TV-Tipp Meisterwerk „Corpus Christi“ auf Arte

Don Camillo würde sich im Grabe umdrehen: Der junge Ex-Knacki Daniel fängt in einem polnischen Dorf als falscher Priester an und erweist sich als der beste Mensch im Ort. Ein Top-Drama im Arte-Spätprogramm.
29.08.2022, 13:07
Lesedauer: 2 Min
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Von dpa

Der neue Priester kennt sich mit den Abgründen des Lebens aus. Er hat sich bis zur Bewusstlosigkeit betrunken. Er hat gekokst. Er hat hemmungslosen Sex mit Frauen gehabt.

Er hat sogar getötet. Doch das weiß in der kleinen Kirche im hintersten Winkel von Polen keiner der Gläubigen. Die frommen Dörfler sind einfach nur froh über den Ersatzmann für ihren Alt-Priester, der in Entziehungskur ist. Und der 20-jährige Daniel (Bartosz Bielenia) macht sich prächtig in der Soutane. Er predigt vom Leben und von Schuld und von Hoffnung.

Das hat der junge Hochstapler alles vom Gefängnispriester Pater Tomasz gelernt, dem er auch gleich den Vornamen geklaut hat. Wird er auffliegen?

Das polnische Drama „Corpus Christi“ läuft am Mittwoch (31.8.) um 22.00 Uhr auf Arte. Ein Film, der im Gegensatz zu vielen deutschen Produktionen das Qualitätssiegel Tragikomödie wirklich verdient.

Ein Geistlicher zu werden, das ist für Daniel ein aufrichtiger Lebenswunsch. Doch er hat mit seiner Knast-Vergangenheit keine Chance auf die Aufnahme in ein Priesterseminar. Stattdessen fristet er seine Tage im Jugendgefängnis und muss sich vor Vergewaltigern in Acht nehmen. Als er zur Bewährungsauflage in einem Sägewerk am anderen Ende des Landes anfangen soll, holt er frech ein Priestergewand aus seiner Tasche und erschleicht sich das Vertrauen der Gemeinde.

Schnell muss Daniel feststellen, dass es in dem angeblich so friedlichen Dorf weniger um Nächstenliebe, als um Macht, Geld, Lügen und alte Rechnungen geht. Der junge Ex-Knacki wächst schnell in seine Rolle hinein und versucht den Werten der Bibel Recht zu verschaffen. Doch als ein früherer Mitgefangener auf der Kirchenbank auftaucht, wird die Luft dünner für den falschen Gottesmann im schwarzen Frack.

Hauptdarsteller Bartosz Bielenia zeigt immer wieder in Großaufnahme das Abbild eines jungen Mannes ohne Ziel, der verzweifelt jedes Fünkchen Hoffnung greift, um sein verkorkstes Leben zu ändern. Die wachsende innere Unschuld seines Helden steht im Kontrast zu den Dörflern, die sogar so weit gehen, einen Unfallfahrer aus Rache schon seit Jahren nicht in geweihter Erde bestattet zu haben. Der junge Hochstapler enthüllt die Bigotterie der Dorfgemeinschaft.

Schon Jan Komasas Debüt „Suicide Room“ (2011) lief auf der Berlinale. Sein zweiter Film „Warschau 44“ (2014) war eine Rekonstruktion des Warschauer Aufstands von 1944. „Corpus Christi“ von 2019 ist sein drittes Werk. Es fußt auf wahren Begebenheiten.

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