"X Factor"-Siegerin Edita Abdieski im Interview "Mir wurde total schwindlig"

Köln . "Es ist Wahnsinn!" - "X Factor"-Siegerin Edita Abdieski wirkt noch immer wie geschockt, doch die Vorfreude auf das neue Leben als Pop-Diva ist beinahe grenzenlos. Im Interview sprudeln die Worte aus dem 25-jährigen Energiebündel nur so heraus.
12.11.2010, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Frank Rauscher

Köln . "Wonderful Life", singen die Synthpopper Hurts in der Verbindungsschleife bei Sony Music Entertainment ... Macht Laune und passt irgendwie zum Thema, denkt man sich, und da meldet sich schon eine erstaunlich frisch klingende Edita Abdieski am Telefon. Erstes Interview zum furiosen Sieg bei der vox-Castingshow "X Factor", und gar keine Frage: Die Frau steht zwei Tage nach dem Finale noch völlig unter Strom. Gut so.

Die Worte sprudeln aus dem 25-jährigen Energiebündel nur so heraus. Edita gibt sich nicht anders als in den Vox-Sendungen: Sympathisch, liebenswert, bescheiden und doch absolut zielstrebig. Der "X Factor"-Sieg, der ihr nun die Single "I've Come To Life" und direkt danach ein erstes Album beschert, soll erst der Anfang einer amtlichen Popkarriere sein, lässt sie wissen. Und in der Tat ist der aus der Schweiz stammenden Wahlkölnerin mit montenegrinischen und mazedonischen Wurzeln vieles zuzutrauen. Fleißig ist sie, und das Talent hat Stimmwunder Edita allemal.

Herzlichen Glückwunsch, Edita! Wie geht's Ihnen zwei Tage nach dem "X-Factor"-Wahnsinn?

Edita: Ich bin immer noch so voll mit Adrenalin, kann das alles gar nicht fassen. Es ist Wahnsinn!

Wahrscheinlich schon lange nicht mehr ausgeschlafen, oder?

Edita: Von wegen! Ich habe letzte Nacht einfach mal 13 Stunden durchgeschlafen. Wie so ein Hamster am Tag. Ich war wie erschlagen. Das hat mir gut getan und war nach all der Aufregung auch dringend nötig.

Was hat in den letzten Tagen am meisten genervt?

Edita: Überhaupt nichts. Ehrlich! Bis jetzt hat alles viel Spaß gemacht.

Und was war der Höhepunkt? Als Moderator Jochen Schropp am Dienstag in der Finalshow letztendlich Ihren Namen als Siegerin ausrief?

Edita: Ja, das war einer der schönsten Momente meines Lebens. Ich habe das wie in Zeitlupe wahrgenommen. Mir wurde auf einmal total schwindlig, ich wollte mich nur noch hinfallen lassen ...

Jetzt, da Sie es sagen: Ein bisschen musste man sich als Zuschauer schon sorgen...

Edita: (lacht) Echt? Till Brönner und die Mädchen von Big Soul waren ja da und haben auf mich aufgepasst. Die kamen danach auch sofort, haben mich gehalten und gedrückt. Das waren wirklich unglaubliche Momente.

Als Sie schließlich nach all dem Trubel doch irgendwann zum ersten Mal wieder etwas zur Ruhe gekommen sind und im Bett lagen - was ging in Ihrem Kopf vor? An was dachten Sie?

Edita: An alles. Ich bräuchte eigentlich vier Köpfe, um das hier zu verarbeiten. Wissen Sie, das ist im Moment so: Ich liege im Bett und sehe mich, wie ich als kleines Mädchen vorm Spiegel stehe und meinen Kamm als Mikrofon benutze. Dann springen die Gedanken 20 Jahre weiter zur Finalshow, und ich lasse den ganzen Wahnsinnsabend Revue passieren

Haben Sie die Tage auch an Dieter Bohlen und "DSDS" gedacht - da wurden Sie einmal in der allerersten Castingrunde kommentarlos abgelehnt?

Edita: Ach nein. So schlimm war das damals für mich nicht. Ich musste mir seinerzeit nur sagen: Okay, ich passe nicht in dieses Konzept. vox hat ein anderes Publikum, geht anders an die Sache ran - ich bin sehr froh, dass ich bei "X-Factor" gelandet bin.

