"Ich will einfach bei guten Filmen dabei sein"

spielt in "Avatar - Aufbruch nach Pandora", der gerade auf DVD und Blu-ray Disc erscheint

Intelligent und kämpferisch: Sigourney Weaver hat in "Avatar - Aufbruch nach Pandora" einmal mehr eine perfekte Rolle gefunden.
24.04.2010, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Andreas Fischer

Intelligent und kämpferisch: Sigourney Weaver hat in "Avatar - Aufbruch nach Pandora" einmal mehr eine perfekte Rolle gefunden.

1979 machte Ridley Scott Sigourney Weaver (60) unsterblich, als er die New Yorkerin für sein düsteres Weltraum-Epos "Alien" besetzte. Ellen Ripley mag ihre bekannteste Rolle sein, die Karriere hat sich Weaver von ihr nicht bestimmen lassen. Die studierte Literturwissenschaftlerin hat sich einfach nie in ein Klischee zwängen lassen. Sie spielte immer starke Frauen, ja. Aber mit Nuancen: in Komödien ("Ghostbusters", 1984), Dramen ("Der Tod und das Mädchen", 1994) und Selbstironischem ("Galaxy Quest", 1999). Drei Mal war die Mutter eine 19-jährigen Tochter für den Oscar nominiert ("Gorillas im Nebel", "Die Waffen der Frauen", "Aliens - Die Rückkehr"). Für Regisseur James Cameron zog sie sich einen "Performance Capture"-Anzug an, um auf einen faszinierenden, fremden Planeten aufzubrechen. In seinem CGI-Spektakel "Avatar - Aufbruch nach Pandora", das nun in einer 2D-Fassung auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich ist, spielt Sigourney Weaver eine Wissenschaftlerin, die für den Erkenntnisgewinn ihr Bewusstsein in ein künstlich geschaffenes Lebewesen projiziert.

teleschau: Beim "Performance Capture"-Verfahren wird die Darbietung der Schauspieler aufgenommen und auf computeranimierte Figuren übertragen: Haben Sie sich während der Dreharbeiten in einer kargen Halle eigentlich vorstellen können, dass ihre Figur auf einem derart wundersamen Planeten wie Pandora lebt?

Sigourney Weaver: Wenn James Cameron nur die Hälfte von dem realisiert hätte, was im Drehbuch stand, wäre es schon unglaublich gewesen. Aber er hat alles umgesetzt. Und es ist umwerfend. Ich hatte mir das ehrlich gesagt beim ersten Lesen des Skripts nicht vorstellen können: Es war wie ein Traum, und ich wusste nicht, wie man sich einen Film erträumen kann.

teleschau: Hat Ihnen James Cameron seine Visionen erklärt?

Weaver: Jim ist ohnehin ein Regisseur, der sehr gut mit Schauspielern umgehen kann, immer freundlich, immer hilfsbereit. Bei "Avatar" war er besonders geduldig und behutsam und gab uns jederzeit das Gefühl, dass der Film von unserer Arbeit abhing - egal wie imposant die Special Effects würden, egal wie bombastisch die CGI-Welten. Er war wie ein Beschützer, der uns die Angst vor der schieren Größe des Projekts nahm. Wir konnten im Prinzip wie in einem Kammerspiel arbeiten.

teleschau: Und dann haben Sie Ihren eigenen "Avatar" auf der Leinwand gesehen, der Ihnen erstaunlich ähnlich sieht ...

Weaver: Ich weiß, ich weiß. Ich war ein wenig enttäuscht, dass er mir so ähnelt. Eigentlich hatte ich gehofft, mehr wie eine Löwin auszusehen. Vielleicht haben es die CGI-Künstler ja auch versucht. Ich gewöhne mich aber langsam daran.

teleschau: Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Weaver: Ich arbeitete mit Botanikern auf Hawaii und in Los Angeles, um die Grundlagen der wissenschaftlichen Arbeit zu lernen. Proben nehmen zum Beispiel. Jim ist ein totaler Wissenschaftsfan, wir drehten auch viele Szenen mit Experimenten. Aber die meisten wird es wohl nur auf DVD geben. Er legte viel Wert auf die Wissenschaft, auf ihre Schönheit und ihre Rätsel. Natürlich griff ich auch auf meine persönlichen Erfahrungen mit Frauen zurück, die ihr Leben der Wissenschaft widmeten, die sich ihrer Sache völlig hingaben.

teleschau: So wie die Primatenforscherin Dian Fossey, die sie 1988 in "Gorillas im Nebel" spielten?

