Ernst genommen Regisseur Pete Docter wurde mit "Oben" (auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich) eine besondere Ehre zuteil

"Oben"-Regisseur Pete Docter freut sich auf die Zukunft des Animationsfilms.
22.01.2010, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Andreas Fischer

"Oben"-Regisseur Pete Docter freut sich auf die Zukunft des Animationsfilms.

Pete Docter (41) schaffte etwas, was vor ihm noch niemandem gelang: Sein Animationsspaß "Oben", die zweite Regiearbeit nach "Die Monster AG" (2001), wurde als Eröffnungsfilm in Cannes gezeigt. Der Filmemacher denkt anlässlich des DVD- und Blu-ray-Starts seiner liebevollen Reise ins Paradies über die Zukunft das Wesen der Animation und die Zukunft Kinos nach.

teleschau: "Oben" war der erste Animationsfilm, der das wichtigste Filmfestival der Welt eröffnete. Wie war es denn für Sie in Cannes?

Pete Docter: Natürlich überwältigend: Sonne, Strand, der berühmte rote Teppich. Doch ehrlich gesagt: Ich schwitzte Blut und Wasser. Mir wurde von Kollegen und Freunden gesagt, das Publikum in Cannes sei kritisch und würde einen Film auch schon mal ausbuhen. Erst recht bei der Eröffnung. Doch dann bekamen wir stehende Ovationen.

teleschau: Die Einladung zum Festival könnte als Hinweis verstanden werden, dass Animationsfilme erwachsen geworden sind und nicht mehr als "Kinderkram" betrachtet werden, oder?

Docter: So sehen wir es jedenfalls. Wir sind alle echte, seriöse Filmemacher, sprechen dieselbe Filmsprache, machen dasselbe Handwerk und bringen dasselbe künstlerische Potenzial ein. Wenn der Rest der Welt das langsam anerkennt, ist das ein großes Kompliment und fühlt sich fantastisch an.

teleschau: Warum ist Carl Fredericksen, Ihr mürrischer Protagonist in "Oben", so ein untypischer Filmheld?

Docter: Ist er ja gar nicht, zumindest ist sein Synchronsprecher Edward Asner überzeugt, dass er jede Frau haben könnte (lacht). Im Ernst: Wir wollten jemanden mit starkem Charakter, mit einer eigenen, auch etwas starren Meinung. Dadurch konnten wir ihn in viele extreme Situationen schicken. Es macht einfach Spaß, ihm zuzusehen, wie er sich grummelnd darin zurechtfinden muss. Das hat uns von Anfang an interessiert.

teleschau: Sie sind seit fast 20 Jahren bei Pixar, sind Sie manchmal überrascht von der Geschwindigkeit, mit der sich die CGI-Animation entwickelt?

Docter: Seit 1990, als ich hier anfing, hat sich in der Tat viel verändert, ist viel gewachsen. Ich sehe es eher so, dass die Technologie uns Filmemachern immer mehr Freiheiten einräumt.

teleschau: Die mittlerweile von Realfilmern wie Robert Zemeckis und James Cameron ausgiebig genutzt werden ...

Docter: Genau. Aber in fünf Jahren wird nach dem, was wir heute als erstaunlich und innovativ betrachten, kein Hahn mehr krähen, weil es dann jeder macht. Denken Sie an "Jurassic Park", der vor nicht allzu langer Zeit als einer der ersten Filme Computereffekte einsetzte. Das große Wundern hat sich mittlerweile gelegt.

teleschau: Warum entschied sich Disney trotz aller technischen Entwicklungen dafür, mit "Küss' den Frosch" zurück zum handgezeichneten Trickfilm zu gehen?

Docter: John Lasseter (Disneys Animationschef, d.Red) ist ein großer Fan des Genres, ich bin es übrigens auch. Wir hatten das Gefühl, dass die klassische Technik als Sündenbock missbraucht wurde, weil sich das Publikum nicht mehr für Trickfilme interessierte. Also wurde die "Handarbeit" als antiquiert abgestempelt. Fakt ist aber, dass die Storys vorhersehbar und immer schwächer wurden. Jetzt besinnt man sich wieder auf das Wesen der Animation, egal ob am Computer gemacht oder gezeichnet.

teleschau: Was ist denn wichtig?

Docter: Karikatur. Animation beobachtet das Leben und gibt es überspitzt wieder. Unsere größte Stärke ist: Wir können unwichtige Sachen einfach auslassen, wichtige Dinge verstärken. Sei es im Design oder der Charakterzeichnung. Das können wir Animationskünstler sehr gut.

teleschau: Sie tragen Ihren Teil dazu bei, dass es immer wieder Neues zu entdecken gibt: "Oben" war der erste Pixar-Film, der komplett in 3D gedreht wurde ...

Docter: Das ist teilweise richtig. Aber so wie die Computer rechnen, war es immer dreidimensional. Jetzt haben wir den Film aber auch so auf die Leinwand gebracht.

teleschau: Was ein echtes Erlebnis war. Ist 3D die Rettung des Kinos?

Docter: Das ist die Hoffnung der Studios und Kinobetreiber, klar. Weil es ein ganz neues Erlebnis für das Publikum ist. Aber für mich ist es eher nebensächlich: Wichtig ist, dass unsere Filme überhaupt im Kino gesehen werden. Dafür sind sie gemacht. Am schlimmsten finde ich es, wenn sie auf Minibildschirme im Flugzeug eingesperrt werden und dann noch ständig jemand vorbeikommt und durchs Bild läuft oder der Pilot den Film unterbricht. Filme sollen ein gemeinsames Erlebnis sein. Und wenn das durch 3D erreicht werden kann, dann sollten wir mehr 3D-Filme machen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+