"Eine starke Geschichte, die man erzählen sollte" Regisseur Robert Dornhelm über seinen Film "K2 - The Italian Mountain"

Arbeiten bei bis zu Minus 27 Grad auf 3.500 Metern Höhe: Regisseur Robert Dornhelm über einen Dreh, der ihm und seiner Crew einiges abverlangte.
15.06.2012, 00:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Frank Rauscher

Arbeiten bei bis zu Minus 27 Grad auf 3.500 Metern Höhe: Regisseur Robert Dornhelm über einen Dreh, der ihm und seiner Crew einiges abverlangte.

Regisseur Robert Dornhelm (74) hat ja schon eine Menge gemacht - von Spielfilmen wie "Echo Park" über Hollywood-Serien wie "Into the West" bis hin zu großen TV-Produktionen im deutschsprachigen Raum wie "Kronprinz Rudolf" oder "Krieg und Frieden". Durch besondere Bergaffinität ist der in Malibu lebende österreichische Filmemacher, der sich 1978 sogar über eine Oscar-Nominierung (für den Dokumentarfilm "The Children of Theatre Street") freuen durfte, jedoch noch nicht aufgefallen. Zeit wurde es also für den Regisseur, der in mancherlei Hinsicht gerne mal zwischen den Welten zu pendeln scheint. Am Rande der Dreharbeiten zur italienisch-österreichischen Koproduktion "K2 - The Italian Mountain" in Hall in Tirol sprach Dornhelm auch über sein geplantes Filmprojekt über Grace Kelly.

teleschau: Ihre Filmografie ist lang - aber mit den Bergen hatte bislang noch keines Ihrer Projekte zu tun ...

Robert Dornhelm: Das stimmt. Aber in meiner Biografie geht es ohnehin kreuz und quer durch alle Genres - und so etwas hat mir gerade noch gefehlt (lacht).

teleschau: Haben Sie ein besonderes Faible für den Alpinismus?

Dornhelm: Ich? Vor diesem Film bestimmt nicht.

teleschau: Aber Sie waren trotzdem sofort dabei, als Ihnen Ihr Freund Norbert Blecha die Regie des K2-Films antrug?

Dornhelm: Ja. Weil es eine starke Geschichte ist, die man erzählen sollte. Und das Drehbuch war spannend - das zählt. Ich weiß noch, als ich nach "Anne Frank - Die wahre Geschichte" (Nominierung für den Emmy in der Kategorie bester Regisseur einer Miniserie, d. Red.) von amerikanischen Produzenten für die Spartacus-Verfilmung angefragt wurde. Die fragten mich glatt: "Have you done Romans before?"

teleschau: Und was antworteten Sie?

Dornhelm: No, I have not done romans. But I have done stories. And stories are stories. (lacht) Das Schöne an meinem Beruf ist, dass man seinen Horizont ein Leben lang erweitern kann, wenn man dafür bereit ist, und dass der eigene Spieltrieb befriedigt wird. Da macht man dann auch mal das eine oder andere Zugeständnis ...

teleschau: Nämlich?

Dornhelm: In diesem Film: Das Drehbuch sieht vor, dass meine Protagonisten auf über 5.000 Metern Höhe miteinander reden. Eine absolute Unmöglichkeit, echte Alpinisten werden mir das womöglich um die Ohren hauen. Aber ich nehme lieber die Flüche der Bergsteiger in Kauf als die der Hauptzielgruppe, den reifen Damen (lacht).

teleschau: Aber Sie hatten Bergsteiger beim Drehen dabei?

Dornhelm: Unmengen! Wir brauchten sie als Berater und allein schon als Doubles für die Stunts - aber dann haben meine wunderbaren italienischen Schauspieler beschlossen, dass sie fast alle Bergszenen selber drehen. Mitunter waren das richtig gefährliche Sachen. Die Angst, die im Film einige Male in den Gesichtern zu sehen sein wird, war ziemlich echt.

teleschau: Als Ihr Kollege Joseph Vilsmaier seinen Nanga Parbat-Film drehte, trainierte er zuvor monatelang mit den Schauspielern ...