Weaver: Genau. Was für Fossey der Urwald war, ist für die Grace der Planet Pandora. Sie fühlt, dass dort ihre Bestimmung liegt. Aber um die Schönheit erleben, um die Wunder entdecken zu können, muss sie für Leute arbeiten, die sie verachtet.

teleschau: Braucht die Menschheit solche Frauen, um die Dummheiten der Männer zu kompensieren?

Weaver: Gewissermaßen ja. Männer und Frauen sind in einigen Eigenschaften grundverschieden. Grace zum Beispiel ist nicht so profitorientiert wie die männlichen Bösewichter, die Pandora ausbeuten. Sie sind ehrgeizig und verfolgen konsequent nur ein einziges Ziel, ohne ein Auge für ihre Umgebung zu haben. Und dadurch geraten sie in eine Sackgasse.

teleschau: Es ist nicht das erste Mal, dass sie eine starke Frau spielen. Man denke nur an Ellen Ripley aus den "Alien"-Filmen: Den zweiten hat James Cameron inszeniert. Sind sie Spezialisten für diese Rollen?

Weaver: Jim weiß einfach, wozu Frauen fähig sind. Er bewundert sie und hat ein gutes Gespür. Die Pilotin in "Avatar" ist zum Beispiel von einer Frau inspiriert, die ihn einst in der Antarktis halsbrecherisch, aber sicher durch einen Sturm manövrierte. Er beobachtet im Leben und reflektiert in seinen Filmen. Das bedeutet dann auch, dass seine Frauencharaktere sehr subtil sind. Dass sie trotz ihrer Stärke auch Schwächen haben dürfen, kleine Fehler und vor allem den Humor nicht verlieren. So sind Frauen nun mal.

teleschau: Wenn Sie nur mal an Ihre eigene Karriere denken: Das Frauenbild hat sich in der Zeit stark gewandelt. Glauben Sie, dass Sie mit Ihren Filmen dazu beitrugen?

Weaver: Ich persönlich nicht, aber vielleicht hat Ellen Ripley in der Tat das Verständnis gefördert. Generell gilt: Es ist immer eine Frage des Charakters, was sich erreichen lässt. Und keine Frage des Geschlechts.

teleschau: Es gibt Gerüchte, dass Ridley Scott an einem Prequel von "Aliens" arbeitet. Werden Sie wieder dabei sein?

Weaver: Ich bin froh, dass Ridley Scott involviert ist. Allerdings weiß ich nichts Genaues und kann mir auch nicht vorstellen, dass Ellen Ripley in einer Vorgeschichte auftaucht. Hoffentlich versuchen die Leute beim Studio nicht nur einfach nur, mehr Geld mit einer wunderbaren Reihe zu verdienen. Das haben sie mit den schrecklichen "Predator"-Filmen genug getan.

teleschau: Sie könnten dank Computertechnik sogar eine viel jüngere Ellen Ripley spielen. Macht es Ihnen eigentlich Angst, dass die Technik immer weiter fortschreitet und Schauspieler vielleicht überflüssig werden?

Weaver: Das wären ja nur Nachahmungen, die lassen sich immer leicht bewerkstelligen. Aber um überzeugend zu sein, muss ein Schauspieler, muss Talent die Basis sein. Wie bei "Avatar": Es war die Arbeit der Darsteller, die von den CGI-Experten übersetzt wurden. Die ist wichtig, und deswegen bin ich stolz auf den Film. Dabei wurde mir an der Schauspielschule gesagt, ich hätte kein Talent.

teleschau: Dafür sind sie aber weit gekommen, und zwar ohne sich in ein Rollenmuster pressen zu lassen ...

Weaver: Das ist nett. Man kann eine Menge erreichen, weil es so viele verschiedene gute und starke Rollen gibt. Die müssen nicht groß sein, das war auch nie mein Ziel. Ich will einfach bei guten Filmen dabei sein.

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