Hatten Sie je ernsthafte Zweifel daran, dass sich der Kindheitstraum erfüllen wird?

Edita: Ja, es gab gerade in der jüngeren Vergangenheit schon Zeiten, in den ich dachte: Ich bin schon 25, und ich will doch Popmusik machen, aber dafür werde ich irgendwann zu alt sein. Wann passiert das denn endlich? - Und plötzlich passiert es. Das Verrückteste ist die ganze Aufmerksamkeit, die man auf einmal bekommt - vorher hat man seinen Traum ja mehr oder weniger alleine geträumt.

Jetzt stehen Sie schon seit August im Fokus der Aufmerksamkeit, bekommen Fanpost, treffen Stars, finden sich in den Medien wieder. Denken Sie, diese Zeit hat Sie verändert?

Edita: Wenn dir Woche für Woche die Leute sagen: "Mensch, das ist gut"? Wenn einen ein Klassemusiker wie Till Brönner unentwegt lobt? - Ja, aber nur insofern, als dass es mich stärker gemacht hat. Die Zeit gab mir sehr, sehr viel Kraft, und ich glaube heute viel mehr an mich als noch vor ein paar Monaten.

Gleich am Anfang, als Sie den Joss-Stone-Song "Tell Me Bout It" gesungen hatten, verglich Sie Till Brönner mit einem Rennwagen...

Edita: Ich weiß bis heute gar nicht, was er meint. Singe ich zu schnell? (lacht) Nein, ich glaube, jetzt habe ich's verstanden.

Sind Sie stolz?

Edita: Ja, schon. Aber es überwiegt einfach die Freude. Ich freue mich so sehr darauf, meine eigene Musik vorzustellen. Ich mein', ich arbeite seit 20 Jahren an genau diesem Traum, habe nichts anderes im Kopf, wenn ich schlafen gehe und wenn ich aufwache - und jetzt sagen mir meine Freunde: "Oh, mein Gott! Du bist auf Platz eins der i-Tunes-Charts!"

An solchen Dingen kann man am ehesten festmachen, was da gerade passiert.

Edita: Ja, wahrscheinlich. Plötzlich gibt es da draußen Menschen, die sich meinen Song auf den Rechner geladen haben. Es ist nicht zu beschreiben. Ich hoffe nur, das bleibt jetzt noch ganz lange so.

Der Sieg in der Castingshow soll erst der Anfang sein, oder?

Edita: Ja, das ist noch längst nicht mein Ziel. Ich habe wirklich vor, ganz viele Alben aufzunehmen und ganz viele Herzen mit meiner Musik zu erreichen. Ich will auf die Bühne und mit meiner Band live spielen. Ich habe so viel Energie in mir und so viele Ideen, die ich alle verwirklichen will.

Die Rennwagen-Mentalität!

Edita: (lacht) Auf jeden Fall bin ich grundsätzlich sehr positiv gestimmt. Ich habe immer versucht, mich nicht unterkriegen zu lassen. Und ich gehe ganz sicher auch weiter ganz normal durch mein Leben.

Normal?

Edita: Einfach mal im Trainingsanzug rüber in den Supermarkt gehen, das ist für mich normal. Und wenn mich jetzt eben ein paar Leute erkennen, ist das doch auch nicht schlimm.

Was kommt jetzt?

Edita: Erstmal noch ein paar ruhige Tage. Ich will das nächste Wochenende genießen, mich mit meinen Freunden hinsetzen und ein paar Filme gucken. So etwas habe ich in den letzten Monaten so sehr vermisst. Und meine Freunde, die immer treu im Publikum saßen, habe ich schon etwas vernachlässigt zuletzt. Es gibt also einiges nachzuholen.

Und welchen Traum verwirklichen Sie sich mit dem ersten großen Geld? Eine tolle Reise, ein schickes Auto?

Edita: Ach was. Mein nächster großer Traum ist es, jetzt so schnell wie möglich auf einer großen Bühne zu stehen - kein Witz! Meine eigene Musik machen zu können, das ist mein großer Traum.

(teleschau)

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