13 Wochen Sommerpause Sport und Wiederholungen: Die nächste "Tatort"-Premiere läuft erst Ende August

Die letzte "Tatort"-Erstausstrahlung, der Film "Skalpell" aus der Schweiz, wurde am Pfingstmontag im Ersten gesendet. Was nun folgt, sind Wiederholungen am Fließband im vermutlich größten Sommerloch aller Zeiten.
08.06.2012, 00:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Frank Rauscher

Die letzte "Tatort"-Erstausstrahlung, der Film "Skalpell" aus der Schweiz, wurde am Pfingstmontag im Ersten gesendet. Was nun folgt, sind Wiederholungen am Fließband im vermutlich größten Sommerloch aller Zeiten.

Jeden Sommer dieselbe Leier: Das Erste zeigt über Wochen "Tatort"-Wiederholungen am Sonntagabend und muss sich das von Kritikern und Teilen des Publikums immer wieder aufs Neue um die Ohren hauen lassen. Diesmal, in einem Jahr mit Fußball-Europameisterschaft und Olympischen Spielen, kommt es dicker denn je: Erst am Sonntag, 26. August, so ARD-Sprecherin Agnes Toellner auf Nachfrage, soll die nächste Erstausstrahlung die Sauregurkenzeit beenden. Aber wer die Quote hat, hat die Argumente ...

Weit über acht Millionen Zuschauer sahen am vergangenen Sonntag (3. Juni) die erste "Tatort"-Sommerwiederholung "Schlafende Hunde". Der Bremen-Krimi mit Sabine Postel und Oliver Mommsen fuhr mit 22,7 Prozent Marktanteil den klaren Bestwert des Tages ein. Noch Fragen? Ja: Was heißt hier "Saure Gurken"?

Man könnte aber auch versuchen zu ergründen, was es generell über das deutsche Fernsehen aussagt, wenn eine "Tatort"-Wiederholung mit einem derartigen Kantersieg die Konkurrenz auf die Plätze verweist und ausgerechnet die ebenfalls in Wiederholung ausgestrahlte ZDF-Schmonzette "Katie Fforde: Eine Liebe in den Highlands" (5,98 Millionen Zuschauer) zum zweiterfolgreichsten Film des Tages wird. Aber vermutlich wird man dabei auch nicht viel weiter kommen als sonst und alsbald bei Plattitüden der Marke "Früher war alles besser, vor allem das TV-Programm" und "Das Publikum kriegt, was es verdient" landen. Ein Schwall künstlicher Aufregung - so werden wohl auch die verantwortlichen Programmmacher jedweden Einwand gegen ihr Wiederholungskonzept abtun und auf den allgemeinen Kostendruck verweisen.

"Sie tragen ja einen Anzug auch nicht nur einmal", sagt etwa Gebhard Henke, der nebenbei die Berufsbezeichnung "Tatort-Koordinator" trägt. "Das Thema", schnaufte der Fernsehspiel-Chef des WDR schon 2009, "kommt doch alle Jahre wieder auf". Der "Tatort" sei "ein hochwertiges, gut gemachtes, teures Produkt", so Henke. Er freue sich, "dass man die Gelegenheit hat, das öfter zu zeigen. Und wenn ein Film 25 Prozent Sehbeteiligung hat, heißt das ja, 75 Prozent haben ihn noch gar nicht gesehen".

Also kommen einige der bemerkenswertesten "Tatort"-Filme nun noch einmal zu ihrem Recht. Was dabei auffällt: Keine der Wiederholungen, die in den nächsten Wochen im Ersten zu sehen sind, ist älter als zwei, drei Jahre, die Krimis sind bei "Tatort"-Fans alle noch in bester Erinnerung. - Ganz einfach weil sich, so Henke, der Zuschauer sehr viel schwerer tue mit älteren Stoffen. "Das Gros der Zuschauer ist an den 'Tatorten' interessiert, die zwischen zwei und fünf Jahren alt sind", weiß er. Außerdem verweist Henke für nostalgischere Gemüter auf nächtliche Sendeplätze in den Dritten, wo durchaus auch mal "Tatorte" aus den früheren Jahrzehnten laufen.

Nach dem Inga-Lürsen-"Tatort", der bei seiner Erstausstrahlung 2010 9,25 Millionen Zuschauer (25,9 Prozent Marktanteil) hatte, folgt am Sonntag, 10. Juni, 20.15 Uhr, der "Tatort: Heimatfront", in dem das inzwischen abgesetzte Saar-Duo Duo Kappl (Maximilian Brückner) / Deininger (Gregor Weber) im Umfeld traumatisierter Bundeswehrsoldaten ermittelt - achteinhalb Millionen Menschen wollten den spannenden Problemstoff-Krimi von Oscargewinner Jochen Alexander Freydank bei der Erstausstrahlung 2011 sehen.

