Spielfilmdebüt „Nico“ - Eine Geschichte von Trauma, Mut und Freundschaft

Nico ist eine lebensbejahende Altenpflegerin, die ihren Job liebt. Doch ein rassistischer Übergriff nach einer Party im Park ändert alles.
11.05.2022, 16:30
Lesedauer: 2 Min
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Von dpa

Was für Auswirkungen kann ein rassistischer Übergriff auf einen Menschen haben? Das können Zuschauer im einfühlsamen und höchst emotionalen Spielfilmdebüt von Regisseurin Eline Gehring nachvollziehen, in dem die Hauptfigur Nico (Sara Fazilat) uns spüren lässt, welch schlimme Folgen Rassismus für den Körper und den Kopf haben kann.

„Hast du mich gerade geschubst oder was?!“ - Mit einem Rempler auf dem Heimweg fängt alles an. Eigentlich war Nico zuvor eine fröhliche und selbstbewusste Frau, die Spaß am Leben hatte. Doch ein rassistischer Übergriff nach einer Party im Park ändert alles. Die Deutsch-Perserin Nico wird von einer Gruppe Männer, angeführt von einer aggressiven Frau, zusammengeschlagen und wacht in einem Krankenhaus auf - danach ist sie kaum wiederzuerkennen.

Karate als Ventil

Immer wieder wird Nico von Flashbacks an den schrecklichen Angriff geplagt. Die 180-Grad-Drehung von einer lebenslustigen Altenpflegerin hin zu einer in sich gekehrten, ängstlichen und wütenden Frau zeigt, wie sehr sich Traumata auf Körper und Psyche auswirken können. Im Karate findet Nico eine Art Ventil für die eigenen Gefühle. Doch obwohl das harte Trainingsprogramm von Karate-Weltmeister Andy ihr etwas hilft, ihre Emotionen zu kanalisieren, wird schnell klar, dass sich derartige psychische Folgen nicht einfach wegtrainieren lassen.

Nico verliert nach und nach die Verbindung zu sich selbst und ihrem alten Leben. Auch ihre Beziehung zu ihrer besten Freundin Rosa (Javeh Asefdjah) sowie ihren Patientinnen und Patienten auf der Arbeit fängt an zu bröckeln. Erst als Nico auf die Mazedonierin Ronny (Sara Klimoska) trifft, entwickelt sich eine Verbindung zwischen den beiden Frauen, die Nico dazu veranlasst, den eingeschlagenen Weg in Frage zu stellen.

Einfühlsame Dialoge

„Nico“ ist nicht nur das Spielfilmdebüt von Eline Gehring, sondern gleichzeitig die Abschlussarbeit von Hauptdarstellerin Sara Fazilat im Studium Produktion an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB). Der Film ist in der Vorauswahl für den Deutschen Filmpreis 2022 in der Kategorie Spielfilm. 2021 wurde Fazilat bereits für ihre Rolle als Nico beim Filmfestival Max Ophüls Preis als „Bester Schauspielnachwuchs“ ausgezeichnet. Bildgestalterin Francy Fabritz war ebenfalls an dem Drehbuchentwurf beteiligt.

Mit „Nico“ ist es dem Trio gelungen, Themen wie Freundschaft, Selbstermächtigung und Traumabewältigung einfühlsam und reflektiert umzusetzen. „Wir haben uns mit unserer Wut und Hilflosigkeit darüber auseinander gesetzt, dass bis heute Rassismus und Sexismus immer noch zu unser aller Alltag gehört“, heißt es in einem gemeinsamen Regie- und Produktionsstatement. Um dieser Wut möglichst authentisch Ausdruck zu verleihen, habe man sich für Filmfiguren entschieden, die große Identifikationsflächen bieten. So soll von Anfang an mit vielen improvisatorischen Elementen gearbeitet worden sein.

Diese Elemente kommen vor allem in den ehrlichen und einfühlsamen Dialogen zwischen Nico und ihrer Patientin Brigitte zum Vorschein. Mit einem packenden Debüt ist den Drehbuchautorinnen ein mitreißender, humorvoller und reflektierter Film zu einem leider immer noch allgegenwärtigen Thema gelungen.

- Nico, Deutschland 2021, ca. 79 Minuten, FSK ab 12 Jahren, von Eline Gehring, mit Sara Fazilat, Sara Klimoska, Javeh Asefdjah, Andreas Marquardt, Brigitte Kramer, Isidoro Fernandez Mompelier und Sabrina Tannen.

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