Sie haben einmal gesagt, dass Sie nur zu Die Happy gegangen sind, weil man Ihnen ein Leben als Rockstar versprochen hat. Wie lebt es sich denn so als Rockstar?

Jandová: Ach, als kleiner Rockstar lebt es sich schon schön. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht, lerne tolle Menschen kennen und darf sehr viel reisen. Aber es gibt auch unangenehme Seiten, und die habe ich in meiner Heimat Tschechien nur zu gut kennengelernt. Jeder Schritt wird in der Presse kommentiert - je schlechter, desto besser. Das ist in Tschechien noch mal ein bisschen anders als in Deutschland. Da wird von der Presse wirklich alles geschrieben.

teleschau: Mit "Popstars" werden Sie jetzt noch viel mehr in der Öffentlichkeit stehen ... Haben Sie davor Angst, oder freuen Sie sich drauf?

Jandová: Beides. Erfolg zu haben, macht einen riesigen Spaß. Also freue ich mich. Vor der Öffentlichkeit habe ich schon ein bisschen Respekt, aber ich habe die "Tschechische Schule" hinter mir, so viele Probleme kann es also gar nicht geben.

teleschau: Können Sie die teilweise noch sehr jungen "Popstars"-Kandidatinnen denn mit gutem Gewissen in das harte Musikgeschäft schicken?

Jandová: Wichtig ist, dass man das nicht von heute auf morgen tut. Es ist ein Riesenschritt, den die Mädchen machen. Man braucht eine gute Vorbereitung, sonst denkt man am Ende noch, man ist die Größte und bricht zusammen, wenn die ersten schlechten Artikel kommen. Bei "Popstars" gibt es zum Glück die Coaches und uns, wir werden die Mädchen gut vorbereiten. Viele kommen vom Land, kennen es nicht, auf der Straße erkannt zu werden. Das ist schon viel am Anfang.

teleschau: Bestimmt auch mit den männlichen Groupies. Oder ist das Groupie-Dasein reine Frauensache?

Jandová: Also ich weiß ja nicht, ob das bei allen Frauen so ist, aber ich hatte noch nie einen Groupie ... Und die Männer, die einem gefallen, wenn man sie im Publikum sieht, die kommen nach dem Konzert nicht auf einen zu. Und ich stell mich ja nicht hin und sage ins Mikro: Du da hinten im roten T-Shirt, hast du nicht Lust, mit mir später einen Kaffee trinken zu gehen? Außerdem ist es doch sowieso nicht gut, was mit einem Fan anzufangen.

teleschau: Das haben Sie auch noch nie gemacht?

Jandová: Nein, ich bin glücklich vergeben. Aber mein Vater ist mit seinem Fan sogar verheiratet (lacht).

teleschau: Mittlerweile sieht man Sie immer öfter im Fernsehen, jetzt bei "Popstars" und bei ZDFneo moderieren Sie das Magazin "neoMusic". Eine Alternative zum Rockstar-Dasein?

Jandová: Rockstar kann man sein, bis man stirbt. Zumindest Mick Jagger kann das. Klar, bei Frauen ist das was anderes. Aber wenn Mick Jagger das kann, kann ich das auch, und wenn ich mit 50 noch Lust habe, rumzuspringen, dann spring ich eben rum. Ansonsten klebe ich mir einfach ein paar Nieten auf den Gehstock (lacht) - Rockstar sein ist Kopfsache. Ich habe vor, das lange zu machen, und meine Band ist meine größte Liebe. Fernsehen macht auch Spaß, aber da muss ich mich erst rantasten. Ich bekomme auch aus Tschechien wirklich viele Angebote, aber ich kann das ja nicht alles machen, nur um Geld zu verdienen und bekannt zu bleiben.

teleschau: Aber Fernsehen lässt sich natürlich besser mit einer Familie vereinbaren ...

Jandová: Ja, aber ich arbeite nicht an einer Familie, ich lasse das alles auf mich zukommen und das Schicksal entscheiden. Wenn es passieren soll, bin ich glücklich. Im richtigen Alter wär' ich. Aber ich fokussiere das nicht. Ich mache jetzt "Popstars" und dann kommt ja auch das neue Album von Die Happy raus.

teleschau: Und das wird wie?

Jandová: Rockig! Wir haben zwei Balladen drauf, und beim Rest wird ordentlich auf die Kacke gehauen! Ich hab es erst letzte Woche zwischen den ganzen Castings fertig eingesungen. Wir sind gerade wie kleine Kinder, weil wir jeden Tag neue fertig gemischte Songs von unseren Produzenten geschickt bekommen. Das Album kommt am 24. September raus, und wir gehen dann auch sofort im Oktober auf Tour!

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