Dornhelm: Herauskam ein unwahrscheinlich aufwendiger Film, mit viel Liebe zum Detail. Ich habe trotzdem das genaue Gegenteil gemacht, weil ich der Meinung bin: Ein Berg ist ein Berg, wir sind im Illusionsgeschäft, da braucht es kein Method Acting und keine großartige Bergsteigerausbildung der Schauspieler, sondern Atmosphäre und großartige Bilder. Ich schätze Vilsmaiers Film, aber wenn ich jetzt meine Bilder sehe, finde ich, wir können mithalten, obwohl wir ein viel kleineres Budget hatten.

teleschau: Wie ging es Ihnen selbst beim Drehen in der Kälte?

Dornhelm: Atemnot, permanent eiskalte Füße, leichte Erfrierungen ... Ich habe jetzt eine deutlich bessere Kondition und in den zwei Wochen, die wir oben am Gletscher arbeiteten, vier Kilo abgenommen. Mehr muss man, glaube ich, nicht sagen.

teleschau: Gewicht verloren, aber die Liebe zu den Bergen gewonnen?

Dornhelm: Nein. Ganz im Gegenteil. Mich treibt es auch weiterhin nicht hoch. Aber ich habe die Leidenschaft der anderen entdeckt. Psychologisch ist das auch hochinteressant: Einmal auf dem Gipfel stehen und das auch noch als Erster überhaupt - warum wollen das diese Jungs unbedingt? Ich vermute, es ist so etwas, wie der alte Machismo-Traum des Mannes, einmal eine Jungfrau haben zu können. Ja, vielleicht geht es um die Suche nach diesem stolzen Gefühl: Ich bin der Einzige, der es schafft. Und am Ende rammen die Männer, die für ihren Traum ihr Leben riskiert haben, eben die Fahne in das Gipfeleis. Wobei ich diesen Teil am wenigsten mag - ich bin gegen Flaggen und alles, was damit zu tun hat. Flaggen gehören nicht auf einen unschuldigen Berg.

teleschau: Sie wuchsen in Rumänien auf, emigrierten in den 60er-Jahren mit Ihrer Familie nach Österreich und leben heute abwechselnd in Kalifornien und Europa. Sehen Sie sich als Weltbürger?

Dornhelm: Das kann man wohl so sagen. Und Patriotismus ist mir immer schon fremd gewesen - außer beim Fußball, wo ich aber auch nicht grundsätzlich für Österreich bin.

teleschau: Sondern?

Dornhelm: Immer für den Underdog!

teleschau: Der Filmproduzent Jan Mojto köndigte an, dass er mit Ihnen als Regisseur das Leben von Grace Kelly verfilmen lassen will. Wie konkret ist das Ganze?

Dornhelm: Sehr konkret. Ich werde das machen.

teleschau: Wissen Sie schon, wer die Rolle spielen wird?

Dornhelm: (lacht) Nein, so weit sind wir noch nicht. Das Problem ist: Es ist eine internationale Großproduktion - und jeder will seine Grace: die Italiener, die Franzosen, die Amerikaner, alle wollen bei der Besetzung mitreden - entsprechend schwierig, entsprechend politisch droht die Suche nach der richtigen Schauspielerin zu werden. Zwischenzeitlich hatten wir sogar schon eine wunderschöne ungarische Kandidatin im Auge - aus Neutralitätsgründen gewissermaßen. Aber eine Ungarin als Grace Kelly, beim besten Willen, das geht dann wohl doch nicht.

teleschau: Wie eng muss solch ein Projekt mit dem Fürstenhof abgestimmt werden?

Dornhelm: Da habe ich lange hin- und herüberlegt - ich bin ja mit Albert befreundet. Aber bei reiflicher Überlegung finde ich, es ist für beide Seiten besser, wenn es kein offizieller Film wird. Die Geschichte dreht sich im Wesentlichen auch nicht um ihre Jahre im Fürstenhaus, sondern um die Vorgeschichte, um die Schauspielerin, um das Leben von Grace Kelly im Alter von 17 bis 26 Jahren - bis sie ihren Fürsten kennenlernte und nicht mehr ihrer Leidenschaft nachgehen konnte. Ich würde Albert den Film aber natürlich sehr gerne vorab zeigen, es wird ja eine positive Geschichte, ich werde sicher nichts tun, was dem Ruf des Fürstenhauses schadet.

teleschau: Sie kannten Grace Kelly ...

Dornhelm: Ja. Aber der Film handelt von einem Teil ihres Lebens, den auch ich nur aus Geschichten kenne. Die Arbeit an dem Projekt ist also auch für mich eine Entdeckung. Ich lernte Gracia Patricia erst in den 70-ern kennen, 19 Jahre nachdem mein Film enden wird.

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