Keinen "Tatort" wird es am Sonntag, 17. Juni, geben: Im Ersten regiert König Fußball - Deutschland tritt im letzten Vorrundenspiel gegen Dänemark an. Aber 3sat springt mit einer originellen Idee in die Bresche: Zur besten Sonntagskrimizeit läuft dort der "Polizeiruf 110: Im Alter von ...", der im Jahr 1974 in der DDR verboten wurde und 2011 nach seiner Rekonstruktion durch den MDR erstmals im Dritten zur Ausstrahlung kam. Fußballmuffel dürfen sich also über ein Stück deutsch-deutsche TV-Geschichte freuen.

Am Sonntag, 24. Juni, steht bei der EM ein Viertelfinalspiel an - wer überträgt, steht noch nicht fest. Sollte es das ZDF sein, dann zeigt das Erste den Stuttgarter "Tatort: Blutgeld" (Erstsendung: April 2010, 8,47 Millionen Zuschauer) mit den Kommissaren Sebastian Bootz (Felix Klare) und Thorsten Lannert (Richy Müller). Der brillante Frankfurt-"Tatort: Weil sie böse sind", noch mit Andrea Sawatzki und Jörg Schüttauf als Ermittler, hat dann am Sonntag, 1. Juli, den mit Abstand schwersten Stand aller Wiederholungen - er läuft parallel zum EM-Finale. Dabei ist der Krimi (Quote der Erstausstrahlung: 7,43 Millionen, 19,8 Prozent) eigentlich viel zu schade, um ignoriert zu werden: Vor allem die beiden Episodenhauptdarsteller Matthias Schweighöfer und Milan Peschel überzeugten im Werk von Regisseur Florian Schwarz derart, dass am Ende der Deutsche Fernsehpreis als bester Fernsehfilm des Jahres 2010 heraussprang.

Am Sonntag, 8. Juli, sind die Kölner Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt,) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) mit einem ihrer besten Krimis der letzten Jahre an der Reihe: "Kaltes Herz" erreichte bei der Erstausstrahlung im Frühjahr 2010 trotz seines tristen Sozialmilieu-Themas 9,88 Millionen Zuschauer. 8,71 Millionen Menschen (27,5 Prozent) sahen im Mai 2011 den insgesamt 800. Film der "Tatort"-Reihe, "Eine bessere Welt". Das furiose Debüt von Nina Kunzendorf und Joachim Król als Frankfurter Kommissare wurde ob seiner Wucht und seines Erzähltempos von den Medien mithin als Meilenstein gefeiert und ist nun, am Sonntag, 15. Juli, 20.15 Uhr, nochmals zur besten Sendezeit zu sehen. Eine Woche später, am Sonntag, 22. Juli, ist schließlich jene Frau an der Reihe, die dem Wort "Frauenquote" eine völlig neue Bedeutung gab: Publikumsliebling Maria Furtwängler alias Charlotte Lindholm lotet in "Der letzte Patient" (Erstsendung: November 2011, 8,79 Millionen Zuschauer, 25,1 Prozent Marktanteil) die Härten des Alltags einer alleinerziehenden, berufstätigen Mutter aus - und löst nebenbei einen verzwickten Fall.

Wie es an den folgenden Sonntagen im ARD-Primetimeprogramm weitergeht, steht bislang nur teilweise fest: Am 29. Juli stehen Wettkämpfe der Olympischen Sommerspiele in London auf dem Programm. Am 5. August folgt wieder eine "Tatort"-Wiederholung, wobei noch offen ist, welche das sein wird, bevor am Sonntag, 12. August, abermals Olympia übertragen wird. Abgeschlossen wird die Wiederholungsorgie am Sonntag, 19. August, aller Voraussicht nach mit "Herrenabend", einem Krimi des beliebten Münster-Duos Jan Josef Liefers und Axel Prahl, bevor am Sonntag, 26. August, endlich wieder frische Ware im Angebot ist.

Gezeigt wird dann voraussichtlich wieder ein Schweizer "Tatort" mit dem in Luzern ermitteltenden Stefan Gubser alias Reto Flückiger. Auch der letzte Film vor der "Tatort"-Sommerpause kam aus der Schweiz: 7,01 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 23,6 Prozent) verfolgten am Pfingstmontag den zweiten SF-Fall "Skalpell" - eine ordentliche Resonanz für den Neuling, auch wenn so manche Wiederholung nun locker an diesem Ergebnis vorbeiziehen wird.

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